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Access - Das Verschwinden des Eigentums: Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden
 
 

Access - Das Verschwinden des Eigentums: Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden (Taschenbuch)

von Jeremy Rifkin (Autor), Klaus Binder (Autor), Tatjana Eggeling (Autor), Jürgen Neubauer (Übersetzer)
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Aus der Amazon.de-Redaktion

"Wir leben unter der unsichtbaren Macht des Marktes nach dessen Regeln". Doch diese bisherige Form des Kapitalismus ist an einer Wendemarke angelangt. Um es erneut mit Jeremy Rifkins eigenen Worten zu sagen: "Diese Grundlage des neuzeitlichen Lebens befindet sich heute in Auflösung. Im kommenden Zeitalter treten Netzwerke an die Stelle der Märkte, und aus dem Streben nach Eigentum wird Streben nach Zugang" zu diesen Netzen. Dieser, englisch "access" genannte, Zugang "wird Schlüsselbegriff des anbrechenden Zeitalters".

In seinem Buch zeigt Rifkin die Entwicklungslinien, Spielregeln und Hintergründe der vernetzten Welt. Wirtschaftsunternehmen agieren nach veränderten Geschäftsgrundsätzen (man denke an die vermehrten Firmenzusammenschlüsse) und werden dabei immer einflussreicher. Doch das Spinnennetz des ökonomischen Einflusses erstreckt sich noch weiter: Rifkin prognostiziert eine Vermarktung sämtlicher privater Aktivitäten außerhalb der Familie. Die Kommerzialisierung auch kultureller Bereiche bestätigt für Rifkin die "Transformation vom industriellen zum kulturellen Kapitalismus".

Diesen unaufhaltsamen Wandel erörtert Rifkin in seinem Band auf anspruchsvolle, vielschichtige Weise. Weder verfällt er in jauchzenden Optimismus angesichts neuer Zeiten, noch verharrt er in pessimistischen Vorhersagen über unsere Zukunft. Er beschränkt sich auch nicht auf die augenfälligen Wirtschaftsaspekte, sondern erörtert sinnvollerweise deren gesamtgesellschaftliche Implikationen. Zwar sind seine häufig eingestreuten Beispiele sehr USA-lastig und daher für europäische Leser etwas fremd, aber getreu der amerikanischen Vorreiterrolle werden wir die diesbezüglichen Entwicklungen rascher erleben, als uns vielleicht recht sein kann. Wir werden lernen müssen, in einer vernetzten, dynamischen Welt zu leben, in der für Rifkin "die einzige Konstante der Ökonomie der Wandel" ist. Und in der das Wissen über den Zugang die tatsächliche Macht bedeutet. --Joachim Hohwieler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Neue Zürcher Zeitung

Zugang, Zugriff, Übergriff

Jeremy Rifkins neues Buch

Der Untertitel der deutschen Ausgabe leitet in die Irre. Jeremy Rifkins neues Buch handelt nicht vom «Verschwinden des Eigentums», es handelt, wenn überhaupt von einem, dann vom Verschwinden der sozialen Bedeutung und der ökonomischen Funktion des Eigentums. Doch auch nach einer solchen Korrektur spräche man besser von einem – allmählichen – Schwinden jener Bedeutung und dieser Funktion, denn nur das behauptet der global praktizierende Sozialwissenschafter: Aus Märkten würden zusehends «Netzwerke», für die der Eigentumserwerb und der herkömmliche Gütertausch nicht mehr massgeblich seien. Die zentralen Akteure der neuen Netzwerkökonomie seien nicht mehr Verkäufer und Käufer, sondern – siehe Leasing, siehe Franchising – Anbieter und Nutzer. Die Anbieter behielten typischerweise ihr Eigentum, wozu vermehrt «geistiges» Eigentum gehöre, und verpachteten oder vermieteten es, gewährten gegen Gebühren «Zugang».

Schlüsselwort

Access: So lautet nach Rifkin das – titelgebende – Schlüsselwort des neuen Jahrhunderts. Wie die alten Durchsteckschlüssel zwei Bärte besassen, an jedem Ende einen, so scheint auch dieses Wort in zwei Richtungen etwas sagen zu sollen. Die Nutzer, sinnfällig mit Blick aufs Internet, suchen Zugangsmöglichkeiten, um an weltweiten Netzen teilhaben zu können. Die Anbieter ihrerseits sind darauf bedacht, sich Zugang zu Kunden zu verschaffen. Folgt man Rifkin, so hat der Zugriff auf die zu users werdenden Menschen den Charakter eines Über-, ja Angriffs angenommen. Der Untertitel der beinahe zeitgleich erschienenen amerikanischen Originalausgabe fokussiert eben darauf: «The New Culture of Hypercapitalism, Where All of Life Is a Paid-for Experience».

