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Ach, Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents
 
 
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Ach, Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents [Taschenbuch]

Bartholomäus Grill
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)
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Bartholomäus Grill
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Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2003
Informativ, fesselnd geschrieben, "zuweilen allerdings recht pointillistisch" findet Rezensent Andreas Eckert diese Auseinandersetzung mit der "Geschichte und Gegenwart der Gesellschaften südlich der Sahara". Als Kernthese des Buches beschreibt Eckert, dass die Folgen von Sklavenhandel und Kolonialismus zwar bis heute spürbar seien, aber für die katastrophale Situation nicht allein verantwortlich gemacht werden könnten. Auch raffgierige Despoten und die generelle Modernisierungsverweigerung trügen Mitschuld am Elend des Kontinents. Trotz teilweise faszinierender Einblicke vermisst der Rezensent jedoch wirklich neue Gedanken im Buch des Zeit-Korrespondenten Bartholomäus Grill. Hart gehe er mit seiner Berufsgruppe, den Journalisten und ihrer Afrika-Berichterstattung ins Gericht. Doch auch er sei nicht gefeit gegen Klischees und Generalisierungen, findet Eckert. Allerdings habe Grill die Größe vergangene Irrtümer schonungslos einzugestehen.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Grills 'Ach Afrika' ist sicherlich das fairste und gescheiteste Buch, das in den vergangenen Jahren von einem deutschen Autor über den Kontinent vorgelegt wurde." (Süddeutsche Zeitung )

"Das beste deutschsprachige Afrika-Buch der vergangenen Jahre." (Spiegel )

"Was 'Ach, Afrika' von der Fülle ähnlich gut gemeinter Werke unterscheidet, ist seine erzählerische Kraft. Streckenweise liest sich 'Ach, Afrika' wie ein Roman, lässt Bilder von schauriger Kraft entstehen und schlägt literarische Verbindungen zwischen dem Leben einfacher Menschen und der großen Politik." (Kölner Stadt-Anzeiger )

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70 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Afrika ist...", 20. Februar 2004
... wenn ein Satz so anfängt, dann folgt in der Regel ein Klischee, das viel über den Sprecher, aber wenig über den Kontinent und seine Bewohner aussagt.

Wunschdenken von Naturromantik und edlen Wilden, Nachrichtenklischees vom flächendeckenden Dauerstammeskrieg und Hungerelend, Dritte-Welt-bewegtes Bemitleiden der Opfern einer angeblichen Erste-Welt-Verschwörung gegen die Armen der Welt, oder kaum verhohlener Rassismus, geboren aus der Resignation, dass "die Afrikaner" anscheinend nichts auf die Reihe kriegen, um ihre Armut und ihre Probleme in den Griff zu kriegen: Das sind so die Pole, zwischen denen sich Afrika-Darstellungen für gewöhnlich bewegen.

Bartholomäus Grills Buch ist anders. Zwanzig Jahre lang berichtet er schon für die "Zeit" und gelegentlich auch für andere Medien aus Afrika, vorzugsweise aus dem "eigentlichen" Afrika südlich der Sahara. Anders als die meisten Schreiber versucht er erst gar nicht erst, gut 50 Länder und hunderte Millionen Menschen auf einen Nenner und Zähler zu reduzieren. Grill gibt zu, dass ihn der Kontinent immer noch verwirrt. Dass er immer Außenstehender ist, oft Privilegierter, immer nur Facetten wahrnimmt - und dabei immer Gefahr läuft, nur die eigenen Erwartungen abzuhaken und den Rest zu übersehen.

Grill liefert zwölf Berichte. Jeder um die 30 Seiten lang, jeder mit vielen Querverweisen und Literaturtipps zum Tiefergehen. Es geht ihm um Geschichte und Kultur, den Schwebezustand zwischen einer verlorenen Vergangenheit und dem nicht erreichten Anschluss an die Moderne. Es geht um Korruption, die Kleptokratien, hohe Politik, Wirtschaft. Grill berichtet über das alltägliche Überleben, die Mühseligkeiten, die mit dem Befahren schon einer Hauptstraße zur Hauptstadt verbunden sind, die Sorgen und Probleme der Leute in den Dörfern, den Städten; Aids, Warlords, Armut, Öde, Grausamkeiten stehen neben Tanz, Gastfreundschaft, Lebendigkeit, Vielfalt, Naturschönheit, Hoffnungen.

