Nicht nur jeder superschlauer Kopf unter uns wird im Hinblick auf die Namensgebung des Playstation-2-Spiels Summer Heat Beach Volleyball möglicherweise erahnen, dass es sich um ein Sportspiel handelt. Und tatsächlich: zu unser aller Verwunderung geht es um die Sportart des Volleyballs. Aha. Selbstverständlich haben wir es mit einem Fun-Sportspiel zu tun, welches in erster Linie für Party-Stimmung sorgen soll. Simulationsfans mit starkem Hang zum Realismus müssen demzufolge ganz fest beide Augen zudrücken oder es ganz sein lassen. Wer aber jetzt auf saftige Schenkel, pralle Brüste & Co. wartet, denn muss ich bitter enttäuschen: es handelt sich keineswegs um einen Verschnitt im Stile von Dead or Alive Xtreme Volleyball für die X-Box. Schade eigentlich. Eher geht es so ab wie bei Beach Spikers für den Nintendo Gamecube. Und damit haben wir praktisch für jede Spielkonsole ihr (herausragendes) Volleyballspiel genannt. Denn in der Tat: Summer Heat Beach Volleyball ist ein sehr bemerkenswertes Sportspiel, welches zumindest an die untere Region der Spitzentitel der Playstation-2-Liga zart anklopft.
Den üblichen Modalitäten des Strandvolleyballs entsprechend besteht ein Team aus lediglich zwei Spielern. Offensichtlich hatte Hersteller Acclaim ein Herz für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, denn (leider) sind nun nicht nur weibliche Athletinnen anwesend. Schon gut, mag ja sein, dass dies auf breite Zustimmung stößt, schon möglich. Das offizielle Reglement des (erst seit wenigen Jahren in Mode gekommenen) Strandvolleyballsports wird berücksichtigt, demzufolge nach erfolgtem Aufschlag, Hechtsprünge, Pritschen, Schmettern und Baggern an der Tagesordnung sind, spätestens nach der dritten Ballberührung muss das runde Leder ins gegnerische Feld bugsiert werden. Insoweit also nichts Neues, weitere Ausführungen zu den Ballwechseln an sich bzw. dem Prozedere beim Beach Volleyball erspare ich mir aber jetzt. Dies würde Euch sicher nur langweilen, schätze ich. Ja, mich auch.
Zu begrüßen ist allerdings eigentlich auch bei dieser Art an Videospiel eine Selbstverständlichkeit dass der Multiplayerspaß eine sehr ordentliche Berücksichtigung fand. Greifen nur wir alleine ans Joypad, wird uns ein CPU-Mitspieler zur Seite gestellt, über den wir uns dann in der Folgezeit entweder ärgern oder diesen bewundern dürfen. Wahrscheinlich beides. Es steht uns die Möglichkeit des unbeschwerten Freundschaftsmatches zur Verfügung, welches sich insbesondere zu Beginn des Spiels anbietet, um sich mit der Steuerung und überhaupt dem Prozedere vertraut zu machen. Des Weiteren existieren drei Minispielvarianten: Entweder schmettern wir, was das Zeug hält und somit quasi um die Wette, wobei es einzig und allein um das Einsacken möglichst vieler Punkte geht oder wir versuchen uns im Boule-Spielen, wobei beide Varianten eines gemeinsam haben: sie werden rasend schnell langweilig. Besser ist die dritte und somit letzte Variante gelungen, welche uns in die eisige Arktis führt und uns dort als Bombe fungierende Bälle um die Ohren hauen, eine langsam aber sicher zerbröselnde Eisschicht unter unseren (trotzdem nackten) Füßen sorgt dabei für einen zusätzlichen Kick. Im Mittelpunkt dürfte hier bei Summer Heat Beach Volleyball aber unzweifelhaft der Arcade-Modus stehen, in welchem wir zunächst auf etwas leichter zu besiegende Teams treffen, die traditionsgemäß mit zunehmender Spieldauer eine größere Herausforderung darstellen. Während der Welttournee wir reisen quer über den Globus, um uns einen Namen im Beach-Volleyball-Business zu machen, versteht sich lassen sich über zehn weitere Schauplätze und weitere Extras wie Mobilar für unser Strandhaus und nette Bonus-Outfits freischalten. In jenem Strandhaus in natürlich idyllischer Umgebung schauen wir uns in erster Linie unsere Pokalsammlung an, die bei jedem ehrgeizigen Zocker unter uns brav anwächst, versteht sich.
Doch bevor es soweit ist, dass wir damit protzen können, müssen zahlreiche Turniersiege errungen werden. Dafür ist es zwingend erforderlich, dass die Steuerung in Fleisch und Blut übergeht. Eine echte Überraschung und zwar im Positiven stellte die Tatsache dar, dass die Steuerung sehr gelungen ist und zudem sehr anspruchsvoll daherkommt. Das hatte ich nicht erwartet, vielmehr war ich bei diesem Fun-Sportspiel von einer ziemlich simplen (und somit variantenärmeren) Handhabung ausgegangen. Doch ganz im Gegenteil: ein gutes Stellungsspiel, das richtige Timing und nicht zuletzt das Antizipieren (Ahnung, wo der Ball auf unserer Hälfte einschlagen soll) sind die Eckpfeiler des Systems bzw. die Säulen des langfristigen Erfolgs. Mittels einer der drei zur Verfügung stehenden Aufschlagarten (mal mit mehr Schnitt, dann wiederum mit mehr Risiko und Power) bringen wir das runde Leder ins Spiel, passen uns den Ball zu und visieren letztlich den Ball per Tastendruck an: entscheidend ist hierbei, wie lange wir die Taste gedrückt halten, ein zusätzlicher Pfeil zeigt uns an, wohin die Reise gehen würde. Hört sich vielleicht komplizierter an, als es ist.
