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Achterbahn: Ein Lebensweg
 
 
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Achterbahn: Ein Lebensweg [Taschenbuch]

Frido Mann
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Rowohlt (1. Juli 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499623927
  • ISBN-13: 978-3499623929
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 3,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 58.825 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Frido Mann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Neues von der Mann-Familie: Frido Mann zieht die Bilanz seines ungewöhnlichen Lebens. «Frido Mann ist der Prinz einer Dynastie des Wortes.» Süddeutsche Zeitung

Über den Autor

Frido Mann, geb. 1940 in Monterey/ Kalifornien, arbeitete viele Jahre als Klinischer Psychologe in Münster, Leipzig und Prag. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Pfäffikon/Schweiz und in Göttingen. Buchveröffentlichungen: «Professor Parsifal» (1985); «Der Infant. Roman» (1992); «Terezin oder Der Führer schenkt den Juden eine Stadt» (1994); «Brasa. Roman» (1999); «Hexenkinder. Roman» (2000); «Nachthorn. Roman» (2002); «Babylon. Roman» (2007).

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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Kunst des Loslassens 30. Juni 2008
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
- Der Lieblingsenkel des "Zauberers" schildert sein unstetes Leben im Bann eines allmächtigen Namens - dem seines Großvaters Thomas Mann -

Am Ende dieser Autobiografie ist ein Gespräch von Fridolin Mann - des 1940 im Kalifornischen Exil geborenen, ersten Enkels Thomas Manns - mit seinem Sohn Stefan wiedergegeben. Auf die Frage Stefans, ob er gegenüber seinem Großvater - dessen ausgesprochener Lieblingsenkel er war - große Dankbarkeit empfindet, antwortet Frido: "Ich weiß nicht, was ich ohne ihn wäre. Denn für mich war er offensichtlich ein sehr viel größerer Segen als für seine drei Söhne, möglicherweise auch mehr als für seine Töchter. Aber es sind eigentlich nur er und meine Großmutter Katia, denen ich bis heute dankbar bin."

In diesen Worten schwingt eine große Liebe, aber auch Verbitterung und Wehmut mit. Drei Sätze, die eigentlich das gesamte Leben Frido Manns umschreiben, vergleichbar mit einer Fahrt auf der Achterbahn: ein permanenter Wechsel zwischen Hoch und Tief, ein Auf und Ab zwischen Himmel und Erde und ständig versuchen die Fliehkräfte, den eigenen Wagen aus der Bahn zu werfen. Und genau dieses spektakuläre Gefährt hat er zum Titel seiner Autobiografie erkoren. Ist es doch auch so etwas wie die Verwirklichung des Traums vom Fliegen.

Wieso komme ich darauf? Weil er seinem Buch voran ein Gedicht von Karl Kraus - "Traum vom Fliegen" - stellt, welches sich wohl erst nach der Lektüre in seiner vollen Tragweite erschließt und dann auch verständlich ist, warum es Frido Mann gewählt hat. Die Verwirklichung des Traums vom Fliegen prägt seinen ganzen bisherigen Lebensweg: dem übermächtigen Großvater zu entkommen, an dem er gemessen wurde und immer noch wird.
Hatten bereits die Kinder des "Zauberers" allesamt Probleme ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, so ging diese schwere Bürde - das sogenannte Enkel-Klischee - auch auf Frido über.

Nach den ersten - wohl augenscheinlich glücklichsten - Jahren in Kalifornien, aber schon damals mit einem völlig unberechenbaren und extremen Stimmungsschwankungen unterlegenen Vater Michael Mann und der gleichmäßig unterkühlten und eher desinteressiert wirkenden Art seiner Mutter Greta, beginnt ein Leben mit ständig wechselnden Wohnsitzen und Bezugspersonen, in dem das Wort Elternliebe kaum auftaucht.
Dieses Unstete setzt sich gleichfalls in Frido Manns späteren Jahren fort. Sein Berufsweg reicht vom Dirigenten über den katholischen Theologen zum klinischen Psychologen (um "etwas über die 'Seele' meiner Familie, meines Vaters, und damit auch etwas über mich selbst zu erfahren"). Letztlich wurde er zum freien Schriftsteller.
Ein ständiges Suchen und auch Weglaufen vor seiner allmächtigen Familie. Ein steter Wechsel von Licht und Schatten, Hoffnung und Verzweiflung, Schuld und Vergebung - auch seine Frau (die Tochter des Physikers und Philosophen Werner Heisenberg) sollte er zweimal heiraten.

