"der chef: gestatten, despotowitsch. sein untergebener: gestatten, vasallowitsch!" - mit diesem kleinen seitenspot auf ein von ustinov beschriebenes kroatisches filmteam erhellt sich vielleicht am zügigsten das konzept seines neuesten buches - eines, von dem er sagt, es werde eventuell sein vermächtnis sein: ustinov stellt wie üblich humorvoll, manchmal staunend, oft aber auch mit tiefem schrecken dar, wie die geschichte der menschheit als eine geschichte verheerender vorurteils-produktionen begriffen werden kann: von nero bis bush, von pol pot bis auschwitz, vom monotheismus bis zum terrorismus: ustinovs beispiele machen nachdenklich - und fördern die fähigkeit, zu erschrecken. ustinov, der als das beste gegenmittel zum vorurteil den zweifel nennt, erlaubt sich sogar, die verteufelung des terrorismus in zweifel zu ziehen, wenn er (aphoristisch perfekt) formuliert: "der terrorismus, der im furchtbaren 11. september kulminierte, ist ein krieg der armen gegen die reichen. der krieg ist ein terrorismus der reichen gegen die armen." an drei europäischen universitäten (wien, budapest, durham) hat ustinov die einrichtung von lehrstühlen zur vorurteils-erforschung initiiert. für den wiener lehrstuhl gewann ustinov den psychoanalytiker horst-eberhard richter, der im sommer 2004 dort seine vorlesungen unter dem titel "kreuzzüge" aufnehmen wird. das buch ustinovs ist ein kreuzzug für den zweifel - und auf seitenpfaden immer noch einer für die ironie als kreative erkenntnis-methode. gerne zitiert er lessing: "das lachen erhält uns vernünftiger als der verdruss." und wenn er toni schumacher "choumakkär" buchstabiert, weil die franzosen sich über ihn aufregten, oder wenn er argwöhnt, der papst wolle gar nicht mit ihm tennis spielen (er erhielt ein schreiben, bei der nächsten audienz doch bitte seinen schläger mitzubringen) - womöglich wolle der heilige vater ihm "hinter der racket-bespannung nur die beichte abnehmen" - dann wissen wir: dieser ustinov ist unersetzlich...