Das Positive vorneweg: der zugrundeliegende Plot ist eigentlich interessant und bietet auch gerade durch die Verstreuung der Königskinder in die Welt alle Voraussetzungen dafür, ein richtig gutes Leseerlebnis zu bieten.
Leider versäumt der Autor es aber, diese gute Grundzeichnung mit der nötigen "Farbe" zu versehen - sehr bedauerlich ist insbesondere, dass auch fast alle Figuren des Romans
trotz guter Grundanlage eher blass bleiben.
Eine Charakterentwicklung ist eigentlich nicht da. Man lernt die Kinder kurz vor dem dramatischen Einschnitt kennen und springt dann mehrere Jahre später in ihre jeweilige neue Welt.
Man hat dann schnell kapiert, welche Rolle jeder jetzt spielt, vom Piraten zur Kämpferin, dem naturnahen Idealisten. Die weiteren Ereignisse sollten dann eigentlich schon dazu beitragen, dass man die Motive und Gefühlswelt der Protagonisten besser versteht und sich ein echtes Interesse an deren Schicksal entwickelt. Leider bleibt das aber alles auf der Strecke, ab diesem Zeitpunkt geht es mit der Spannung und der Geschichte, die einen am Anfang durchaus mit der stückchenweise preisgegebenen Verderbtheit ihrer Welt in den Bann gezogen hat, bergab.
Die Charaktere sind zwar - wie jemand richtigerweise schrieb weder richtig gut noch böse -, aber das ist nicht der Grund, warum man man mit keinem sympathisieren kann.
Sie bleiben einfach leider viel zu blass und kriegen vom Autor nur die oben erwähnte Grundkonturen verpasst. Manche Gefühlsentwicklung wirkt gar konstruiert und vor allem nicht hinreichend nachvollziehbar beschrieben, etwa die "Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht" Geschichte von Corinn. Zwischen den Charakteren wären aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklungen auch viel mehr Reibungen zu erwarten, nachdem sie sich nach Jahren wiedersehen. Hier ist aber alles nur ein nettes Wiedersehen, feste drücken und gemeinsam in die Schlacht ziehen. Als einer dann stirbt, nimmt man das zur Kenntnis, leid tut es einem aber eigentlich kaum.
Ein weiteres, was ich dem Buch übel nehme, ist es, dass es - bei durchaus eher langsamen Gang der Erzählung - immer wieder durchaus spannende Situationen herauf beschwört, die dann aber
fast lieblos abgehandelt werden. Insbesondere große Schlachten sind beinahe langweilig beschrieben, ein paar Manöver und Truppenbewegungen werden beschrieben. Die Protagonisten sind zwar da, ihre Wirken in der Schlacht ist aber kaum oder gar nicht von Relevanz.
Erst mit der finalen Schlacht greift der Autor zu einer etwas schmissigeren Beschreibung.
Insgesamt ließ mich das Buch zwiespältig zurück. Der Plot und auch die durchaus düstere Grundkonstruktion der Welt haben ein Menge Potential, von dem aber
dann erzählerisch viel verschenkt wird. Eigentlich schade, denn es ist auch so sicherlich kein schlechtes Buch, aber eben auch kein richtig gutes.