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Produktinformation
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Gehe es um Werte-Erziehung, und darum soll es in seinem Buch gehen, so sei sie der Schule sogar eine "bedrohliche Forderung", die, fordert von Hentig, zu "entzaubern" sei. Die teils widerstrebenden Werte zu vermitteln, das solle "in erster Linie von der Polis als Ganzer bewältigt werden". Das Totschlagargument "gesamtgesellschaftlicher Zusammenhang" frisch formuliert -- daß Pädagogen damit gerne ihren Schwarzen Peter zurückgeben, ist nicht neu. Von der Schule nun verlangt der renommierte Oberlehrer, sie solle befähigen, Neues zu prüfen und, was zu bewahren ist, mit neuen Mitteln erhalten.
Wie Lehrer das im Alltag verwirklichen sollen, davon schreibt der Altmeister leider weniger als man von ihm erhoffen darf. Ausführlicher diskutiert der 73jährige "Erfahrungsfelder" der Werte wie Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Manches Mal schweift er ab, wobei ja eine gewisse Geschwätzigkeit nötiges Berufsgerät für Pädagogen ist. Daß er aber beispielsweise erst nach 68 Seiten festmacht, worüber er überhaupt spricht, ist schon einigermaßen ärgerlich. Kern seiner Definition: Werte werden bestimmt, bestehen aber seit jeher. Es gebe "zwölf bis fünfzehn". Er bleibt vage, listet sie nicht auf -- ganz bewußt. Denn, betont von Hentig, nicht ihr Auswendiglernen wertet die Werte wieder auf, sondern die Erfahrung, daß sie etwas taugen. --Frank Rosenbauer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Der Reformpädagoge Hartmut von Hentig prüft in seinem jüngsten Buch, ob dieses Problem überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der nunmehr ins Schußfeld geratenen Pädagogik fällt. Von der Frage ausgehend, was ein junger Mensch eigentlich braucht, um in dieser Gesellschaft "frei, würdig, für andere nützlich zu leben", bespricht Hentig bereits seit langem angewendete Mittel und Verfahren der Pädagogik für die Werteerziehung. Nach einer, für die politischen Akteure wenig schmeichelhaften Analyse des aktuellen Zustandes unser parlamentarischen Demokratie, kommte der 73jährige zu dem Schluß, daß die teilweise widerstrebenden Werte nicht vermittelt werden können, sondern nur in der Polis, also in der Gesellschaft, erfahrbar sind.
Kritik wird gleichermaßen an Schule und Gesellschaft formuliert. Sie gilt sowohl den Schwächen der heutigen Lehrerbildung wie auch der gesellschaftlichen Verneinung jeder Aussicht auf eine "bessere Welt". Mit anderen Worten gesprochen, müssen sich Schule und Gesellschaft gemeinsam Gedanken machen, wie Kinder und Jugendliche eine ethisch ausgerichtete "Lebenshaltung und Lebensabsicht" entwickeln können. Er weist mit aller Deutlichkeit darauf hin, daß die veränderten Lebensverhältnisse keine neuen Werte hervorbringen, sondern "die gewohnten und eingeübten Mittel zu ihrer Erreichung und Sicherung untauglich machen". Werte müßen in Schule und Gesellschaft, also gesamtgesellschaftlich erfahren werden. Hentigs Erörterung der Politik, der Religion und Philospohie, in Abgrenzung zum Ethikunterricht, versucht eine Antwort auf die Frage zu geben, wo Kinder und Jugendliche diese Erfahrung machen können.
Wer sich jedoch von dieser Schrift bloß eine Praxisanweisung für den Lehreralltag erhofft oder eine Auflistung von Werten zum Mitschreiben erwartet, wird enttäuscht sein und womöglich die Diskussion von existentiellen "Erfahrungsfeldern" wie Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit als pädagogische Geschwätzigkeit abtun.
Hentig will aber eben nicht nur für die oft attackierten Lehrer in die Bresche springen, sondern er will zwischen Gesellschaft und Schule gemeinwohlorientiert vermitteln. Er will Bezüge herstellen, wo sich auf den ersten Blick keine zeigen. Hentigs Buch ist ein mutiges Plädoyer für mehr Erfahrungslernen statt Belehrung und macht sensibel für die Stärken und Schwächen unserer Demokratie. Seine ausgefeilte Rhetorik und seine altsprachliche Ausdrucksweise machen Spaß beim Lesen und regen nicht nur den pädaogisch Tätigen zum Nachdenken an.
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