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Accabadora
 
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Accabadora [Gebundene Ausgabe]

Michela Murgia
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (23. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803132266
  • ISBN-13: 978-3803132260
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 66.506 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Michela Murgia
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Dieser poetische Roman über Kindheit und Alter, über Leben und Tod, trifft unmittelbar den Nerv des Lesers. (Susanne Wiedamann, Mittelbayerische Zeitung, 04. März 2010)

Und berückend schön wirkt der Gang dieser leise erzählten Geschichte, die einem Mädchen aufmerksam auf seinem Weg folgt, bis es klug genug wird, um der mütterlichen Frau mit ihrer tödlichen Weisheit schließlich gewachsen zu sein. (Elisabeth von Thadden, Die ZEIT, 18. März 2010)

Dieser Roman hat mich tagelang beschäftigt. Er ist ungeheuer faszinierend. (Amelie Fried, ZDF, Die Vorleser)

Kurzbeschreibung

Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln, wenn sie die Straße hinunterlaufen. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, »die Letzte« und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer schnörkellosen, poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf. Dieser Roman ist sinnlich, radikal und auf verblüffende Weise aktuell.

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78 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist schön, dass es immer wieder Bücher gibt, die den Leser im guten Sinne aus der Fassung bringen können. Ein solches Buch ist "Accabadora". Geschrieben hat es die Sardin Michela Murgia, 38 Jahre alt und studierte Theologin. "Accabadora" ist ihr erster Roman - und ein kleines Meisterwerk, das nicht zu Unrecht in Italien bereits 2009 mit dem renommierten Premio Dessì ausgezeichet worden ist.

Accabadora ist eine typisch sardische "Dienstleisterin", eine Frau, die auf dem Boden alter, mythischer Traditionen in einem sardischen Dorf einem "Handwerk" nachgeht, das man hierzulande als "Sterbehilfe" bezeichnen könnte. Eine solche Accabadora ist die alte Schneiderin Bonaria Urrai. Maria Listru wiederum ist ein junges Mädchen, dass zu dieser Alten als "filius de anima", als "Tochter des Herzens" kommt; abgegebenen von ihren armen Eltern an eine, der der Kindersegen versagt blieb.

Aus dieser Gemeinschaft, aus der Beziehung dieser beiden so unterschiedlichen Frauen, speist sich der eine Erzählstrang dieses Romans. Hier das aufgeschlossenen, neugierige Kind, die junge Frau. Dort die Alte, verschlossen, geheimnisvoll und wortkarg. "Jedes Mal, wenn du den Mund öffnest, um zu sprechen, denke daran, dass Gott mit dem Wort die Welt erschaffen hat", heißt es an einer Stelle. Aber auch ohne dass Bonaria "den Mund öffnet", erfährt Maria von den heimlichen Gängen der Alten in den Nächten. Denn da geschehen seltsame Dinge.

Nicht lange lässt die Erzählerin den Leser im Unklaren, was diese nächtlichen Ausflüge zu bedeuten haben. Bonaria ist eine Accabadora, gerufen von Angehörigen, um Sterbenden zu helfen "die Schwelle zu übertreten", jenes "Zwischenreich, in dem die Grenzen verschwimmen". Ein Werk der Barmherzigkeit oder ein Verbrechen? Bonaria: "Denn niemals seit dieser Zeit waren ihr Zweifel gekommen, nicht zwischen Barmherzigkeit und Verbrechen unterscheiden zu können."

Ehe sich aber der Leser in juristischen Überlegungen verliert, folge er besser der Autorin. Sie lässt uns teilhaben an uraltem Wissen, an Traditionen und Überlieferungen. Sie lässt uns in die Seele der Menschen, der Handelnden und der anderen, blicken. Sie lässt uns auch etwas von der Würde des Todes ahnen. Und das mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen und in einer wunderbaren Sprache.

Das gilt auch für den anderen Erzählstrang - die Schilderung dessen, was in diesem Dorf passiert: zwischen Kindern und Eltern, bei den Vorfällen des Lebens wie Hochzeiten, Geburt und Tod, im Nachbarschaftsstreit, der in alten Ritualen zufolge auch schon mal blutig enden kann. Denn alle diese Traditionen bilden den Hintergrund dessen, was sich um die beiden Protagonistinnen herum abspielt. Vor allem bei Maria, die immer aufmerksamer, auch selbstbewusster wird. Maria und Bonaria werden sich ähnlich und unterscheiden sich doch erheblich in ihren Psychogrammen.

Der Tod des jungen Nicola ist für Maria ein zentrales Ereignis: von ihm gewünscht, von Bonaria abgelehnt und dann doch gewährt. Vielschichtig und mit großer Sensibilität schildert Michela Murgia Gedanken und Gefühle Marias, Ihre "Flucht" auf das italienische Festland und ihre Rückkehr nach Sardinien. Maria ist gereift, ist eine Frau geworden - um am Ende an ihrer Ziehmutter Bonaria selbst zu einer Accabadora werden zu wollen.

