Seit etwas mehr als zwei Wochen habe ich das Tablet im Einsatz.
Es war von Anfang an als Ersatz für mein mechanisch gealtertes Netbook gedacht.
Für mich war daher die vollwertige, andockbare Tastatur ein wesentliches Kaufargument - dazu aber gleich noch mehr.
Folgende weitere Ansprüche hatte ich während des Auswahlprozesses:
- Laufzeit: 10h
- Android oder Windows, da ich derzeit nur diese beiden Architekuren habe und eine dritte Architektur schlicht nicht wollte.
- 10 Zoll-Display
- Preis: etwa 450 Euro
Bei einem firmeninternen Test mit einem Microsoft Surface konnte ich die RT-Variante von Windows für mich ausschließen - es ist derzeit schlicht noch nicht rund und damit nutzbar - der Appstore ist aufgrund der eingeschränkten Auswahl noch ein Hindernis.
Bei den Androiden gibt es recht nette Geräte, aber die Useability konnte mich nicht wirklich überzeugen (obwohl ich seit 2 Jahren ein Android-Smartphone benutze). Das GalaxyTab war ok - hatte keine Tastatur. Das Transformer scheiterte für mich an der Android-Implementierung.
Alle anderen Windows-Tablets mit X86/x64-Architektur waren weit ausserhalb der Preisvorstellungen.
Gewicht (lt. Küchenwaage):
Tablet: 568g
Tastatur: 690g
Zusammen ergibt sich daher ein Kampfgewicht von 1258g, was in einigen Szenarien nicht zu vernachlässigen ist. Subjektiv ist das für mich allerdings kein Problem, da das Gerät an sich flach ist, weshalb man das nicht so spürt.
Design und Verarbeitung:
Hier stand ganz klar "form follows function" im Vordergrund. Acer hat sich nicht so sehr ins Zeug gelegt. Alles ist schlicht gehalten, der Dock-Mechanismus trägt vergleichsweise dick auf und zusammen mit der Tastatur kann man nur einen Rechner erkennen und kein Designobjekt.
Bei der Verarbeitung bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich das beschreiben soll. Der benutzte Kunststoff fühlt sich nicht toll an. Der weiße Displayrahmen fungiert tatsächlich als Rahmen und integriert sich nicht so sehr ins Gesamtkonzept.
Der Dockmechanismus fixiert das Tablet trotz seiner optischen Wucht nicht sehr fest. Er funktioniert zuverlässig, allerdings lässt sich das Tablet im eingedockten Zustand um gut 2° bewegen. Zusätzlich lässt sich der Mechanismus sehr schwer bewegen (beim Zuklappen), was mit der geringen Fixierung bei den ersten Malen für ein ungutes Gefühl sorgt. Aber es scheint zu funktionieren.
Die Tastatur an sich ist deutlich besser verarbeitet. Auch der Druckpunkt geht für mich in Ordnung.
Technik:
Verbaut ist ein Doppelkern-Atom (mit HT), 2 GB RAM und 32 GB eMMC-Speicher. Zusammen mit dem IPS-Display, Intel GMA3650-Grafik und den vorhandenen Schnittstellen (MiniUSB, MiniHDMI, USB 2.0, microSDXC) ergibt sich ein recht guter Kompromiss aus Mobilität und Nutzbarkeit.
Ein kleines Highlight sind die verbauten Akkus. Einer ist in der Tasatur, einer im Tablet. Die angegebenen 18h glaub ich gern. Zumindest reicht der Akku in der Tastatur knapp 10h. Technisch sinnvoll ist auch, dass im eingedockten Zustand immer der Tastaturakku entladen wird und erst wenn dieser bei 0% ist, der Tabletakku einspringt. Da beide Einheiten einen separaten Netzteilanschluss haben(Tablet nur ausgedockt), ergibt sich ein für mich sehr praktischer Usecase. Tagsüber nutze ich, sofern sinnvoll, den Tastaturakku, der dann über Nacht geladen wird. Das Tablet dient mir dann Sessel-Surfstation oder Kindle-Ersatz im Bett.
Die verbauten 32 GB-Speicher sind knapp - nach der Installation von Office blieben noch 10 GB Speicher übrig. Das ist knapp. Daher habe ich mir noch eine 64GB-microSD-Karte von Sandisk zugelegt und als Ordner eingebunden. Damit sollte es gehen.
Betriebssystem:
Acer installiert ein "vollwertiges" Windows 8 - also nicht die RT-Version. Damit kann man auch klassische Applikationen installieren und ist nicht auf den Store angewiesen. Aus meiner Sicht ist das sehr hilfreich, da man sich nicht sofort alles abgewöhnen muss. Im Gegensatz zur RT-Variante ist kein Office dabei. Aus diesem Grund hab ich ein 2010er Office mit Upgradeoption auf 2013 installiert. Funktioniert super.
Die HW kommt hervorragend mit der Software klar, was mich zum nächsten Punkt bringt,....
