Mit Black und Gothic Metal kann man in Polen ganz gute Verkaufsergebnisse erzielen. Dass aber gute Platten aus diesen Bereichen im östlichen Nachbarland erscheinen, kommt eher selten vor. Und dass diese auch noch einen Vertrieb in Resteuropa ködern können, ist dann schon die ganz große Ausnahme. Und wenn es sich bei dieser Ausnahme dann noch um Sirrah handelt, ist das eine außerodentlich angenehme. Sirrah haben sich dem etwas flotteren Gothic Metal verschrieben und verleihen ihm durch viele ausgefallene Ideen einen recht eigenständigen Anstrich.
Natürlich dürfen die Genre-Trademarks nicht fehlen - die obligatorische Frauenstimme ist da, die schönen Akustikparts sorgen für Verschnaufpausen und eine Geige darf auch die eine oder andere Träne in die Augenwinkel drücken. Aber Vorsicht, 08/15-Kost ist "Acme" keineswegs! Teilweise glaubt man ein Demo vor sich zu haben, so verspielt zeigt sich die Band. Da wird die Dame mal eben zum Rhythmusinstrument degradiert, während cleaner mit gegrunztem Gesang wechselt und das übliche Röchel-Engelsstimmchen-Spiel ersetzt. Dazu gesellen sich abwechslungsreiche Songaufbauten und hübsche Harmonien.
Das wäre noch viel schöner gewesen, wenn sich alle Tracks auf einem Niveau befinden würden. Leider schwankt dies ein bisschen und mit "Panaeca" fällt ein Song sogar derart aus dem Rahmen, dass man beim besten Willen nicht mehr bereit ist, ihn als Bestandteil dieser Scheibe zu akzeptieren. Außerdem hätte so ein viel versprechendes Album einen angemesseneren Schluss verdient. Über diese Mängel hilft aber die für polnische Verhältnisse schon glänzende Produktion hinweg und notfalls kann man sich auch über die herrlich unbeholfenen Texte amüsieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)