Nicht stringent chronologisch durchschreitet der Leser Frido Manns Lebensweg, den viele berühmte Namen kreuzen, sondern es ist eher ein Ineinanderschwimmen von Gegenwart und Vergangenheit, beinahe protokollartig, aber immer ungeheuer lesenswert. Man liest über Erika und Klaus Mann, über Golo, Fridos Patenonkel oder die familiäre Außenseiterin Monika. Doch Klatsch und Tratsch erwartet man vergeblich. Frido Mann verschweigt zwar nicht alle Macken, Ecken und Kanten seiner Verwandtschaft, doch er erzählt sie stets unprätentiös und weiß sie geschickt in den ganz normalen Alltag zu integrieren.

Dieses Buch ist nicht nur eine Zeitreise, sondern gleichfalls eine Bestandsaufnahme und eine therapeutische Verarbeitung seiner traumatischen Erlebnisse in der Großfamilie Mann.
Bei dem eingangs erwähnten Gespräch mit seinem Sohn wirft dieser noch eine andere Frage auf: wo er - Frido Mann - nun seinen Platz auf der Welt sieht, als Theologe, als Psychologe oder als Schriftsteller. "Ich möchte mich nicht gern ausschließlich auf eines dieser Gebiete festlegen lassen.", antwortet dieser, "Aber mein Wunsch ist es, bei jeder möglichen Gelegenheit engagierte und verantwortungsbewusste Menschen aus den Bereichen Religion und Ethik, Kunst, Naturwissenschaft und Naturschutz an einen Tisch zu bringen und sie dazu zu ermutigen, einen allgemeinen Nenner zu finden."

Fazit:
Ein wirklich bemerkenswertes Leben schildert Thomas Manns Lieblingsenkel.
Nun ist sicherlich schon jede Menge über die "amazing family" geschrieben worden, aber Frido Mann fügt ein ganz eigenes, schonungslos offenes und zudem spannendes Kapitel hinzu, mit jeder Menge durchaus noch unbekannter biografischer und zeitgeschichtlicher Details.
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Frido Mann Achterbahn Rowohlt
ISBN 3498045105

Wie kann man im Schatten eines so großen Dichters wie Thomas Mann leben?

