Anfänglich war ich von diesem Buch enttäuscht, da ich mir von Cover eher zeitgemäße Gitarrensongs im "unplugged" Stil erwartet habe. Rhythmusbegleitung & Blues nehmen in diesem Buch, verglichen mit anderen Gitarrenschulen, nämlich einen eher geringen Stellenwert ein ("Blowin' in the wind" von Bob Dylan ist so ziemlich das modernste was hier geboten wird, und einige Eigenkompositionen wirken anfangs eher abschreckend).
Das Buch richtet sich eher an jüngere Gitarrenschüler (ich würde mal sagen 10 bis 14 jährige sind die Zielgruppe), das sollte nicht unerwähnt bleiben. Wer auf coole Songs hofft, wird bei Liedern wie "Die Wissenschaft hat festgestellt" ("...dass Marmelade Fette enthält") eher enttäuscht werden. Hat man das aber erstmal verkraftet, entdeckt man eine durchaus gelungene Anfängerschule, die einem vor allem auch das Notenlesen und die klassische Musik in einfacher Form näherbringt. Während andere Bücher damit werben, einem "ganz ohne Noten" das Gitarrespielen beizubringen, wird hier der umgekehrte Weg beschritten, und das ist gut so.
Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern wird man hier nicht durch Rock- oder Blues-Schwerpunkte vorzeitig in eine bestimmte Ecke gedrängt, auch verzichten die Autoren auf ein eigenes Kapitel zur E-Gitarre; stattdessen wird der Schüler zunächst mit dem absoluten 1x1 konfrontiert, um dann doch von allem ein bisschen mitzubekommen und sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, was mit der AKUSTISCHEN Gitarre alles möglich ist.
Auch der Aufbau ist anders als die meisten Lehrbücher. Teil A lehrt Grundzüge in Begleitrhythmen & Akkorden (für absolute Anfänger - jeder der schon ein wenig begleiten kann, wird eher unterfordert sein), Teil B wendet sich den Basics des Melodiespiels (Tonleiter) zu. Welchen Teil man sich zuerst vornimmt, bleibt einem selbst überlassen, in jedem Fall müssen aber beide Lektionen "sitzen", bevor man sich Teil C widmet, welcher dann Rhythmus & Melodie kombiniert, einige Spezialkapitel behandelt (Arpeggio, Tirando, Blues, PowerChords), und auf die ersten Solostücke zum Abschluß hinführt...Track 65, "Allegro" von Mauro Giuliani bildet dabei den Höhepunkt, und sollte jedem skeptischen Notenbanausen wie mir die klassische Gitarre schmackhaft machen können!
Weitere Pluspunkte: die tadellos produzierte CD & der von den Autoren selbst eingespielte Gesang - nicht so öde wie bei Bursch & nicht so demotivierend gut wie bei Kumlehn. Besonders gut geeignet auch als gemeinsame Lernhilfe zu zweit und/oder mit dem Lehrer, da viele Songs mehrstimmig konzipiert sind, und über die Stereolautsprecher (links/rechts) gewisse Song-Anteile "ausgeblendet" werden können.
Unterm Strich ein gelungenes Anfängerbuch, welches zwar auf den erste Blick weniger attraktiv als andere scheint, dafür den Schüler aber auch nicht desorientiert und überfordert. Für möglichst baldiges Klampfen am Lagerfeuer ist man mit Peter Bursch zwar besser bedient, wer aber ernstere musikalische Absichten hegt, sollte vielleicht doch eher hier zugreifen! Wer eher in Richtung Rock/Blues/Western-Gitarre tendiert, dem würde ich für den Anfang Jürgen Kumlehns "Neues Gitarrenbuch" empfehlen.
Anmerkung Dezember 2008: mittlerweile gibt es auch eine Fortsetzung zu dem Buch (selbes Cover in blau) welches auf den 1. Teil aufbaut, und auf den ersten Blick noch gelungener erscheint (im 1. Teil hatten sich doch zahlreiche Tippfehler eingeschlichen und auch die Qualität des Papiers war nicht berauschend) - der 2. Teil ist umfangreicher und optisch ansprechender, wobei man das alte Prinzip des 3-teiligen Aufbaus mit möglichst unterschiedlichen Musikrichtungen beibehalten hat.