Vom ersten Buch "Mein Leben als Läufer" war ich schlicht weg begeistert. Eine wunderbare Parodie über das Leben eines Mannes in der angehenden Midlifecrisis, der sich von der Couch hoch quält und seinen müden Knochen durchs Laufen neues Leben einhauchen will. Weil die Kapitel maximal 4 Seiten lang sind, ist das Buch sehr schnell zu lesen. Nach jedem Kapitel gibt es dann noch einen echten Tipp für Neuläufer. (Diese Tipps waren nicht als alleiniger Ratgeber für Laufeinsteiger ohne weitere Vorkenntnisse gedacht, sondern als grobe Richtlinie.)
Das Buch ist besonders für diejenigen lustig, die sich in diesem Achim Achilles wiederfanden oder denen zumindest vieles arg bekannt vorkommt. Man kann Kopfschütteln, schmunzeln und manchmal sogar auch schallend lachen. Für jeden Humorlevel war etwas dabei. Oftmals fühlt man sich sogar passabel portraitiert - auch wenn man das nicht offen zugeben möchte. ;-)
Und dieses Buch?
Es ist keine Fortsetzung, sondern eigentlich ist es das genaue Gegenteil.
Die Kapitel sind übersichtlich nach Themen geordnet. (Anfangen, Gewichtsprobleme, Laufsucht, Motivation, Verletzungen, Wettkampf und entspanntes Laufen.) Fragen oder Anmerkungen von Läufern die nicht so recht in diese Themen passen, wurden in den abgetrennten Rand im Fußnotenbereich verbannt, der durchs ganze Buch läuft.
Die Geschichten und Geschehnisse um Achim Achilles leiten die Kapitel hier nur ein. Nach 2-4 Seiten Achim im alten Stil folgen seitenweise (i. d. R. über 20!) Fragen von Läufern und die Antworten eines Arztes oder/und eines Lauftrainers oder/und von Achim. (Quasi das Dr. Sommer Team des Laufens beantwortet individuelle Fragen.) Die Antworten der ersten beiden sind allesamt ernst gemeint - m. a. W. über 75% des Buchs sind absolut humorfreie Zone! Die Antworten von Achim schwanken zwischen gutem Rat und ansatzweise witzigen Floskeln.
Also was soll das Ganze?
Laufanfänger sind mit diesem Werk als Einsteigerbuch völlig falsch bzw. unzureichend beraten! Die kurzen Fragen mit den teilweise zu kurzen Antworten werden dem Anfänger oftmals nicht weiterhelfen. Außerdem muss man für viele Fragen/Antworten lange suchen, um die relevante zu finden. Wer wirklich echte Informationen sucht und braucht, sollte sich tunlichst ein gutes Laufbuch wie bspw. von "Runners World", "Laufen sie mit!" von Dieter Baumann oder besser gleich "Das große Laufbuch" von Herbert Steffny zulegen.
Einzig positiv vermerkt sei hier der recht gut gelungene Anhang, in dem Schlagworte definiert werden, die zuvor in den Fragen/Antworten fett gedruckt wurden. (Aber auch das findet sich in richtigen, guten Laufbüchern.)
Für Läufer mit erweiterten Vorkenntnissen, bietet das Buch praktisch keinen Informationsgewinn - selbst wenn tatsächlich mal die eine oder andere neue/interessante Frage dabei ist. In der Summe ist das einfach viel zu wenig.
Kurzweiliges Lesevergnügen? Humoristisch sind nicht mal 25% des Buchs, somit lohnt sich der Kauf dafür auch nicht. Ganz im Gegenteil: Was im ersten Buch noch so gut gelang, misslingt hier völlig. Beim ersten Buch konnte man immer mal ein paar Seiten zwischendurch lesen und hatte nach wenigen Minuten oft schon 10 Seiten geschafft. Hier quält man sich Seite für Seite vorwärts, durch oft zähflüssige, langweilige Fragen und Antworten. Wofür man im ersten Buch Minuten/Stunden braucht, braucht man hier Tage/Wochen!
Fazit:
Dieses Nachfolgewerk ist langweilig geschrieben und höchst überflüssig. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes schlicht und einfach witzlos! Ich konnte/musste nicht einmal lachen oder zumindest schmunzeln! Nach dem ersten Buch, welches automatisch Erwartungen weckt bzw. wecken muss, ist dieses eine echte Enttäuschung - wenn nicht sogar die reinste "Verarschung".
Eine Existenzberechtigung sehe ich nur darin, Leute übers Laufen zu informieren, die sonst nie ein echtes Laufbuch lesen würden. Quasi als Einstieg, um dann neugierig geworden und zumindest oberflächlich informiert doch noch ein richtiges Buch zu lesen.
Für mich persönlich enthielt nur das Kapitel über Wettkämpfe mal die eine oder andere Frage/Antwort, die mir bislang noch nicht untergekommen war und durch die das Buch zumindest nicht gänzlich uninteressant war. Aber dafür haben sich der Kauf und das Lesen in der Summe nicht gelohnt.
Dieses Buch ist übrigens 30 Seiten länger als "Mein Leben als Läufer" und hat etwa doppelt so viele Seiten wie das Nachfolgewerk "Das Walker-Hasser-Manifest". Letzteres soll ja wieder im alten Stil sein - vielleicht ist es deshalb auch wieder farblich ähnlich (rot) gestaltet...?!