Wer, insbesondere beim Thema Religionskritik, bisher mit wehmütiger Bewunderung auf die literarischen Produkte angelsächsischer Streitkultur blickte und den deutschen Buchmarkt dagegen, völlig zurecht, für ein klerikales Bollwerk gegen alle nicht-religiösen Welt- und Lebensentwürfe hielt, wird jetzt endlich für eine entbehrungsreiche Zeit entschädigt.
Peter Henkels Buch hat das Zeug, in die konfessionelle Lufthoheit über der deutschen Medienlandschaft eine empfindliche Bresche zu schlagen. Mit seinem faktenreichen, durch und durch argumentativen, gleichwohl extrem gut lesbaren Buch nimmt der Autor eine ganze Reihe bisher kaum hinterfragter Positionen ins beste journalistische Kreuzverhör.
Der Leser erfährt, warum die weit verbreitete (und nicht nur von theologischer Seite nach Kräften beförderte) Ansicht, Religion sei prinzipiell unkritisierbar, nicht länger haltbar ist, und er wird hellhörig dafür, dass die unglaublich spitzfindigen Versuche, Religion gegen jede Kritik zu immunisieren, viel entlarvender sind als die Kritik selbst.
Dass die Begründungen für den Gottesglauben je nach Argumentationslage beliebig variieren, ist für den Religionsskeptiker zwar kein neuer Befund, durch die Fülle und Plausibilität der Beispiele in dieser Klarheit bisher aber noch nirgendwo zu lesen gewesen. Henkel gelingt es, das Muster sichtbar zu machen, wonach alle positiven Manifestationen des Gottesglaubens die konkretesten und detailreichsten Begründungen finden, während wir uns bei den Widersprüchen zwischen Gottes Allmacht und Güte und den Übeln dieser Welt mit dem Hinweis auf angeblich unbegreifliche Mysterien begnügen sollen. Das gibt zu denken, auch dem Gläubigen, der sich eine gewisse Offenheit bewahrt hat.
Peter Henkels Buch ist vor allem aber auch ein Lehrbeispiel dafür, wie man ein so komplexes, fast unerschöpfliches Thema systematisiert und übersichtlich darstellt, so dass man durchaus von einem Handbuch sprechen kann. In nur sechs Kapiteln mit jeweils gut überschaubaren Unterteilungen entfaltet der Autor gleichwohl einen Detailreichtum, der keinem relevanten Baustein des christlichen Glaubenssystems eine kritische Prüfung erspart. Freilich mit einem zwingenden Endergebnis: Im Himmel, der im Laufe unserer Kulturgeschichte schon mit ca. hunderttausend imaginierten Göttern bevölkert war, herrscht nicht Gott, sondern gähnende Leere.
Mein Fazit: Henkels Buch ist ein starkes Stück Aufklärung, das dank seiner argumentativen Stärke die in Deutschland immer noch heikle Religionskritik versachlicht und damit einen wichtigen Beitrag zu einer hochaktuellen Diskussion leistet.
Eine anspruchsvolle, spannende und zugleich unterhaltsame Lektüre, die noch von sich reden machen wird.