Eine Einführung ist Barry Greensteins "Ace on the River" sicherlich nicht. Wer danach sucht, ist mit den Darstellungen von David Sklansky oder Dan Harrington besser bedient. Greenstein, selbst seit vielen Jahren Poker-Profi, beschäftigt sich vielmehr mit der Philosophie und Psychologie dieses Spiels, dessen Regeln man in fünf Minuten erlernt, um es zu beherrschen aber ein gesamtes Leben benötigt.
Nach einer kurzen Einleitung, stellen Kapitel 2 ("Philosophy") und Kapitel 3 ("Advanced Play") den Kern der Darstellung dar. In "Philosophy" beschreibt Greenstein unter anderem die verschiedenen Kategorien von Pokerspielern von lethargisch bis quasi tollwütig. Im Abschnitt "Poker and your sexuality" sinniert er über den Vorteil von Frauen mit großer Oberweite und tiefem Ausschnitt, die Männer aus offensichtlichen Gründen davon abhalten können, sich voll und ganz auf ihr spiel zu konzentrieren. Ferner geht es um die Verhaltensweise am Tisch. Dieser Abschnitt wird mit dem wunderschönen Zitat "When you have to kill a man, it costs nothing to be polite" von Winston Churchill eingeleitet (41).
In "Advanced Play" beschäftigt sich Greenstein mit den mathematischen Wahrscheinlichkeiten im Poker und der dem Spiel zu Grunde liegenden Theorie. Ebenso fachmännisch unter die Lupe genommen wird das neue Phänomen des Inter-Pokers. Auch hier finden sich wenig Hinweise aufs praktische Spiel, sondern vielmehr gut zu lesende Betrachtungen eines Insiders, der sein eigenes Metier zu umschreiben versucht.
Spannend wird es, wenn Greenstein acht seiner spektakulärsten Hände aus Turnieren darlegt und zu Protokoll gibt, was in diesem Moment in seinem Kopf vorging, was er dachte, was sein Gegner dachte und wie sich seine Gedankengänge auf sein Setzverhalten ausgewirkt haben. Dieser Abschnitt ("Some No-Limit Tournament Hands", S. 222-282) ist so aufgebaut, dass der Leser die Chance hat, seine eigenen Vermutungen anzustellen, da erst auf den folgenden Seiten aufgelöst wird, wie es wirklich weiterging.
Fazit: Vor allem ästhetisch ist das Buch ein wahrer Hochgenuss. Hochglanzfotos auf nahezu jeder Seite, unzählige Zitate sowie die Darstellung der Beispielhände in bester Qualität sind der reinste Augenschmaus. Ob man mit dem Inhalt etwas anfangen kann, bleibt einem selbst überlassen. "Ace on the River" ist, wie gesagt, keine Einführung, sondern eine philosophische Behandlung dieses Kulturphänomens. Und auch das kann sehr unterhaltsam sein!