Bernard Allison ist ein begnadeter und äusserst vielseitiger Gitarrist, sympathisch und mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen, die es ihm ermöglicht, in den meisten Stücken mindestens zwei Solos zu spielen. Gut so, denn sein Ton ist mächtig, brennend und irre geil, egal ob er FENDER oder GIBSON spielt. Seine Begleitband ist zuverlässig, abwechslungsreich und nicht auf eine Statistenfunktion reduziert; Bernard Allison gewährt Freiräume für Piano und Saxofon und die Background Vocals sind superb und schweissen das Ganze zu einer echten Band zusammen. Das Repertoire könnte umfangreicher nicht sein: Von funkigem Blues über Stomp bis zu Balladen und schwerem Blues Rock in der Art von CREAM ist alles vertreten. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) kommt die Scheibe bei mir nicht über drei Sterne weg. Sie ist zum einen zu traditionell, um aussergewöhnlich zu sein. Zum anderen verhindert die Vielseitigkeit, dass so etwas wie Charisma aufkommt. Bernard Allison ist in allem gut, egal ob er Blues oder Rock spielt, egal ob er Slide spielt, eine Semiakustik oder eine Les Paul im Anschlag hat, aber sein Wiedererkennungswert ist noch nicht sehr gross. Obwohl er schon lange aus dem Schatten seines Vaters getreten ist, versucht er wie dieser in seiner Spätphase mit Versatzstücken aus Rock ein grösseres und hitparadenorientiertes Publikum zu erreichen. Finanziell sicher eine Rechnung die aufgegangen ist, er tourt immerhin jährlich in Amerika und in Europa; davon können andere Bluesmusiker nur träumen, und die Konzerte lassen nichts zu wünschen übrig. Echt peinlich sind nur die schmalzigen Balladen, die nichts mit Blues zu tun haben.