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Abyssus: Der Abgrund. Mystery Thriller
 
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Abyssus: Der Abgrund. Mystery Thriller [Gebundene Ausgabe]

Peter Mennigen
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Was passiert, wenn mittelalterliche Magie und die "Magie des Cyber-Zeitalters aufeinander prallen? Was geschieht am Jüngsten Tag und wie könnte ein Leben im Jenseits aussehen? Diese Fragen behandelt der Autor Peter Mennigen in seinem faktenreichen, rasanten und spannenden Mystery-Thriller. Schwarze Magie contra moderne Wissenschaft, Quantenphysik contra Göttliche Schöpfungstheorie - ein Puzzle voller Mysterien und Rätsel, das den Leser bis zum Ende fasziniert.

Der Verlag über das Buch

Alan Osborne ist Computergenie und Entwickler einer KI-Software. Auf einer IT-Messe in Paris beendet ein Sabotageakt sein ehrgeiziges Projekt von einer Künstlichen Intelligenz und so auch seine viel versprechende Karriere. Der Wissenschaftler ahnt nichts von dem wahren Albtraum, der ihm bevorsteht. Skrupellose Mörder beschatten ihn auf Schritt und Tritt. Ritualmorde, dämonische Magie und überirdische Kräfte bestimmen plötzlich Osbornes bis dahin biederes Leben. Unaufhaltsam untergraben mysteriöse Bedrohungen die vermeintliche Sicherheit einer scheinbar rationalen Welt. Nicht ganz freiwillig begibt er sich auf einen Kreuzzug gegen eine Sippe ebenso geheimnisvoller wie verführerischer Hexen, in deren Hände das mächtige Buch des Abyssus gelangt ist. Ehe diese ihren furchtbaren Fehler erkennen, befreit ihr Ritual den höllengleichen Abyssus aus seiner Verbannung. Der Abgrund öffnet sich unter dem Zentrum von Paris und löscht jede Form von Materie aus. Die Schöpfung endet so, wie sie vor Äonen begonnen hatte: mit der apokalyptischen Verschmelzung von Diesseits und Jenseits, von Materie und Antimaterie. Doch Alan Osborne ist noch im Spiel…

Über den Autor

Der Autor Peter Mennigen, Jahrgang 1952, studierte Kunst und Design. Danach widmete er sich der Schriftstellerei. Zunächst schrieb er deutsche und internationale Comics, dann zunehmend Bücher. Neben erfolgreichen Romanen, Jugendbüchern und Hörspielen verfasste er viele Skripte für Fernsehshows und TV-Serien.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

I. KAPITEL
Sterben Sie wohl, Monsieur Osborne

21 Uhr 13 – JFK Airport, New York
Mit provozierender Behäbigkeit kroch eine Kakerlake von der Größe einer Vogelspinne unter der Toilettentür hindurch. Langsam, vorsichtig, pirschte sie an dem Türsockel vorbei und spähte um die Ecke. Ihre Fühler, zwei organische Fäden, die frei schwebend auf der Stirn eines erbsengroßen Kopfes befestigt waren, beschrieben kreisförmige Schwingungen, als wären sie keinerlei Luftwiderstand oder Schwerkraft ausgesetzt. Polypenhafte, sich unentwegt windende und drehende, mit tausenden Sinneszellen ausgestattete Antennen, zur Orientierung und Kommunikation bestimmte Kontaktorgane. Im Vergleich zum Körper erschien ihr kahler, missgestalteter Kopf unproportional winzig. Den halben Nacken bedeckte ein von einer glänzenden Schleimschicht überzogener Halsschild. Die Augen des Insekts glichen winzigen Höhlen; wie in verfaultes Gummi getriebene Löcher, in die jemand zum Scherz zwei Stecknadeln mit vorquellenden Köpfen gestochen hatte. Kleine Wülste und Kerben säumten die Flanken des mattbraunen, glitschigen Chitinpanzers. Er reflektierte das schwach schimmernde Licht grünlich fluoreszierender Leuchtstoffröhren von der Decke und warf hüpfende Schattenstrukturen auf urinbesprenkelte Fliesen. Die schorfige Bauchunterseite, die ein ranziges Sekret verströmte, raschelte scharf über den Steinboden wie grobkörniges Schmirgelpapier auf einer Schiefertafel.