Bezahlte Erlebnisse, gemachte Erfahrungen: Dahinter verbirgt sich die Variation einer nicht mehr ganz neuen kapitalismus- und kulturkritischen Diagnose, die in ihrer allgemeinen Version noch immer auf «Kommerzialisierung» des Lebens lautet, von der Wiege bis zur Bahre. Rifkin spitzt sie zu, genauer: Er beobachtet eine Verschärfung dieses Trends. Nachdem der Kapitalismus seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts seine asketische, im Arbeitsethos sich manifestierende Herkunft mehr und mehr abgestreift und einer genussfreudigen «Konsumkultur» die Bahn gebrochen habe, präge sich nun eine regelrechte «Erfahrungsindustrie» aus, deren älteste und stets weiterwachsende die Tourismusbranche sei, deren jüngste ihre Ware – das Erlebnis, die Erfahrung – im Cyberspace massenhaft produziere. Die Lebensräume, in denen Menschen sich selbst und anderen begegnen können, würden nach und nach von ökonomischen Netzwerken angeeignet.

Die Privatsphäre der Individuen, heisst dies, wird ebenso wie der öffentliche Raum der citoyens – kolonisiert. Und diese Kolonisation ist so etwas wie die Fortsetzung der Kundenpflege mit anderen Mitteln. Die Marketingabteilungen der Konzerne rechnen längst in der Einheit des «Lifetime Value» – LTV –, um die Ergiebigkeit eines Kunden, der, beispielsweise, alle drei bis fünf Jahre einen neuen Wagen least, zu veranschlagen; sie bedienen sich diverser «relationship technologies», um den Konsum- und Lebensstil des also vernetzten Nutzers bestimmen und kontrollieren zu können. – Dem korrespondiert, so sieht Rifkin es, der «neue», der «postmoderne» Mensch, der sich eher als Knoten im Netz denn als insulares, autonomes Subjekt verstehe; der multiple Identitäten «spielerisch» mit theatralischem Selbstbewusstsein verknüpfe. Ob es sich dabei um einen «Archetyp» des neuen Zeitalters handle, der nicht nur «funktioniert», der vielmehr der Macht der Konzerne auch etwas entgegenzusetzen vermöchte, lässt der Analytiker immerhin offen.

Soziales Kapital

Für ausgemacht aber hält er, dass der neue «kulturelle» Kapitalismus kollabieren muss, wenn es so weitergeht wie bisher. Das expansive Wirtschaftssystem kann nämlich, so Rifkins Überzeugung, die Voraussetzungen nicht selbst schaffen, von denen es zehrt. Das «soziale Kapital», Vertrauen und Empathie, das die Menschenwelt im Innersten zusammenhalte, werde nicht auf Märkten und nicht in kommerzialisierten Netzwerken akkumuliert. Es verdanke sich dem stillen Wirken derer, die Rifkin – nicht unmissverständlich – «starke Gemeinschaften» nennt: Vereine, Verbände, Nongovernmental Organisations, Kirchen, zivilgesellschaftliche Assoziationen aller Art also. Ihnen fällt in der Ära des «hypercapitalism» die undankbare Aufgabe zu, sich gegen die neuen Kolonisatoren zur Wehr zu setzen – und so deren Fortexistenz zu sichern.

Weniges an Rifkins einzelnen Analysen und Einschätzungen ist so neu, wie es der neue Kapitalismus sein soll; doch die Zusammenschau verschiedener Phänomene und Tendenzen hat, auch wenn sie eines systematischen begrifflichen Fundaments entbehrt, durchaus ihre Meriten als eindringliche Problemexploration. (Leider ist das Buch augenscheinlich in – zu – grosser Eile übersetzt und mit – zu – geringer Sorgfalt lektoriert worden.)

Uwe Justus Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Gut. Hochinteressante Kernthese. Etwas wiederholend..., 10. Mai 2001
Von Ein Kunde
Eigentlich hätte ich mir dieses Buch überhaupt nicht kaufen dürfen. Das Buch ist das beste Argument keine Bücher mehr zu kaufen! Aber auch sonst würden wir nach Rifkin in Zukunft zwar mehr ausgeben, aber weniger besitzen. Eigentum werde zwar fortbestehen, aber es würde weniger wirklich getauscht werden. Die Anbieter der Neuen Ökonomie (und dieser Begriff wird bei Rifkin durchaus umfassend gebraucht) werden ihr Eigentum behalten, sie werden es verpachten und vermieten oder auch Zugangsgebühren, Abonnements- oder Mitgliedsbeiträge für einen befristeten Gebrauch erheben. Es lebe also die private (vielleicht auch virtuelle) Bibliothek!

Der Austausch von Eigentum zwischen Ein- und Verkäufern - das Grundschema unseres neuzeitlichen Marktsystems - würde abgelöst vom kurzfristigen Zugang, wobei Anbieter und Kunden in einem Netzwerk miteinander verbunden seien. Märkte, wie wir sie kennen, würden für den modernen Menschen, den flexiblen Wissensnomaden, von immer geringerer Bedeutung sein. Zugang, Zugriff, „Access" seien die Schlüsselbegriffe des anbrechenden Zeitalters.

