Als langjähriger Tablet PC Verweigerer bin ich nun doch dem iPad-Wahn verfallen. Schuld ist dieses unschuldig wirkende Produkt dieser sonst recht unauffälligen Marke. Wenn man gefühlte 100 Stunden mit der Recherche und Tests auf Messen und in Elektronik-Märkten verbracht hat, ist man froh, endlich eine Lösung gefunden zu haben die wenigstens die meisten Kriterien einer endlosen Wunschliste erfüllt.
Was mich an den Original-iPads grundsätzlich stört (obwohl seit 30 Jahren Apple-Freak):
Vom hohen Anschaffungspreis ganz zu schweigen, leuchtet mir das "Inseldenken" in Sachen Schnittstellenarmut einfach nicht ein. Bluetooth alleine, das kanns nicht sein. Und warum sich Apple seit Jahren dem Adobe Flash Player verweigert, ohne den man viele Webseiten einfach vergessen kann, erchließt sich einem nicht wirklich. Sind aber echte K.O.-Kriterien für diese Marke. Weniger die geniale Grafik des Apple mit über 2.000 Pixeln Breite (merkt man aber als Unterschied nur, wenn man ein iPad 3 neben das Acer A510 legt) und einer ordentlichen Prozessorleistung im neueren iPad 3 (und die hat das Acer aber hallo... vergleichbar erst ab Apples iPad 3 64 GB-Version - immerhin ca. 800 EUR). Und wenn man sich jedes Extra-Gigabyte in Gold aufwiegen lässt und einer Erweiterungsmöglichkeit die Schranken weist, mindert das nur die Liste der USPs (Marketing-Chinesisch für unverwechselbare Markt- bzw. Produktvorteile). Und der letzte Pluspunkt die 5 MP Kamera auf der Rückseite wird bereits von meinem iPhone voll erfüllt. Der App-Markt im iTunes wächst auch längst nicht mehr so stark. Hingegen der jener Android-Apps durchaus, DER z.Z. stärkste Software-Entwicklungsmarkt weltweit (vielleicht auch dank Samsung und Google). Möglicherweise bleibt bei einem Pad von Apple nur noch der höhere Wiederverkaufswert, der bei der heutigen Kurzlebigkeit des Labels "NEU" und ständig innovativerer Produkte sowie schnellerer Verkaufszyklen durchaus Sinn ergibt. Wer natürlich auch noch auf das Markenimage wert legt (es sind ja gerne die markentreuen Imagebeweiser, die ihren Cabrioschlüssel mit dem Emblem nach oben auf den Tisch im Straßencafé legen), der wird an Apple nie vorbeikommen, verpasst aber auch bessere und Anwender freundlichere Tablet-Lösungen. Wobei wir beim nächsten Thema wären.
Was mir am Acer Iconia so gut gefällt:
Zunächst der erste optisch hochwertige Eindruck. Die Verarbeitungsqualität lässt wenig Wünsche offen (Apple könnte hier noch lernen wie man gutes Design und Robustheit verbindet). Wer braucht schon "Gorillaglas" wenn die kratzfeste Alternative von Acer dem in Nichts nachsteht? (Gorilla ist auch nur eine Klassifikation für die Spannungsbelastung eines Glases, sicher dort empfehlenswert, wo öfter ein Hammer in der Nähe eines Tablets liegt (falls mal wieder etwas nicht funktioniert - man kennt ja die Videos auf U tube ;)... Zum Betriebssystem Android 4.0 in der neuen Ice Cream Sandwich Release, kann man nur sagen: viele der alten Sicherheitsmängel wurden behoben (es wird zwar nicht die Sicherheitszertifizierungen einer mobilen SAP-Lösung erfüllen, ist aber mit neuen Barrierehilfen vor externen Missbräuchen besser geschützt). Das neue BS kommt noch etwas "safer" und zugleich schicker daher. Innovativ auch die Acer-Ring Applikation, die sich aus jeder App-Anwendung heraus aufrufen lässt, ohne die benutzte zu schließen oder zu verbergen. So können z.B. aus jeder Applikation heraus Screenshots entstehen, um nur eine Möglichkeit anzusprechen (würde zu sehr in die Tiefe gehen). Der Ring kann frei belegt werden (s. Systemeinstellungen).
Das Pad lässt sich relativ leicht in den heimischen WiFi-Router einbinden und bietet sogar eine virtuelle "Mac"-Filterkennung, was die Sicherheit im WLAN-Bereich zusätzlich erhöht (Man also die Gerätekennung mit einer Zugangsberechtigung versehen kann, die nur den dort gelisteten Systemen Zugang zum Netz gewährt). Die häufigste Nutzung wird sicher ein Besuch im Internet sein, womit wir zu den Empfehlungen verfügbarer Browser-Apps kommen. Der beste (so scheint es mir) ist sicher der vorinstallierte von Acer. Er reagiert flüssiger beim Scrolling und ist deutlich ladefreundlicher als die Browser von Google, Firefox oder Opera. Wer den Flashplayer benötigt (ist außer in Opera in keinem der genannten Browser integriert) wird nur im Acer-Browser und in Firefox glücklich, da Adobe die Einstellungsseite aus der Chrome-Anwendung verweigert (Google-Chrome bringt keinen Seiteninhalt und somit keine Aktivierung des PlugIn, auch G.-Chrome ist noch in der finalen Beta-Phase). Bei Firefox ist derzeit nur eine frühe Beta am Start, diese hat sich jedoch bisher als der Browser entpuppt, welcher die wenigsten Sicherheitsoptionen kennt und auch relativ lahm Seiteninhalte aufbaut. Ganz besonders, wenn diese hoch Flash-lastig sind (wie z.B. Deezer.com oder Simfy.de). Bei Opera bauen die Inhalte CSS-gesteuerter Webseiten nicht ordentlich auf (sieht man bereits auf Amazon.de, hier werden horizontale Elemente einfach nach unten verdrängt bzw. versetzt und man sieht praktisch eine leere Seite ehe man ganz nach unten scrollt). Zwischenfazit: Am besten man installiert alle und entscheidet von Webseite zu Webseite, welchen man nutzt. Das spart Frust.
