Ich glaube Accelerando ist eines dieser Bücher wo die Meinungen weit auseinander gehen werden. Einerseits ist es eine beinahe zu hautnahe Darstellung einer utopischen Zukunft, in welcher gegenwärtige gesellschaftliche Ordnungen, Ethik und Moral keinen Platz mehr finden. Eine Zukunft, wo nicht nur Technologien weiter entwickelt werden, sondern auch der Mensch selbst eine evolutionäre Stufe erreicht, wo man sich fragen muss ob es sich dabei noch um den guten alten Homo sapiens handelt oder eine neue Spezies daraus entstanden ist.
Sross beschreibt seine faszinierende (und auch beunruhigende) Vision in einem schnellen Tempo, so als ob er die Erzählung der sich entwickelnden Technologie anpassen will. Leider geht dabei die Geschichte selber verloren. Es geschehen eine Vielzahl von Ereignissen die das Buch und die Charaktere vorantreiben, doch mir kam es so vor, als ob sich alles immer um denselben Punkt dreht. So widersprüchlich dies im Vergleich zu Stross's Vision auch klingen mag, gelingt es ihm nicht seine Charaktere zu entwickeln und damit auch nicht seine Geschichte, da diese sich um die in seiner Vision lebenden Menschen dreht. Zu oft geht es um dieselben Probleme, um die gleichen Sorgen und Ärgernisse. Immer wieder fallen die Charaktere in die gleichen Verhaltensmuster zurück. Noch absurder ist dies, weil sich die gleichen Muster über die Generationen hinweg wiederholen bzw. fortsetzen. Aus all diesem entsteht eine Geschichte die sehr linear verläuft und zwischendurch einen Technologie- oder Generationensprung macht in eine neue, weiter entwickelte Zukunft. So spaltet das Buch den Leser zwischen Vision und Geschichte. Von der Faszination seiner utopischen Zukunft einmal abgesehen, fand ich am Ende nicht Vieles was mir in Erinnerung bleiben wird.