"Die Fähigkeit, die umherschweifende Aufmerksamkeit immer wieder zurückzubringen, das ist die eigentliche Grundlage für Urteil, Charakter und Willen...Eine Bildung, die diese Fähigkeit verbessern könnte, wäre Bildung schlechthin."
Schon allein dieses Zitat des amerikanischen Religionsphilosophen William James im Vorblatt des hier zu besprechenden Buches nimmt neben dem Wort "achtsam" im Titel den gespannten Leser und Vater positiv für das Buch ein und lässt ihn erwartungsvoll die ersten Seiten des Inhaltsverzeichnisses aufschlagen.
Dort findet sich in den Formulierungen der Kapitelüberschriften schon sprachlich eine Erziehungs-, Lebens- und Lernphilosophie, die mich sofort eingenommen hat. "Achtsamkeit" ist das große und wichtige Stichwort, das der Autor in seiner "spiraligen Landkarte des Lebens" aufschlüsselt in die Begriffe und Dimensionen:
Ganz
Körperlich
Emotional
Geistig
Sozial
Umweltlich
Ökologisch
Transpersonal
Integral
Einheit
Auch wenn man die diesem Konzept und dieser Lebenshaltung, denn um nichts anderes geht es, zugrundeliegenden Annahmen nicht vollständig und in jedem Einzelfall teilen möchte, so finden doch der aufmerksame Vater, die aufmerksame Mutter, aber auch interessierte Erzieherinnen und Lehrer in diesem Buch eine Fülle von Anregungen und Beispielen für ein gelingendes und glückliches, das Lernen förderndes Zusammenleben mit Kindern.
Eines allerdings sollte Eltern, die sich mit dieser Philosophie versuchen wollen, klar sein. Ihr seitheriges, von Alltagshektik und Berufsstress geprägtes Familienleben können sie so nicht weiterführen. Achtsamkeit braucht Zeit, es braucht freundliche Zuwendung und Einfühlung, Akzeptanz und liebende Güte und vor allen Dingen Erwachsene, die bereit sind und offen, das Lernen mit Kindern als Experiment für das Erlernen des eigenen Selbst zu begreifen.
Natürlich kann niemand aus der Realität aussteigen. Aber Erwachsene können durchaus Schritt für Schritt in ihren Alltag mit ihren Kindern etwas von jener Achtsamkeit integrieren, von der ihn diesem Buch von Anfang bis zum Ende die Rede ist. Auch die kleinen gemeinsamen neuen Erfahrungen, die vielleicht zunächst nur ganz kurzen Phasen des gemeinsamen Erlebens von achtsamem, freundlichem und zugewandtem Umgang miteinander können den Alltag, die Lebensqualität und die gemeinsame Freude am Lernen erheblich verbessern.
Das tut uns Erwachsenen gut und unseren Kindern, meint ein Rezensent, der diesem Buch eine weite Verbreitung wünscht und mit dieser Rezension dazu beitragen möchte.