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Produktinformation
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Warum will immer gerade dann nichts passieren, wenn man sich am meisten danach sehnt? Wenn man das Gefühl hat, an der einzigen Haltestelle am Ort auf den Bus zu warten, von dem man gar nicht genau weiß, ob er überhaupt noch kommt. Man kann es kaum erwarten, dass das Leben endlich anfängt, einen so ernst zu nehmen, wie man sich selbst. Und trotzdem versucht man, dabei so gleichgültig wie möglich zu wirken. Das ist die größte Herausforderung.
Christoph Bachmann muss die zehnte Klasse wiederholen. Der Sommer ist bald vorbei, und der erste Tag des nächsten Schuljahrs rückt näher. Ereignislos verstreichen die letzten Ferienwochen, die Christoph mit seiner Mutter allein zuhause verbringt. Aber dann weckt ein Mädchen, das in einer Gärtnerei arbeitet, sein Interesse die erste Begegnung zwischen den beiden verläuft vielversprechend. Plötzlich kommt Farbe in sein Leben...
Bislang aufgefallen durch seine gelungenen Beiträge in "Moga Mobo", "Strapazin" oder "Panik Elektro" veröffentlicht Bellstorf im kommenden Jahr mit "Acht, neun, zehn" sein erstes Comic-Album bei Reprodukt, mit dem er zugleich sein Diplom am Fachbereich Gestaltung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg macht.
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„Du bist ja schon da" ist der erste Satz in Arne Bellstorfs Comic-Debüt „Acht, neun, zehn", ein Buch, in denen hinter den kleinen, unscheinbaren Sätzen und Gesten des Alltags manchmal ein Abgrund lauert - aber hier und da auch ein stilles Glück. Die Geschichte, die dabei Christoph, der Hauptfigur dieser Welt zustößt, erscheint auf den ersten Blick wie eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Seine Mutter ist geschieden und hat keinen rechten Draht zu ihrem Sohn. Christoph weiß nichts mit sich anzufangen, bis er ein Mädchen kennen lernt, vielleicht ist er in sie verliebt, vielleicht sie in ihn, jedenfalls versuchen die beiden dann die Sachen zu tun, die man eben tut, wenn man glaubt, verliebt zu sein. Am Ende sind sowohl die Mutter als auch der Sohn um eine schmerzliche Erfahrung reicher, und sie findet -vielleicht zum ersten Mal - ihm gegenüber die richtigen Worte.
Sowohl hinsichtlich der Lakonie der Darstellung, der Lethargie der Figuren, wie auch der klaren Linie der schwarzweißen Zeichnungen steht Arne Bellstorf, Jahrgang 1979, seinen US-Kollegen Adrian Tomine, Chris Ware und Daniel Clowes nahe, dessen David Boring Christoph Bachmanns großer Bruder sein könnte. Auch wenn Bellstorfs zweifellos genauer Blick manchmal ein bisschen zu oft auf den alltäglichen Details verharrt - hinsichtlich der sterilen wie poetischen Panels, dem Gespür für knappe Dialoge der Nicht-Kommunikation und der unaufdringlich eingesetzten Symbolen braucht „Acht, neun, zehn" den Vergleich mit diesen großen Namen tatsächlich nicht zu scheuen. Gleichzeitig ist das Buch aber mehr als die bloße Fortschreibung eines mittlerweile bewährten, wenn auch inflationär gewordenen Erfolgsrezeptes: Einerseits verzichtet Bellstorf im Unterschied zu Tomine und Clowes darauf, seine Handlung mit Versatzstücken aus Krimis oder der Science Fiction anzureichern; andererseits kommt es im Buch aber auch nie zu radikalen Experimenten mit dem Medium à la Wares „Jimmy Corrigan". In „acht, neun, zehn" ist die stringent erzählte Boy meets Girl- und Mutter-Sohn-Geschichte stattdessen von scheinbaren Banalitäten geprägt: Ähnlich wie die Klasse, die Christoph wiederholen muss, geht auch hier nichts wirklich voran und ist schon wieder vorbei, bevor es angefangen hat - wenn Christoph auf dem Gehsteig über das Himmel und Hölle-Spiel eines kleines Mädchen tritt, dann befindet er sich selbst mit seinem Leben dazwischen: im Fegefeuer des Alltags. Der Bus, der am Ende von Clowes „Ghost World" die Hauptfigur abholt - hier fährt er nie.
Dass aber Bellstorf eben diese buchstäblich graue Welt, die wir alle kennen und deshalb häufig übersehen, ohne jeden Knalleffekt sichtbar macht, das macht „Acht, neun, zehn" zu einem kleinen, großen Comic-Buch.
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