Dabei verliert sich Grill nicht im Theoretisieren: Präzise, lebendig, spannend schreibt der Mann, voller Einsichten und kluger Gedanken. Wie sein Fahrer zitternd einer Erschießung durch Milizionäre irgendeiner "anderen Seite" knapp entgeht. Wie er einen nebligen Sonnenaufgang am Rande eines Urwalds erlebte. Wie die Leichenreste Dahingemordeter vor und in einer Kirche stinken. Wie Grill hilflos an einem sterbenden Kind vorbeifuhr. Wie er als Gast bei einem Dorffest Frieden und Harmonie erlebte. Wie ihn die Bilder aus den Flüchtlingslagern verfolgen. Wie Menschen ihre Rente an einem Tag in einer Spelunke versaufen, Monat für Monat. Wie er Aufnahme in einem Dorf am Ende der Welt fand und eine gefährliche Krankheit überwand. Wie deutsche Politiker heutzutage die rassistische Sau rauslassen. Dass Häuptlinge eine Erfindung der Europäer sind und es keine Menschenfresserkulturen auf dem ganzen Kontinent gibt oder jemals gab. Dass viele Afrikaner, wie so viele Deutsche, dazu neigen, die Schuld für jegliches Unglück immer woanders zu suchen. Dass man auch in Afrika mit simplen Schuldzuweisungen und Klischees nicht weiterkommt.

Grills Reportagen sind unbequem, nicht besinnlich, gedankenreich, nicht gefällig, stehen nicht im Dienste irgendeiner "Sache" außer der, wahrhaftig zu berichten. Mit denen, die nur ihre Vorurteile pflegen wollen - oder die ihrer Leserschaft - zeigt er wenig Geduld.

Horizonterweiterung, das ist es, was Grill betreibt: Man erfährt viel über Afrika, und, wenn man sich darauf einlässt, noch mehr über die eigenen Vorurteile, Klischees und Dummheiten. Es gibt nicht viele Bücher, die das schaffen.

Kurzum: Für Leser mit und ohne große Vorkenntnisse bestens geeignet, sprachlich hervorragend, spannend und haufenweise Einsichten produzierend - exzellent.

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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ach!!!, 21. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Ach, Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents (Taschenbuch)
„Ach!" Welche Dummheiten verzeiht man mit diesem Wort einem guten Freund? Oder auch dem Kontinent, in dem Bartholomäus Grill, Korrespondent der Hamburger Zeit in Kapstadt, seit zehn Jahren lebt und dessen Eigenheiten und Schwächen er gut kennt und dennoch nicht gutheißt?

Afrika werde seit Jahrzehnten nur durch die Brille der Katastrophenberichterstattung wahrgenommen: „Gefragt ist in der Regel die oberflächliche, flinke Depesche, die Sensationsmeldung oder die impressionistische Katastrophenstory, nicht die nachdenkliche Analyse oder die gelassen erzählte Geschichte." (Seite 27).

Was macht Grill anders? Aus exakten Beobachtungen, nachdenklichen Worten und mit viel Sympathie baut er ein Mosaik, in das er spannende Reiseerlebnisse und zahlreiche Gespräche mit Präsidenten und einfachen Menschen, mit Aidskranken und erfolgreichen afrikanischen Geschäftsleuten einfließen ließ. In sprachlich brillanten und fesselnden Essays baut er Bilder zu einem Dutzend Themen, zum Kolonialismus, zu Aids, zum Völkermord in Ruanda, zu afrikanischen Traditionen und zu den korrupten Machenschaften machtbesessener big men an den Spitzen zahlreicher afrikanischer Staaten. „Ach!"

Aber: Sind das alle Elemente des Mosaiks? Sind sie richtig zusammengesetzt? Wird das Bild aussagekräftiger, wenn Grill auf nur zwei, drei Seiten von Angola nach Somalia und dann nach Liberia springt, um besonders grausige Erlebnisse aus Kriegssituationen aneinander zu reihen? Auch die Jahre verschieben sich ineinander, um mit vergleichbaren Momentaufnahmen von Fehlinvestitionen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit die These zu illustrieren, dass Afrika sich der Modernisierung verweigere.

Grills Sprachgewandtheit macht es den Lesern leicht, mit Interesse und stets wachsender Neugier mehr über Afrika zu erfahren, doch Lösungen für die gegenwärtige Malaise kann auch er nicht vorschlagen. „Ach!"