Bedienung
Zusammen mit Windows 8 kann ich sehr gut arbeiten. Aus meiner Sicht benötigt man für ein intuitives Arbeiten die drei vorhandenen Eingabemöglichkeiten (Touchdisplay, Tastatur, Touchpad). Ich hab etwa 2 Tage Umgewöhnung gebraucht, bin jetzt aber bei Windows 8 angekommen. Ich mag es - auch wenn es noch so seine Macken hat.
Diese sind primär darin begründet, dass man meistens über zwei Wege Einstellungen vornehmen kann - klassisch und modern. Selten reicht nur ein Weg - besonders beim initialen Setup. Das bekommt MS aber sicher noch in den Griff.
Im reinen Betrieb ( Mail, Surfen, Office) fällt das aber nicht ins Gewicht.
Bei der Bedienung hat sich allerdings ein Schwachpunkt in der HW noch herauskristallisiert. Wie schon festgestellt, benötigen klassische Applikationen meistens das Touchpad. Und das hat Acer vollkommen versaut. Während des Betriebes hat es sehr oft Aussetzer, springt, lässt sich nur vertikal bewegen oder die Maus läuft einfach seitenverkehrt. Mindern lässt sich dass Verhalten mit einem angefeuchteten Finger und im Fehlerfall schnell kreisenden Bewegungen, was offensichtlich kalibrierenden Einfluss hat. Insgesamt ist das aber sehr albern und alles andere als zeitgemäß.
Fazit:
Insgesamt recht gelungenes Paket und für mich sehr gut geeignet. HW und SW ergeben für mich eigentlich 5 Sterne, aber
das Touchpad sorgt für Punktabzug. Allein bei diesem Kurzbericht hatte es 3 Aussetzer
Das Design nehme ich nicht in die Bewertung, da das jeder anders sieht.
Update vom 03.02.2013:
Der erste Eindruck hat sich bestätigt - das "Convertible" funktioniert klasse.
Der Prozessor ist entgegen der Beschreibung mit 1,8 GHz getaktet. Das ist mehr als ausreichend für eine durchgängig flüssige Bedienung und Funktion. Der Windows-Leistungsindex liegt bei 3,3. Dabei schwanken die Werte zwischen 3,3 (3D-Grafik) und 5,8 (eMMC-Festplatte). Insgesamt sehr ausgeglichen.
Beim direkten Vergleich zwischen Netbook (1. Generation Atom N270) und dem Iconia erwies sich das Iconia als klarer Sieger. Testweise hab ich ein 100 MB Video (avi) mit dem MovieMaker komprimiert. Das Netbook brauchte 6:44 Minuten, das Iconia 1:28 Minuten.
Akku:
Nach vier Wochen der Nutzung kann ich die Laufzeiten etwas detaillierten.
Im vorwiegenden "Couch-Betrieb" komme ich auf etwa 15h. Im officeähnlichen Betrieb (primär Mail, PowerPoint, Skype usw.) sind es 12h. Das ist gut. Was mich etwas überrascht hat: Bei einem 30 minütigem Skype-Telefonat wurde der Prozessor sehr warm. Der Prozessor liegt rechts oben, weshalb man das Tablett nicht länger unter Last in den Händen halten möchte.
Touchpad:
Trotz zweier Firmwareupdates (einmal manuell, einmal automatisch) hat sich die Fehlfunktion des Touchpads nicht erkennbar gebessert. Was sich aber deutlich gezeigt hat: Das Touchpad wird mit zunehmender Betriebszeit schlechter - nach dem Neustart ist alles gut, nach einigen Stunden fängt es zu haken an. Besonders auffällig ist, dass man das Touchpad nach dem Aufwecken aus dem Tiefschlafmodus praktisch kaum noch benutzen kann - da hilft nur das Display oder eine Maus. Besonders auffällig ist die Fehlfunktion der linken Hälfte des Touchpads. Ich hoffe, dass es nur ein SW-Problem ist.
Update 07.02.2013
Hurra: Es war ein SW-Problem! Am gestrigen Tag prüfte ich manuell auf Updates und wurde fündig. Die neue Firmware behebt das offensichtlichste Problem mit dem Touchpad.
Damit ist endlich auch der 3. Eingabeweg vernünftig nutzbar. Es bleibt aber trotzdem bei der Bewertung - wer 2 Monate (Markteinführung) braucht, um ein Touchpad nutzbar zu bekommen hat nur 4 Sterne verdient.
Update 12.02.2013
Heute nehme ich mal ein halbes Hurra zurück. Die FW 2.08 hat das Verhalten maßgeblich verbessert. Das trifft allerdings nicht auf das Verhalten aus dem "Connected Standby" zu. Das Tab war über Nacht in diesem Zustand und heute hatte das Touchpad wieder seine "springenden 5 Minuten". Nach einem Neustart war alles wieder gut.
Zur Erklärung: Üblicherweise schalte ich das Tab über Nacht aus und Morgens ein. Dann gibt es kein Problem. Das macht auch Sinn, da Win8 nur noch 10s zum Starten braucht. Der Start aus dem Standby dauert 2s. Alles also kein Problem.