Frido, der erste und sehr geliebte Enkel von Thomas Mann, hat sein Leben als Achterbahn beschrieben. Der Titel des Buches wurde zu Recht gewählt, denn dem Jungen wurden viele Jahre lang ständig wechselnde Aufenthaltsorte und ebenso wechselnde Bezugspersonen zugemutet. Die ersten acht Jahre in Kalifornien, wo er 1940 geboren wurde, gehörten allerdings noch zu den schönsten in seinem Kinderleben.
Das Haus seines Großvaters Thomas Mann in Pacific Palisades, die Tanten und Onkel, die dort zahlreich erschienen, hat er in lebhafter Erinnerung. Dazu die vielen Besucher der aus Nazideutschland geflohenen Elite,--es bleiben schöne Erinnerungen.
Schon im kleinsten Baby- und Kindesalter wurde er häufig für längere Zeit bei seinen Großeltern abgegeben. Seine Eltern, Th. Manns Sohn Michael und dessen Frau Gret, führen zeitlebens ein unstetes Leben, das sie in aller Herren Länder führt. Familienleben mochten und wollten sie nicht.
Für den kleinen Jungen festigt sich daher früh eine enge Bindung an den Großvater. Dieser konnte schöne Geschichten erzählen, nahm ihn auf ausgedehnte Spaziergänge mit und war eine ruhige und zuverlässige Erscheinung. Die Großmutter war eher aufbrausend, dabei zärtlich und fürsorglich.
Aus der Perspektive Fridos erfahren die Charakterisierungen aller Mitglieder der Familie Mann, die schon aus anderen Biographien bekannt sind, eine glaubwürdige Ergänzung.
Die exzentrische Erika, das verrückte Mönle, in der Geschwisterfolge das Pendant zu Golo, der Selbstmord von Klaus: Frido bekommt immer nur Schattierungen mit. Er registriert sensibel, wie das Verhalten der Erwachsenen auf ihn wirkt.
Kompliziert ist seine Rolle als Echo im Dr. Faustus, für die er die Vorlage gab. Bekanntlich wird Echo nach qualvollem Leiden mit vier Jahren buchstäblich vom Teufel geholt.
Die Blicke der Erwachsenen und Besucher zeigen ihm, dass man irritiert ist von dem Bild, mit der er zur Romanfigur wurde. Was es bedeutete, mit dem bösen Omen dieser vom Tode bedrohten Figur durchs Leben zu gehen, schildert Frido ausführlich und erläutert die Gedanken, die Th. Mann bewegt haben könnten, ihn zur Leitfigur dieser Rolle zu machen.

Fridos Weg führt nach dem Ende des Krieges und nach den einigermaßen glücklichen Kinderjahren in Kalifornien in die Schweiz, wo ein ungewöhnlich unruhiges Leben für ihn beginnt. Beide Großeltern leben nun am Zürichsee, und sie bleiben auch erreichbar für die Kinder.
In seinen Aufzeichnungen zeigt Frido die Eltern als in sich zerrissene Gestalten, die ihren Kindern überhaupt nicht gerecht werden können. Sie tauchen nur sporadisch auf und schieben ihre Kinder ständig herum. Brüche kamen häufiger vor. Versöhnungen wurden vom Sohn betrieben, der jedoch dabei Hürden zu überwinden hatte.
Die zahllosen Orte, an denen Frido lebte und zur Schule ging, müssen eine Qual für das Kind gewesen sein.
Er beschreibt sein Leben ehrlich und aufrichtig. Es wurde von den übermächtigen Persönlichkeiten der Familie Mann überschattet. Sich daneben zu behaupten, war schier unmöglich.
Der Tod des Großvaters 1955, ein jähzorniger Vater und eine kalte Mutter haben ihn sehr verunsichert. Man fragt sich, wie er unter diesen Bedingungen überhaupt zu einer gefestigten Persönlichkeit heranwachsen konnte. Es ist ihm mit Energie, immer neuen Anläufen, der Begleitung durch die richtigen Persönlichkeiten zum rechten Zeitpunkt gelungen.

Früh schon hatte er eigene Vorstellungen für seine Berufswahl. Er wurde Musiker, Theologe, Psychologe und Arzt, Doktor und Professor.
Seine vorübergehenden Aktivitäten an der Universität Leipzig/ DDR brachten ihn in Misskredit. Vieles wurde ausprobiert, und manches wieder verworfen. Ein Irrender und Suchender war er wohl lange Zeit.
Die marode und zerrüttete Familiengeschichte wird aus Fridos Sicht noch einmal aufgerollt. Seine Ehe mit C., einer Tochter Werner Heisenbergs, hat ihm möglicherweise auf seinem Lebensweg Richtung und Halt gegeben. Auch diese Ehe aber war nicht frei von Anfechtungen.
Auf seiner Suche ist die katholische Theologie lange Zeit für ihn bedeutsam.
Seine inneren Kämpfe und Anstrengungen sind wie in einem Tagebuch festgehalten. Er berichtet über die zahlreichen Ortswechsel, Erfahrungen, freundschaftlichen Begegnungen und beruflichen Fortschritte. Der Nachfahre Thomas Manns kann auf den Ruhm des Großvaters bauen und muss ihn zugleich abschütteln.