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30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Gute essayistische Annäherung mit inhaltlichen Mängeln, 9. März 2007
Von 
Arne123 (Kairo, Cairo, Le Caire) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ach, Afrika: Berichte aus dem Inneren eines Kontinents (Taschenbuch)
Was gibt es Schöneres, als mit viel Zeit über einen der grossen Märkte Afrikas zu schlendern? Was ist beklemmender, als die Verliese in einer der zahlreichen westafrikanischen Sklavenburgen zu betrachten? Was kann spannender sein, als mit Afrikanern die zukünftige Entwicklung ihres Kontinents zu diskutieren? Kein Zweifel, Afrika macht süchtig. Und keine Frage, Bartholomäus Grill ist vom Afrika-Bazillus infiziert und versteht es, seine Begeisterung und gelegentliche Verzweiflung spannend und wortgewandt zu vermitteln. Wie Hans Magnus Enzensberger in "Ach, Europa" nähert er sich dem Kontinent essayistisch, mischt Erlebtes mit Historischem, eigene Eindrücke mit fremden Berichten, und Anekdoten mit harten Fakten. Durch diese Art der Annäherung gelingt es Grill, die in Afrika oft anzutreffende Gleichzeitigkeit von grenzenloser Menschlichkeit und brutaler Barbarei, von prassendem Demonstrativkonsum und bitterer Armut besser verständlich zu machen. Und er zeigt, dass Mentalitäten und Rationalitäten zwischen Kampala und Kumasi anders sind als zwischen Kopenhagen und Catania, ohne auf plumpe Klischees zurückzugreifen. Allerdings, was Grill sensibel und vorsichtig formulierend aufbaut, das reisst er mit einigen Unachtsamkeiten und groben Patzern wieder ein. Das erste Ärgernis: Auch wenn man es nach der Lektüre des Buches nicht glauben mag, aber Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko liegen in Afrika, und Arabisch ist die am weitesten verbreitete Sprache des Kontinents. Zwar mag es eine Reihe von guten Gründen geben, die nordafrikanischen Staaten gesondert zu behandeln und sich auf "Schwarz"-Afrika zu konzentrieren, aber dann sollte man dies anständigerweise dazuschreiben. So entsteht der Eindruck einer gewissen Beliebigkeit bei der Auswahl der beschriebenen Länder und Themen.

Weiterhin kommen wirtschaftliche Aspekte der Entwicklung Afrikas im Buch sehr kurz. Gerade weil Afrika so arm ist, ergeben sich einige wichtige und interessante ökonomische Fragen: Warum haben einige Länder (z.B. Ghana, Mozambique, Botswana) erstaunliche Fortschritte in der Armutsbekämpfung erzielt, warum fallen andere deutlich ab? Sind regionale Wirtschaftsräume (z.B. SADC, ECOWAS) eine sinnvolle Option für die weitere Entwicklung Afrikas? Was versprechen die Handelsabkommen mit der EU, die seit 2002 ausgehandelt werden? Wird der gestiegene Rohstoffbedarf Chinas und Indiens den afrikanischen Ländern nützen? Gerade wenn Grill ökonomische Themen anschneidet, unterlaufen ihm die meisten Schnitzer. "Neun von zehn Afrikanern sind Subsistenzbauern." (S.406). Stimmt das wirklich? Nein, in der Realität sind es 90% derjenigen, die in der Landwirtschaft tätig sind, also insgesamt gut die Hälfte.

Beziehen sich die ersten beiden Kritikpunkte noch auf einen verzeihbaren Lapsus, so betrifft der dritte mehr als ein kleines Versehen: Bei der Erstveröffentlichung des Buches im September 2003 war die humanitäre Katastrophe in Darfur bereits im vollen Gange, bei Erscheinen der Taschenbuchausgabe im Jahre 2005 waren bereits mehrere hundertausend Menschen Opfer des Genozids. In Grills "Berichte aus dem Inneren (sic!) eines Kontinents" findet sich zu dieser Katastrophe mitten in Afrika...nichts, nada, rien! Kein einziges Wort!!! Da mag er noch so viel über das Versagen der globalen Gemeinschaft während des Genozids in Ruanda und Burundi schreiben, er hat an dieser Stelle seine Glaubwürdigkeit eingebüsst. Bleibt festzuhalten, dass das Buch in der Tat viele sehr gelungene Skizzen und Mosaiksteine enthält, die sich jedoch nur unzulänglich zu einem Gesamtportrait fügen. Die zahlreichen Lücken und Patzer machen es als Sachbuch nur sehr bedingt tauglich. Neben dem vorhandenen Personenregister hätte dem Buch ein Sachregister gut getan.
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