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Doch Ustinov widmet sich nicht nur der großen Politik. Die meisten Vorurteile sieht er im Alltag am Werk: der schiefe Blick auf einen ausländischen Mitschüler, das Naserümpfen über die seltsamen Angewohnheiten des Nachbarn, Familienkrach und Kollegenschelte. Das klingt nach erhobenem Zeigefinger, aber der gehört glücklicherweise nicht zu Ustinovs Instrumentarium. Stattdessen massiert der Autor auf gewohnt charmante Weise Zwerchfell und Hirn seiner Leserschaft gleichermaßen und bringt ihr seine Botschaft in heiter-tiefgründigem Plauderton nahe.
Ustinov erweist sich in diesem Buch wieder einmal als übersprudelnder Quell aufschlussreicher Anekdoten. Jedes Kapitel garniert er mit mehreren Episoden aus seinem Leben. Das Hauptthema des Buches gerät Ustinov dabei manchmal etwas aus dem Blick, wenn die Erzähllust mit ihm durchgeht. Im Zweifelsfall ist dem Autor eine witzige Geschichte oder eine gute Pointe allemal wichtiger als das Festklammern an einem roten Faden.
Ustinov hat daher nicht nur ein Buch über Vorurteile geschrieben, sondern auch eine Art konzentrierter Autobiografie. Dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Von einem, der als "Beruf: Weltbürger" angibt, lässt man sich gerne berichten, wie man sich durch Humor, Neugier und eine gesunde Portion Zweifel an vermeintlichen Wahrheiten gegen die Verführungen des Vorurteils wappnet. --Christoph Peerenboom -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Die Parodie scheint Ustinov auf den Leib geschrieben zu sein; man hört sie fast in jedem Satz. Ob er von Chaplin, von Georges Simenon oder von seiner Erhebung in den Adelsstand erzählt, er tut es immer etwas ironisch, und er bringt das Falsche blitzschnell auf den Punkt. Humor und Toleranz sind da jedoch noch immer zu hören. Es gibt aber auch Menschen, denen er nicht so versöhnlich gegenüber steht -- auch daraus macht er kein Hehl --, George W. Bush und seine Politik findet er gefährlich! Themenwechsel: Wenn Ustinov von der Schweiz, seiner Wahlheimat spricht und auf die Langsamkeit seiner Bewohner anspielt, wenn er die Eigenheiten anderer Völker und Glaubensgemeinschaften ins Visier nimmt, dann ist dabei immer noch eine Portion liebevoller Humor zu erraten.
Neben diesen amüsanten, zum Teil auch ernsten Anekdoten gibt Ustinov preis, woran er glaubt: Er glaubt z.B., dass Kinder bar jeglicher Vorurteile sind, und dass das Individuum immer höher als die Masse gehalten werden muss. Er macht auch darauf aufmerksam, dass trotz aller mutiger Aktionen unserer Zeit ein Mangel an moralischer Tapferkeit festzustellen ist!
Sir Peter Ustinov wurde 1921 in London geboren. Er ist in dritter Ehe verheiratet und hat vier Kinder. Mit dem Film Quo Vadis begann 1951 seine Schauspielkarriere; bislang letzte Etappe ist seine Rolle als sächsischer Kurfürst Friedrich der Weise in dem Film Luther. Dazwischen liegen u.a. unzählige Filmauftritte als Inspektor Hercule Poirot in den Krimis von Agatha Christie. Für Spartacus (1959) und Topcapi (1964) wurde er mit dem Oscar geehrt. Neben der Schauspielerei, der Arbeit als Regisseur (Film, Theater und Oper) wirkt Ustinov seit dreißig Jahren auch als Botschafter der Unicef. 1990 wurde er von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben.
Originalton, Live-Mitschnitt einer Veranstaltung von Hoffmann und Campe im Hotel Vier Jahreszeiten im Dezember 2003, moderiert von Jürgen Ritte und Harald Wieser. Spieldauer: ca. 60 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. -- culture.text
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Audio CD
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