((Nachtrag aufgrund einer Kommentar-Anregung zu dieser Rezension: Dank dieses Tipps installierte ich den Dolphin-Browser, den ich nach eingehenden Tests als den klaren Favoriten einstufen würde und damit eigentlich alle anderen Browser so gut wie verzichtbar werden. Dieser läd noch flüssiger, verfügt über viele weitere Features, eine interessante Liste von Add-Ons, vorinstalliertem Flash, vielen guten Einstellungsmöglichkeiten zur Erhöung der Browser-Sicherheit, das beste Darstellungsverhalten von CSS- wie auch Flash-gesteuerten Webseiten, volle HTML5 Tauglichkeit (manche Fehlfunktionen wie z.B. ZDF-Mediathek sind deren umständlichen Programmierung geschuldet, Youtube funktioniert aber eindeutig schneller und besser in allen bisherigen Streaming-Tests, auch Ajax und XML-basierte Seiten laden unproblematisch, selbst mein Problemkind von Simfy.de lädt verzögerungsfrei und kann somit die entsprechende Android-APP umgehen, was nützlich ist will man über den Browser Musik hören, Online-Games habe ich noch nicht getestet - ist auch nicht so meine Welt).))
Der Acrobat-Reader steht als App zur Verfügung, ist aber nur hochkant zum Blättern und lesen sinnvoll. Alternativ kann man den der vorinstallierten Polaris-Office Lösung verwenden, der auch Doppelseiten darstellt. Es gibt aber noch jede Menge eBook- und PDF-Reader als kostenlose App. Nun zu den Videos: hier empfehle ich den kostenlosen MX-Player, der die meisten Einstellungsmöglichkeiten für Videoanpassung bietet (nahzu alle wichtigen Adaptionen für Bild- und Videoanpassungen, Seitenverhältnis, Zoom, HDTV etc. - und alles in deutsch) und auch externe Speichermedien automatisch erkennt. Lobenswert ist noch das bereits vorhandene Polaris Office, welches eine gute Möglichkeit eröffnet, Word-, PowerPoint- oder Excel-Daten nicht nur zu lesen, sondern auch zu bearbeiten oder gar relativ komfortabel zu erstellen. Für weitere Apps gibt es den einfach zu nutzenden PlayStore (der natürlich auch alle kostenlosen Apps hortet), dafür braucht es allerderdings eine Anmeldung als Google-Freund, dafür genügt aber ein Nutzername und eine eMail-Adresse. Ganz entgegen zu Apple's iTunes, dort fehlt nur noch der Nachweis eines Führungszeugnisses (n'bisserl Ironie muss sein ;). Womit wir wieder zur Hardware des Acer kommen.
Und da gehe ich nur auf die Manko-Liste ein (Vorurteile wie auch gerechtfertigte)...
Die einzig (für mich geringen) Mankos der Hardware liegen in der etwas flacheren Sensibilität des Touchscreens, ist zwar nicht schlimm (da Aussetzer und Fehleingaben relativ selten vorkommen), könnte aber bei den Schweißfingern unter den Anwendern etwas nervig werden. Entgegen häufigen Meinungen zum Wärmeverhalten auf der Rückseite des Acer konnte ich keine extreme Wärme feststellen, zumindest keine, die unangenehm wäre (und denkt an den Winter an einer Bushaltestelle). Am ehesten tritt die spürbare Wärmphase in grafiklastigen 3D-Spielen auf, bei der man das Pad in der Hand halten muss. Das einzige was dann wirklich schlecht oder sagen wir unbefriedigend an der Hardware des Acer ist, wäre die Kamera mit den 5 MP. Hier treffen wir eher auf maue Bildergebnisse ähnlich sehr günstiger chinesischer Kompaktkameras, die es besten Falls als Werbegeschenk für 10 Jahre wöchentliche Benutzung der Waschstraße gibt (da geht bei 5 MP durchaus mehr, siehe Apple oder Samsung). Erfreulich ist die Laufzeit des 9800mAmph-Akkus, getestet bei voller Erstladung mit voller Helligkeit und permanenter Nutzung aller möglichen Apps (auch 3D-Spiele). Hier kam ich auf ca. 7,8 Stunden bis der Gute die Flügel hängen ließ. Erfahrungsgemäß steigert sich die Nutzungsdauer mit häufigerem Laden (Erstladungen sind nie repräsentativ). Mit der zweiten Ladung erreichte er immerhin schon 8,9 Stunden bei gleicher Einstellung. Ich gehe davon aus, dass bei mittlerer bis schwacher Helligkeit die von einigen Testern angegeben 10-15 Stunden erreichbar sind und beim reinen MP3-Hören bei Energiespar-Methode (Display im Schlafmodus) durchaus auch mal 18 Stunden drin sind. Wenn nicht mehr.
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