Beim Anblick des unerwarteten Besuchers legte Alan Osbornes Herz automatisch einen höheren Gang ein. Versteinert hockte der Computerexperte auf der Toilettenschüssel und richtete seinen Blick auf das Insekt, als wäre es der einzige Fixpunkt im Universum, als hätte er nie etwas so Schreckliches gesehen. Er blinzelte, als könne er damit die Schabe auflösen. Aber ihre Realität ließ sich nicht bestreiten.
Aufreizend träge nahmen die fünfgliedrigen, an den Gelenkkapseln blitzartig gezackten und dornenbestückten Fadenbeinchen Kurs auf die blank polierten Guccis. Hier bahnte sich eine Auseinandersetzung zwischen einem arglosen Anzugträger mit Aktentasche und einem penetranten Insekt an.
Seit gut einer halben Stunde okkupierte der Amerikaner die Kabine der Flughafentoilette und mühte sich mit einer Mahlzeit, die sich seit letztem Abend ihren Weg durch seinen Verdauungstrakt wühlte. In gewisser Weise war er selbst schuld daran, dass sein Magen rebellierte. Vielleicht hatte er doch nicht gut daran getan, gestern einen Schnellimbiss namens „Joe’s Diner“ aufzusuchen. Die kulinarischen Delikatessen - er hatte einen opulenten Eiersalat auf Toast genommen - erschienen ihm schon vor dem Verzehr von eher zweifelhafter Qualität. Möglicherweise war aber auch nur die Nervosität wegen des bevorstehenden Flugs nach Paris Ursache seines momentanen Unwohlseins.

Wer den Mann so zusammengekrümmt auf dem nach beißendem Ammoniak riechenden Klosett kauern sah, hätte kaum erraten, dass er einer der großen Pioniere auf dem Gebiet der KI-Forschung war. Alan Osborne hatte als Erster Bewusstsein – künstliche Intelligenz – nachgebaut, das Computern eigenes, verantwortliches Handeln ermöglichte. Er hatte einen außergewöhnlichen Rechner entworfen, der biologische Systeme realistisch simulierte und Mikrotechnologie mit synthetischer Sinneswahrnehmung kombinierte. Sehen, Hören, Geschmacks- und Geruchssimulation, Tastsinn, Gefühl für Gewicht, Raum und Zeit. Technisierte Natur unter Ausschaltung des Faktors „menschliches Versagen“. Dieser Rechner ermöglichte Einsichten in neue Vorstellungen, die zu komplex für das menschliche Gehirn waren. Beobachten, denken, entscheiden, dann handeln. Perfektion durch genaueste Analyse möglichst vieler Daten. Geschaffen zur Lösung der großen Probleme der Menschheit.
Bei seinem momentanen Schaben-Problem konnte ihm allerdings kein Computer helfen. Höchstens als Wurfgeschoss.

Noch immer gelähmt von der unerwarteten Schreckenserfahrung durch die Begegnung mit dem Ungeziefer, stemmte sich der Wissenschaftler gegen die paralysierende Trägheit. Er versuchte, den Blick von der Schabe zu lösen, indem seine Augen der Ellipse, die sie quer über die Kachelquadrate des Bodens beschrieb, vorauseilten.
Angewidert und eher aus einem Impuls als aus einer bewussten Entscheidung heraus, zog er seine Füße erst langsam Stückchen für Stückchen Richtung Porzellanfuß der Toilette zurück, um sie dann in einer ruckartigen Bewegung vollends heranzuziehen, bis eine Ferse heftig gegen den Keramiksockel stieß. Der Schmerz machte ihn wütend. Im ersten Affekt suchte er nach etwas, womit er dem Insekt einen tödlichen Schlag versetzen konnte. Die Kakerlake schien zu ahnen, was auf sie zukam. Die beiden fühlerähnlichen Extremitäten an ihrem Hinterleib, die Cerci, registrierten im Verbund mit den Kopffühlern und den Subgenualorganen, den Schienen an den Beinen, variierende Schallwellen, Erschütterungen und Veränderungen des Luftdrucks. Diese Informationen leiteten sie an das innere Warnsystem weiter. Abrupt blieb die Kakerlake stehen und richtete ihre vorderen Zehn-Zentimeter-Fühler auf.
So schnell wie die Mordgedanken gekommen waren, verwarf Osborne sie wieder. Es widerstrebte ihm grundsätzlich, ein Tier zu töten. Da bildeten auch Unterklassen wie Insekten keine Ausnahme. So widerlich die Kakerlake auch aussah, er sträubte sich dagegen, sie einfach tot zu klatschen; zumal diese Spezies keine Unbekannte für einen echten New Yorker war.

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