In einem mehr ironischen als heiteren Prolog kann man nachlesen, wie es ihm anlässlich der Jahresfeiern in Lübeck zu Ehren des Großvaters erging. Einladungen an ihn wurden vergessen und teils übergangen, als sei er ein überflüssiges Anhängsel der Familie Mann. Zuletzt ist Frido Mann ein eigenständiges Leben geglückt. Die Dankbarkeit für den Großvater gewinnt die Oberhand vor den Bedrückungen, die er als Mitglied der Familie Mann wie alle anderen Abkömmlinge auch aushalten musste.

Zur Abrundung dessen, was die Familie Mann für die Literaturgeschichte durch den Übervater Thomas Mann darstellte, liefert das Buch einen weiteren wichtigen Baustein.
Ein sorgfältig reflektiertes, ehrliches und aufschlussreiches Kapitel der Familie Mann findet mit dieser Autobiographie ein Ende.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Brückenschlag! 13. Mai 2008
Format:Gebundene Ausgabe
In den Nachbemerkungen seiner Lebenserinnerungen berichtet Frido Mann von einem Gespräch mit seinem Sohn Stefan, der von seinem Vater wissen möchte, wie bedeutsam dessen Großvater Thomas Mann für ihn gewesen sei. Frido Mann muss nicht lange zögern: Er weiß, dass er ohne ihn niemals der geworden wäre, der er ist.

Bis er allerdings zu dieser Erkenntnis gelangen konnte, hat Frido Mann mehr als 65 Jahre wechselvolle Jahre erlebt.
In einer Familie, die immer mehr zum losen Verbund wurde.

Frido Mann ist der ältere Sohn von Thomas Manns jüngstem und wenig beachteten Sohn Michael, der früh in eine Ehe mit der Fabrikantentochter Gret Moser flüchtete. Als Bratschist und später als Professor für Germanistik führte die Familie ein rastloses Leben zwischen den Kontinenten, in der das großelterliche Haus - zunächst in Pacific Palisades, später in der Schweiz - zum festen Anker wurde.
Dort erfuhr Frido Wärme und Kontinuität, die seine Eltern ihm nie geben konnten.
Doch seine Jugend im großelterlichen Haus in Kilchberg ist nicht spannungsfrei. Nach dem Tod des charismatischen und Frido stets zugewandten Großvaters entsteht eine große Lücke.
Auch die Onkel und Tanten werden zunehmend zu ambivalenten Persönlichkeiten in Fridos Entwicklung.

Er bleibt ein Suchender, macht mehrere Ausbildungen, und entdeckt als sein großes Lebensthema die Religiosität.
Er arbeitet als Musiker, Psychotherapeut und Schriftsteller, entwickelt neue Herangehensweisen in der Therapie mit und setzt sich zunehmend auch mit seinem familiären Erbe auseinander.
Mit seinem Vater gelingt ihm kurz vor dessen Tod an Neujahr 1977 noch eine Wiederannäherung, das Verhältnis zu seiner Mutter jedoch bleibt zerrüttet.

Am Ende dieses Buches schließt sich ein Kreis. Nachdem Frido Mann sich von der katholischen Lehre immer weiter entfernt hat, engagiert er sich erneut überkonfessionell religiös.

Frido Mann hat seiner Herkunft vieles zu verdanken: Nahezu unbegrenzte Bildungschancen und die kosmopolitischen Prägungen durch viele Bezugspersonen in früher Kindheit und Jugend.
Doch er entbehrt elterliche Zuwendung und Wärme.

Gleichwohl ist Frido Mann ist kein bitterer Mensch. Er blickt zurück mit Wärme und liebevoller Distanz. Weder sich noch den Glorienschein um seine berühmte Familie nimmt er allzu ernst. Das macht die Lektüre seines Buches "Achterbahn" so anregend.

Ein unverstellter Blick auf die Dynastie Mann und zugleich ein versöhnlicher Brückenschlag!
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