Ich bin schon mit einem grundsätzlichen Verständnis von Access in das Buch eingestiegen und bin daher sehr zwiespältig, was seinen Inhalt angeht. Ich habe jetzt etwa die Hälfte durchgearbeitet und auch wenn ich die "schwierigen" Kapitel (im weitesten Sinne alles was mit programmieren zu tun hat) noch nicht erreicht habe, kann ich wohl einen ersten Eindruck wiedergeben.
Herr Kolberg möchte grundsätzlich ein Einsteigerbuch schreiben und dabei besonders auf die Änderungen in Access 2010 eingehen. Zunächst werden allgemeine Grundlagen erklärt, anschließend die einzelnen Bereiche (Tabellen, Abfragen...) vertieft. Herr Kolberg erläutert dies anhand von Beispielen, die man mit der beigefügten CD selbst nachverfolgen kann. Auch sind die Texte großzügig bebildert, so dass man jeden geschriebenen Test auch gleich "live" nachvollziehen kann, was das Übertragen sehr erleichtert.
Soweit funktioniert das auch gut, jedoch gibt es dabei einige Dinge, die nicht so gut klappen.
Zunächst: Ein Einsteiger weiß noch nicht viel von Access, interessiert sich also nicht so sehr dafür, was sich gegenüber dem Vorgänger verändert hat. Jemand, der sich für die Änderungen interessiert, braucht keine Einführung mehr. So entsteht ein Zielgruppen-Interessenkonflikt, der dazu führt, dass einzelne Passagen entweder für die eine oder die andere Zielgruppe uninteressant sind.
Dann holt die Einführung für meine Begriffe viel zu weit aus. Es werden viele Begrifflichkeiten und allgemeine Verfahrensweisen aus dem Office als solches erklärt, die nicht direkt etwas mit Access zu tun haben (z.B. die Funktion des Format-Pinsels). Diese Erläuterungen sind eher banal und kann man sich schenken. Wer (noch) nicht weiß, wie man Schrift kursiv setzt, sollte sich (noch) nicht an Access heranwagen.
Auch der Teil, bei dem es wirklich um Access geht ist nicht ganz gelungen. Zwar werden die Grundsätze erklärt und wer brav die Beispiele mitentwickelt wird funktionsfähige Datenbanken entwickeln. Leider sind die Erklärungen oft ausschließlich auf die Beispiele bezogen und lassen sich nicht unbedingt verallgemeinern.
Ein Beispiel: Es soll ein Formular erstellt werden, bei dem man ein Bild einfügen kann. Dazu wurde in vorigen Kapiteln auf die Bedeutung der "OLE-Objekte" in Tabellen hingewiesen. Öffnet man nun das Beispiel kann man ein Formular erstellen, in dem dieses OLE-Objekt angesprochen wird und so das Bild eingefügt wird. Führt man das Beispiel auf der CD aus, klappt das auch - auch wenn einem vielleicht verwundert auffällt, dass die mitgelieferten Bilder im Bitmap-format gespeichert sind.
Mit keinem Wort erwähnt wird leider, dass die beschriebene Vorgehensweise nur für Bilder im bmp-Format gilt. Ein Format also, das der Durchschnitts-User eher nicht benutzt. JPG-Bilder werden über den Feldtyp "Anlage" angezeigt - was ich mir dann in diversen Foren zusammen suchen musste. Der Sinn der OLE-Objekte bzw. wann man sie nutzen muss bleibt mir unklar.
Das passiert leider zu oft, dass die Erklärung am Beispiel ausgerichtet wird aber das Verständnis für das allgemeine Prinzip nicht weiter erläutert wird. Ein andern Mal erläutert Herr Kolberg die Bedeutung verschiedener Eigenschaftsfelder und verweist darauf, dass üblicherweise die Einstellungen "Long Integer" oder "Double" genutzt werden - verschweigt aber, was sich hinter diesen Begriffen versteckt.
Weiterhin ist Herr Kolberg oft zu redundant. Nach einer Weile hat man verstanden, dass man eine Datenbankobjekt schließen kann, wenn man es nicht mehr benötigt und dass man dazu das "x" rechts oben im Feld nutzt. Herr Kolberg hält sich aber strickt an seiner Schritt-für-Schritt-Anleitung und erwähnt solche Dinge jedes Mal wieder, während er durch die Beispiele führt. Ebenso erklärt er oft selbsterklärende Felder oder erklärt nicht selbsterklärende Felder mit eben jenen Worten, die halt nicht selbst erklärend sind, anstatt in diesem Fall etwas auszuholen oder vielleicht auch auf eine ausführlichere Erklärung in einem späteren Kapitel zu verweisen. Das macht das Lesen bisweilen ermüdend und man muss sich zwingen, nicht mit querlesen anzufangen (und dann doch einmal eine wesentliche Information zu verpassen).
Zu guter Letzt ist der Index am Ende nicht vollständig, ich habe immer wieder bestimmte Grundbegriffe (z.B. "Listenfeld") nicht finden können, die gerade ein Anfänger dort nachschlagen würde. Auch sollte von Verlagsseite für die nächste Auflage noch mal ein Lektor das ganze Buch durcharbeiten. Man findet auf jeder dritten bis vierten Seite einen (nicht weiter schädlichen) Tippfehler, mindestens zwei mal habe ich aber auch "echte" Fehler gefunden, wo scheinbar im Text noch eine Bezeichnung für ein Feld genutzt wurde, das in 2010 inzwischen anders heißt und beim Übertrag des Vorgängerbuches nicht aktualisiert wurde.
Fazit:
Das Buch will an manchen Stellen zu viel und leistet an anderen zu wenig.
Wer noch keine Erfahrungen mit Access oder Datenbanken im Allgemeienn hat, wird hier einen breit ausgelegten Einstieg finden und am Ende einfache Datenbanken (z.B. für die eigene CD-Sammlung oder eine einfache Adressbank) erstellen können, muss aber damit leben, manche Dinge zwar umsetzen zu können, sie aber eigentlich nicht zu verstehen.
Wer jedoch bereits grundsätzliche Erfahrungen hat und sein Wissen nun vertiefen möchte, um ganze konkrete Ideen umzusetzen, wird zwar einige neue Details kennen lernen, aber nicht unbedingt die Lösung für seine Idee finden. So kann er zwar sein Wissen ausbauen, wird am Ende jedoch immer noch viel Rat in anderen Quellen suchen müssen.
Grundsätzlich besser ist jedoch das hauseigene "Microsoft Access 2010 - Das Handbuch". Für den selben Preis bekommt man zwei Sterne mehr Qualität und Anfängertauglichkeit. Nur die Bilder sind etwas weniger bunt.