Hier gibt es wahrlich nichts zu meckern, zumal die Steuerung leicht zu verinnerlichen ist und sich trotzdem - entsprechendes Talent vorausgesetzt ein erstaunlich variantenreiches Spiel aufziehen lässt. Etwas leiden die Spielzüge allerdings darunter, dass das Ganze nicht ganz so dynamisch wirkt, wie (sicherlich) ursprünglich erwünscht: nicht selten artet das Ganze insofern aus, dass wir pausenlos den farbig markierten Punkten hinterherhetzen, an denen der Ball einschlagen soll. Ein bisschen geht die spielerische Leichtigkeit flöten, zu viel aufkommende Hektik und ein noch mit letzter Kraft den Ball erreichen und zu selten wird ein gutes Stellungsspiel derart belohnt, dass wir dann genüsslich einen grandiosen Spielzug starten können. Dies sind zwar nur Feinheiten, die oft erst auf den zweiten oder dritten Blick nach ein paar Stunden zu Tage treten, aber erwähnen muss ich sie trotzdem unbedingt.
Optik und Soundkulisse geben sich grundsätzlich keine Blöße, wobei die visuellen Eindrücke einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie die akustische Untermalung, nämlich einen leicht überdurchschnittlichen. Abgesehen davon, dass wir hier in Summer Heat Beach Volleyball keine überaus sexy Damen am Fließband bewundern können, der Fleischbeschau-Faktor damit (leider?) verschwindend gering wird, freuen sich Nicht-Voyeuristen an sehr schönen Landschaften im Hintergrund. Letztere kann man zwar aufgrund der ewigen Hetzerei nach dem Ball zwar nur selten bestaunen, doch immerhin erlaubt die gelungene Zeitlupen-Funktion genauere Einblicke. Aber nicht hinsichtlich etwaig einladender Dekolletes, sondern bezüglich der Landschaftsoptiken, versteht sich. Ansonsten ist das Ganze kunterbunt gestaltet, was den Fun-Faktor unterstreicht. Die modellierten Figuren und das ist ein kleiner Wehrmutstropfen sehen ziemlich unspektakulär aus. Und damit meine ich jetzt nicht das Fehler des Zur-Schau-Stellens der weiblichen Reize. Die Animationen sind absolut gelungen, aber der allerletzte Funken (der Bewunderung) will trotzdem nicht so recht überspringen. Dies hat zur Folge, dass die Identifikation mit den doch etwas blassen Protagonisten nicht unerheblich darunter leidet. 16:9-Breitbildformat und 60-Hertz-Modus fanden zudem keine Berücksichtigung, was sehr bedauerlich ist, da eine höhere Auflösung und insbesondere ein komfortablerer Blick auf das Spielfeld in voller Breite dem Spiel sicherlich gut getan hätten.
Die Soundkulisse untermalt das Geschehen auf dem Platz oder besser gesagt am Strand gut, der fröhliche Charakter dieses Funspiels kommt deutlich zur Geltung, allerdings erhoffte ich mir von den Außengeräuschen etwas mehr, insbesondere was den Abwechslungsreichtum angeht, hätte man ruhig noch eine Schippe mehr drauflegen können. So kann es durchaus passieren, dass des Öfteren die enge Bindung zur eigentlichen Action flöten geht, einpeitschende Melodien, wechselnde Rhythmen oder so richtig krachende Soundeffekte finden wir hier nicht vor, zumindest sind mir solche nicht in Erinnerung geblieben. Im Gegensatz zu den Bildschirmtexten (die auf englisch oder deutsch anwählbar sind) müssen wir mit einer englischen Sprachausgabe vorlieb nehmen. Obwohl, möglicherweise ist dies auch besser so. Eine Surround-Klang-Unterstützung ist im Übrigen hier nicht der Fall. Schade eigentlich.
Jedes Spielsystem hat(te) sein Vorzeigevolleyballspiel. Im Vergleich haben Beach Spikers für den Gamecube in spieltechnischer Hinsicht und Dead or Alive Xtreme Volleyball für die X-Box in optischer Hinsicht die Nase vorn. Trotzdem ist Summer Heat Beach Volleyball für die Playstation 2 ein gelungenes Sportspiel. Die tadellose und zudem erstaunlich anspruchsvolle Steuerung gefällt ebenso wie die hübschen Landschaftsoptiken, die unterhaltsamen Spielmodi und die zahlreichenden zu erspielenden Boni. Die Nähe zu den Figuren fehlt hier, diese werden nicht dermaßen berauschend in Szene gesetzt wie bei den obengenannten Versionen für die anderen Konsolen. Und dies ganz unabhängig davon, dass Voyeure hier bei diesem PS2-Titel nicht auf ihre Kosten kommen. Lasst Euch von dem Cover also nicht blenden bzw. macht Euch keine diesbezüglichen Hoffnungen. Zum großen Hit hat es demnach nicht ganz gereicht.
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