Michela Murgia hat eine wunderbare Balance gefunden zwischen den vielen Dichotomien,die in diesem Roman aufeinanderstoßen: Archaisches und Modernes, Mythologie und Realität. Ihr ist eine berührend emphatische Lebenserzählung gelungen, ein Buch, das den Leser nicht nur fesselt, sondern erschüttert und nachdenklich stimmt.
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Regina Berger TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Meiner Mutter. Allen beiden." So lautet die Widmung zu Beginn des Buches. Dieser scheinbare Widerspruch war auf Sardinien eine jahrhundertelang praktizierte Form der Adoption. "fill`e anima", Kinder des Herzens, nannte man dort Kinder, die zweimal geboren wurden - aus der Armut einer Frau und der Unfruchtbarkeit einer anderen.

Schon auf den ersten Seiten prägen sich geheimnisvolle Klänge im Ohr des Lesers ein, fremde Wörter, deren Bedeutung man erst nach und nach erfasst. >Accabadora< lautet der Titel des Debütromanes der sardischen Schriftstellerin Michela Murgia, die nur wenige Sätze benötigt, um das Anderssein ihrer Landsleute treffend zu beschreiben. Derer, die in Dörfern des Hinterlandes leben, wo noch die alten Bräuche herrschen. Denn nur an wenigen Orten scheint Tradition so lebendig wie auf Sardinien.

Das Buch handelt in erster Linie von Maria, dem jüngsten Kind der Familie Listriu. Ihre kinderreiche, arme Mutter schafft es nicht, alle hungrigen Mäuler zu stopfen und gibt Maria deshalb an die alte Schneiderin Tzia Bonaria Urrai ab, die kinderlos und verwitwet ist. Diese Ziehmutter ist eine "Accabadora" - eine Engelmacherin am Ende des Lebens; eine im früheren Sardinien gesellschaftlich anerkannte "letzte Mutter". So wie sie als Hebamme fungiert, und bei der Geburt die Nabelschnur durchtrennt, so schneidet sie den letzten Faden des Lebens ab und begleitet den, der nicht sterben kann. Die Mutter-Tochter-Beziehung des aufgeschlossenen, neugierigen, jungen Mädchens und der wortkargen, geheimnisvollen Alten und deren Annäherung ist der Haupterzählstrang, der sich eindrucksvoll durch das Buch zieht.

Die Autorin, selbst eine "fill`e anima", verleiht der kraftvollen Geschichte oft mit wenigen Worten authentische Charaktere und eine durchwegs dichte Atmosphäre. Eine wesentliche Rolle der Erzählung spielen neben Leben und Tod, Schicksal und Handeln auch die strengen Verhaltensmuster innerhalb einer Dorfgemeinschaft in den fünfziger Jahren, eines kleinen Dorfes auf Sardinien, das arm an Ressourcen, aber reich an Riten ist. So vereinen sich in Michela Murgias diskreter Art Tradition und Mythos mit Moderne zu einem Thema, das auch heute noch die Gemüter erhitzt. Ihre Sprache ist dabei gradlinig, ganz ohne Schnörkel und trotzdem zärtlich. Der knappe Stil sowie die wechselnde Anrede der Personen verdeutlicht die jeweilige Perspektive und ändert oft nur subtil den Blickwinkel.

>Accabadora< ist ein Buch, das zu Herzen geht und offenbart, dass sich zwischen Gut und Böse manchmal ein Mysterium verbirgt. Es geht um Moral und darum, Grenzen zu ziehen, zwischen dem, was man tut, und was man nicht tut. Vieles bleibt unausgesprochen und ist dennoch gesagt. >Accabadora< ist eine intensive Erzählung mit melodiösem Klang, die auch der deutschen Übersetzung Stand gehalten hat. Für mich eine Perle anspruchsvoller Literatur, überaus ausdrucksvoll mit eindringlich fühlbaren Nachhall.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ailis TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Accabadora" ist der Debütroman Michela Murgias und in ihrer Geschichte entführt sie uns ins Sardinien der 50er Jahre, in dem die Moderne auf die Gepflogenheiten und Gewohnheiten der alten Zeit trifft und man noch nicht sicher sein kann, wer von beiden diesen Kampf gewinnen wird.
Die alten Zeiten, das sind die, in denen neben dem christlichen Glauben noch eine Menge abergläubischer Rituale und Traditionen bestehen, die das Leben des einfachen Volkes bestimmen. So ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass ein böser Zauber benutzt wird, um dem heimlichen Versetzen einer Grenzmauer Erfolg angedeihen zu lassen. Aber auch andere Dinge sind Bestandteile dieser alten Zeit, und so kann es sein, dass eine Frau noch Mutter wird, die diesen Wunsch schon längst in sich begraben geglaubt hat. Bonaria Urrai ist eine solche Frau und Maria Listru ist die Tochter, die sie sich immer gewünscht hat. Maria ist eine fill'e anima, eine Tochter des Herzens. Als viertes Kind einer armen Witwe ist sie alles andere als gewollt und wird von der Mutter mehr als Last denn als Segen betrachtet, weswegen Bonaria Urrai sie als Tochter zu sich nimmt und sich um sie kümmert.

