Auf Seite 900 befiel mich langsam die Panik: Sollten all die vielen Abende umsonst gewesen sein? Würde der Autor es wagen, die vielen Fäden der Geschichte ohne Auflösung zu lassen? Und wie sollte Martin Kluger das auf den letzten 100 Seiten noch schaffen? Der Roman "Abwesende Tiere" lässt seine Leser mit einem Zoo von angefangenen Geschichten und Geheimnissen allein. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es Absicht und Methode ist, und das nehme ich dem Buch übel. Die liebende Fotografin Jali Klick ist die einzige Figur, die lebendig wirkt. Alle anderen Personen bleiben schemenhaft: Ereignisse, die wichtig für das Verständnis sein könnten, werden angedeutet, aber letztlich nicht verraten. Es bleibt unklar, was für den Fortgang der Geschichte wichtig ist, und was nur der Fabulierkunst (dem Drang?) des Autors entspribgt. In einer Kurzgeschichte könnte ich damit leben, nicht in einem 1000seitigen Roman, der einen wesentlichen Teil meiner knappen Lesezeit verschlungen hat. Immerhin: Die Geschichte des Tierpflegers mit der Fotografin ist anrührend geschrieben.