Es gibt nur ganz wenige LPS/DVDs, die ich von vorne bis hinten durchhören kann, ohne bestimmte Titel zu überspringen. Dies galt ansonsten auch für die Scorpions, aber eben nicht für diese Scheibe. Warum? Fast alle Stücke klingen für meinen Geschmack mit akkustischer Gitarre noch besser als elektronisch verstärkt. Einzige Ausnahmen sind "The Zoo" und "Hurricane 2001", aber hier ist auch logisch warum. Die Musik der Scorpions verkörpert für mich fast 40 Jahre lang geradezu genial das tragikomische Lebensgefühl einer ganzen Generation, die sich einmal vorgenommen hatte, schrill, laut und anders zu sein, um am Ende doch von allen geliebte "brave Mädchen und gute Jungens" zu bleiben. Je mehr die Scorpions versuchten, auf dem Hardrocksektor große Hits zu landen, desto erfolgreicher waren ihre sanften Balladen. Je lauter Klaus Meine sang, desto deutlicher wurde am Ende nur, dass er eine hervorragender Stimme für die sanften Töne hat. Je mehr die Band sich bemühte, vom Rythmus her die Melodien dominieren, desto erfolgreicher wurden die Stücke, in denen die Melodien den Ton angaben. Auf dieser DVD sind die ruhigeren Stücke früherer LPs/DVDs ohne die sonst zahlreicheren lauten Kracher konzentriert. Einzig das Anfangs- und das Schlusslied, "The Zoo" und "Hurricane 2001", passen nicht wirklich in dieses Schema, weil diese Lieder nun einmal mehr vom Rythmus als von der Melodie leben. Es ist ein Dankeschön an die Fans, dass die Gruppe sich zum Ende dafür entschieden hat, noch einmal gesammelt die leisen Töne aufzulegen.