Produkte würden wir Konsumenten, aber auch Unternehmen häufig nur unzureichend nutzen. Das eigene Auto oder der Spezialist im Unternehmen, den man nur die Hälfte des Jahres wirklich benötigt. Im Wirtschaftsleben würde diese fundamentale Veränderung tiefgreifende Folgen für uns Erwerbstätige haben. Vorreiter dieser Entwicklung seien die großen Hollywood-Filmstudios. Diese bestünden heute aus nicht viel mehr als aus Marke, Geld und Träger von bestimmten Schlüsselkompetenzen. Der Rest wird am Markt ausgeliehen. Jede Filmproduktion bringt ein Team von spezialisierten Produktionsfirmen und unabhängigen Auftraggebern zusammen, alle brächten sie spezifische Fach-, Managementkenntnisse und Talente mit. So würden die Unternehmen ein Netzwerk bilden, dessen Lebensdauer auf die Projektlaufzeit beschränkt sei.

Wissensnomaden und Projektleiter finden sich also zunehmend zusammen, um eine definierte Aufgabe zu lösen. Erfolgsorientiert. Und in Zukunft sei jedes Geschäft wie das Showgeschäft. Jede wissensintensive Industrie hätte bald denselben hierarchielosen, in viele Einheiten gespaltenen Zustand erreicht. Diese auch von Prof. Wippermann analysierte Entwicklung hat selbständigere, flexiblere Arbeitsformen zur Folge. Wenn Arbeit projektorientierter wird, müssen Arbeitnehmer zu Freiberuflern werden. Nur durch diese Eigenverantwortung und insbesondere Flexibilität ermöglicht man Unternehmen den „Access" zu qualifizierter Arbeitskraft. Just-in-time und Pay-as-you-use!

Rifkins Interesse gilt neben der Zukunft der Arbeit auch der Biotechnologie und Kulturindustrie. Die Abschaffung des Eigentums und die Kommerzialisierung unserer Kultur werden von ihm kontrovers und umfassend diskutiert. Durch internationale Saatgut-Oligopole entstünden Abhängigkeiten der Landwirte von den großen Konzernen. Durch die Vermarktung der Kultur, hätte sich die Ökonomie mit all seinem Negativ-Folgen auf den letzten Bereich menschlichen Lebens ausgedehnt.

Das Auseinandersetzen mit Rifkin ist lohnend. Seine Thesen sind einprägsam und Hintergrundinformationen gut recherchiert. Leider wiederholt er sich allzu häufig. Ein wenig tendiert Rifkin auch dazu, alles vor ihm da gewesene zu kritisieren und in die Geschichte katapultieren zu wollen. Dieses versucht er mehrmals auch mit Adam Smith. Aber gerade Smith hatte doch bereits vor über 200 Jahren erkannt, dass flexibles Arbeiten und Arbeitsteilung die wichtigsten Motoren wirtschaftlichen Wachstums darstellen!

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hervorragende Analyse des modernen Kapitalismus, 13. April 2007
Von Rolf Dobelli "getAbstract.de" (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Nach "Das Ende der Arbeit" ist Jeremy Rifkin wieder ein großer Wurf gelungen. Eindringlich, einleuchtend und mit vielen Beispielen beschreibt er, wie vor unseren Augen ein neuer Kapitalismus entsteht. Die Formel vom Zeitalter des Zugriffs (Access) ist sehr eingängig und verbindet die verschiedensten Formen wirtschaftlichen Wandels. Rifkin ist sichtlich fasziniert von den Veränderungen, die er beschreibt. Er verliert aber nie seinen kritischen Blick und bringt immer auch die Rückseite der Medaille zum Vorschein. Der einzige Kritikpunkt: So konkret und plastisch der Autor die wirtschaftliche Entwicklung beschreibt, so vage und allgemein bleibt er bei seinen Lösungsvorschlägen für die Probleme unserer Zeit. Dennoch ist das Buch eine ungeheuer anregende und lohnende Lektüre. Wir empfehlen es allen, die wissen wollen, wohin unsere Reise geht.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Der Klappentext faßt den gesamten Inhalt zusammen, 12. Juli 2001
Sicherlich interessant ist die Kernthese dieses Werkes, und sicherlich auch interessant ihre Auswirkungen. Allerdings gestaltet sich der Leseprozeß als anstrengend, da sich die Formulierungen und auch der Inhalt ständig wiederholen und zu kaum neuen Erkenntnissen führen. Wer den Klappentext liest und sich mit zwei drei Kollegen an einen Tisch setzt und die Thematik bespricht, ist genausoweit, als würde er das Buch lesen. Ansatz = sehr gut / Ausführung = schlecht
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