"Fillus de anima, Kinder des Herzens. So nennt man die Kinder, die zweimal geboren werden, aus der Armut einer Frau und der Unfruchtbarkeit einer anderen."

Maria fühlt sich wohl bei Bonaria, die sie mit liebevoller Härte erzieht, und ihre Familie vermisst sie nicht. Die beiden scheint nichts trennen zu können, zu gut geht es ihnen mit diesem Arrangement einer unproblematischen Adoption, bis zu dem einen schicksalhaften Tag, an dem eine fast schon erwachsene Maria erkennen muss, dass ihre geliebte Tzia Bonaria nicht nur die Schneiderin ist, für die sie sie gehalten hat...

Ich halte mich an dieser Stelle zurück, da dieses wunderbare Büchlein nur 170 Seiten umfasst und man schon reichlich früh in Gefahr gerät, zu viel von dieser ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Geschichte zu verraten. Nur so viel sei gesagt: das titelgebende Wort Accabadora steht für jene Frauen, die Menschen in Agonie, also einem langanhaltenden Todeskampf, in früheren Zeiten zum Tode verhalfen, nachdem sie vom Sterbenden selbst und seiner Familie um diesen Akt der Gnade gebeten worden waren.

Bonaria und Maria, das sind zwei Menschen, die auf den ersten Blick ähnlich pragmatisch zu sein scheinen, auf den zweiten jedoch durch einen breiten Graben getrennt werden, der entstanden ist durch unterschiedliche Moralvorstellungen. Maria, die für ein Mädchen der damaligen Zeit schon ungewöhnlich lang die Schule besucht hat, wird zu einer jungen Frau, die von vielen Traditionen der alten Zeit nichts weiß und auch nichts hält. Bonaria hingegen lebt mit und für diese Rituale, die sie der Tochter jedoch in einer dunklen Vorahnung verbirgt. Und so kommt es, wie es kommen muss!
Doch aus jungen und ungestümen Mädchen, die an ihren Prinzipien festhalten, werden manchmal Frauen, die an dem reifen müssen, was ihnen widerfährt - so auch Maria.
Sprachlich ist dieser Roman ein Genuss: Murgia hüllt die Geschichte der beiden Frauen in eine kraftvolle, aber auch melancholische Sprache, die nie mehr sagt, als nötig ist. Ein wunderbares Buch, das ich einfach nur jedem ans Herz legen kann!
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Vor 24 Tagen von Punkt veröffentlicht
Man lernt viel über Sardinien
Toller Roman, der viel über die Bräuche in Sardinien erzählt. Ich habe das Buch in einem durch gelesen, da es mir so gefallen hat.
Vor 1 Monat von C. Lex veröffentlicht
Ein wunderbares, sensibles Buch...
Obwohl mittlerweile der Kindle Einzug gehalten hat, bin ich froh dieses Buch auf richtigen Seiten gelesen zu haben. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von aberline veröffentlicht
Empfehlenswert, wenn auch ein wenig zu kurz
Etwas zu kurz, um sich wirklich in die Charaktere und die sardische Mentalität hineinversetzen zu können. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Noctifer veröffentlicht
eindringliche Auseinandersetzung mit alten Mythen
Da ich mich immer wieder gerne an meine Sardinienreise erinnere, die wunderbare Eindrücke von der Einsamkeit und Kargheit der Landschaft und ihrer Bewohner bei mir... Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Carla veröffentlicht
Die Freiheit des Menschen, über sein Sterben zu entscheiden
Ein sardisches Dorf halb noch im traditionsgebundenen Mittelalter, halb in der Moderne. Noch gibt es in der Dorfgemeinschaft die Accabadora, das ist eine Frau, die den in Agonie... Lesen Sie weiter...
Vor 12 Monaten von Diethelm Thom veröffentlicht
Aussergewöhnlich
Am meisten erstaunt hat mich, dass dieser Roman, der mit so viel Gespür und Lebensklugheit geschrieben ist, das Produkt einer doch recht jungen Autorin ist. Lesen Sie weiter...
Vor 14 Monaten von Alex veröffentlicht
wunderbar erzählt
michela murgia erzählt auf wunderbar einfache art von dingen, die hier sehr fremd sind.
als leser des festlandes, der weder mit der insel, den bewohnern, bräuchen... Lesen Sie weiter...
Vor 15 Monaten von c-ni veröffentlicht
Schwierig, aber berührend...
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Sicher geht das Buch sehr, sehr tief in Fragen von Moral, von Anstand, von menschlichen Beweggründen. Lesen Sie weiter...
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