Dass "Accelerate" das beste Album seit "New Adventures in Hi-Fi" ist, muss ich nicht extra erwähnen, da viele Fans dies bereits geschrieben haben. Allerdings ist es wichtig, hier noch auf einige geäußerte "Kritikpunkte" einzugehen, abgesehen davon, dass viele "Kritiken" hier allein darauf basieren, dass es R.E.M. schon zu lange gibt, ohne dass das Album selbst gehört wurde.
Die Aufmachung ist sehr schön, das Design ist in schwarz-weiß gehalten und erinnert sehr an Punkrock-Fanzines, die heutzutage oft immernoch so gemacht sind, was die Spontaneität des Albums gut reflektiert. Wer hier darüber meckert, dass das Cover billig gemacht ist, sollte lieber keine Musik mit subkulturellen Ursprüngen, sondern ruhig z.B. Falco hören.
Die Quantität der Musik (34 Minuten) direkt mit der Qualität gleichzusetzen, zeugt auch nicht gerade von musikalischem Fachverständnis, zudem war "Reckoning" auch nicht viel länger. Aber vielleicht ist die Platte ja auch scheiße? Genau wie "Lifes Rich Pageant", die ähnlich rockig daherkommt wie "Accelerate" und einen ähnlich guten Opener hat. Dass der Sound 22 Jahre später ein anderer ist, sollte man sich denken können.
Die Kritik am Klang der Platte kann man nachvollziehen. Dabei sollte man aber darüber nachdenken, dass dies von der Band so gewollt ist und kein "Versehen" ist. Wer die R.E.M.-Platten der letzten 10 Jahre gewöhnt ist, wird sich hier schwer zurechtfinden, denn hier wird versucht, die Live-Energie der Songs auf Platte zu bannen, weshalb auch für R.E.M.-Verhältnisse wenig im Studio herumgepfuscht wurde. Dass der Sound sehr laut und krachig ist (man hört Rückkopplungen, etc...) gehört also zum Konzept des Albums.
Wer sich jedoch die "Arbeit" macht, und die Platte auch wirklich anhört, der wird merken, dass R.E.M. wieder frisch klingen und merklich Spaß am Musik machen haben. Dabei gibt es viele Hits wie den Opener, "Man-Sized Wreath", "Until the Day is Done" (dessen Riff übrigens noch aus "Automatic for the People"-Zeiten stammt, was einige hier vielleicht überrascht) und "Sing for the Submarine", aber auch Songs, die ihr volles Potential erst nach längerem Hören offenbaren, wie "Supernatural Superserious".
Ich freue mich schon auf die Live-Auftritte in Deutschland, da man schon an den ersten Auftritten in Amerika sehen konnte, wie sich R.E.M. mit dieser Platte gewandelt haben: Sie spielen viele Songs aus den IRS-Jahren, dafür fehlen die altbekannten Songs wie "Everybody Hurts" und teilweise sogar "Losing my Religion"! So muss das sein, Rock'n'Roll!