Absolutely Fabolous (AF) ist eine Comedy-Serie der BBC, deren Staffeln und Specials seit 1992 in unregelmäßigen Abständen zwischen 1992 und 2004 gesendet wurden. 2012 wurde sie mit ein paar Specials wieder aufgenommen, die aber in dieser Box nicht enthalten sind. Autorin ist Jennifer Saunders.
Die Box enthält im einzelnen (Episoden sind immer 30 Minuten lang, Specials unterschiedlich bis zu ca. 1h):
- DVD 1: Series one (1992) mit sechs Episoden
- DVD 2: Series two (1994) mit sechs Episoden
- DVD 3: Series drei (1996) mit sechs Episoden
- DVD 4: Series four (2001) mit sechs Episoden
- DVD 5: die Pilotfolge zu einer neuen Serie "Mirror Ball" (2000), die mit den gleichen Schauspielern, aber anderen Charakteren und anderen Setting (im Schauspielermileu) AF ablösen sollte, aber dann eher zu seiner Forführung inspiriert hat und nie realisiert wurde.
- DVD 6-7: Series five(2003) mit acht Episoden (die letzte davon ein Christmas Special)
- DVD 8: Special "Gay" (2003)
- DVD 9: Specials "The Last Shout" (1996) und "White Box" (2004)
- DVD 10: Blick hinter die Kulissen und ein Rückblick der Figur der Edina auf ihr Leben; auch die vorherigen DVDs enthalten schon immer kurze Extras in Form von Outtakes, Interviews mit Akteuren oder kommentierten Episoden
Es werden Laugh Tracks verwendet. Sprache ist Englisch mit je nach Figur z.T. deutlichem Slang, unklarer Artikulation und punktuell recht ungewöhnlichem Vokabular und langen Sätzen. UT in Englisch.
Im Mittelpunkt der Serie steht Edina / Eddie, eine Mitvierzigerin in London, übergewichtig, flippig, mit bewegter Vergangenheit in den Sech/Siebzieger und aufwendigem Lebensstil, wobei nicht so ganz klar wird, ob ihr Wohlstand aus ihrer durchwachsenen laufenden PR-Agentur - um die sie sich nur wenig wirklich kümmert - stammt oder von einem ihrer beiden geschiedenen Ex-Männer. Sie lebt mit Tochter Saffron, zu Beginn der Serie in der High School, einer zurückhaltenden Erscheinung, lernorientiert und mit eher stringenter Lebenswiese. Ihre ständige Begleiterin ist Patsy (Alter unklar, aber seit Jugend mit Eddie befreundet), die irgendwie für ein Modemagazin arbeitet, aber auch von Eddies Geld mit lebt und seit 1973 nicht mehr gegessen hat und sich nur noch von Zigaretten, Alkohol und Drogen ernährt. Im Gegensatz zu der in dieser Beziehung eher zurückhaltenden Eddie hat sie ein ausgesprägtes Sexleben, von dem sie aber nur erzählt. Als weiteres ständige Personal gibt es Eddies Mutter (phänotypisch klassische, englische Mutter, aber mit viel Sarkasmus) und die dumm-schrille Sekretärin Bubble; immer wiederkehrend auch mal Eddies Ex-Männer (einer schwul, einer jetzt mit einer durchgeknallten Amerikanerin zusammen).
In den Episoden stehen klar je in sich abgeschlossene Plots im Vordergrund. Durchlaufende Erzähllinien sind vorhanden, treten aber deutlich im Hintergrund. Neben den kleinen Plots wie Diätversuchen von Eddie, einem Schulprojekt von Saffran, dem Besuch alter Freunde oder einem Trip nach Marakesch liegt immer viel Augenmerk auf der plot-unabhängigen Zelebrierung der schrillen Edina und Patsy. Diese sind Klischees reicher, durchgeknallter, elitärer, versnobter, chauvinistischer, modevernarrter Großstadt-Tussen im mittleren Lebensaltern. Sie sind schrill, laut, exaltiert, überheblich, verletzend und tragen gar gräuliche Frisuren und Kleidung (speziell Eddie trägt gelegentlich Karikaturen von 60/70er-Jahre-Mode, die eher an einen Wandbehang erinnert). Den steten Kontrast dazu bieldet die dröge und moralische Saffron, die nicht müde wird, ihre Mutter Edina und Patsy heftig zu kritisieren, was bei Eddi gelegentlich leichte Selbstzweifel hervorruft, bei Patsy nur kontinuierlichen, verbal oft sehr bös formulierten Hass.
In diese Darstellungen eingewoben sind immer wieder ironische Charakterisierungen von zeitgeschichtlichen Strömungen. Man macht sich z.B. über die besondere Sprachwelt von 'New Labour' zur Zeit des Tony Blair lustig, über den 'Sex and the City'-Hype oder Babys adoptierende Promis. Speziell diese quasi kommentierende Begleitung britischen Zeitgeschehens über viele Jahr hat der Serie in England wohl einen gewissen Kultcharakter verlieren.
Mich lässt sie etwas schwankend zurück. Auf der positiven Seite stehen ganz stark gemachte Dialoge, voller beissender, intelligenter, präziser und hintersinniger Ironie und Sarkasmus. Das ist z.T. eine ganz brilliante Demaskierung gesellschaftlichen Wahnsinns und menschlicher Dummheit, wie sie einem täglich in Medien, aber auch im Alltag begegnet. Die Geschichten sind symbolische Grotesken, die stark konstruiert sind und nicht simpel, sondern für 30 Minuten erstaunlich erzählerisch verschachtelt den zynisch kommentierten realen Irrsinn widerspiegeln.
Auf der negativen Seite stehen für mich zwei Schwachpunkte:
* Zum einen wird mir die Serie doch oft zu schrill. Es wird zu oft durcheinander und laut geschrien, dass die Grenze von der witzigen Groteske zur Genervtheit immer mal wieder überschritten wird. Auch die Figurenzeichnungen gehen vom der grotesken Überzeichnung immer mal wieder in die Albernheit über. Das trifft nicht immer, aber zu oft auf Edina und Patsy zu, durchgehend für mich auf die Sekretärin Bubble, deren Charakter sich v.a. durch Reden in vielgestaltigen, ungewöhnlichen Stimmen erschöpft (fast wie eine Parallele zu den "Silly Walks" bei Monty Python) und deren Konzeption mir nie ganz klar geworden ist. Die ein oder andere Witzfigur (wie z.B. Hasstiraden von Patsy gegen Saffran) werden zu oft wiederholt, was aber vermutlich beim heutigen DVD-Gucken einfach mehr auffällt als in der Orginalausstrahlung über Jahre hinweg. Überhaupt bekommen viele Szenen etwas Klamukhaftes, wirken als ob sich die Crew vor Ort ein einen Irrsinn hineingespielt hat, der sich für sie witzig anfühlte, aber für den Zuschauer - zumindest für ich - nicht mehr ganz greifbar ist.
* Schauspielerisch ist gerade Jennifer Saunders nicht ganz überzeugend. Ihr fehlt die Präzision und Kontrolle in Körperspannung, Gestik und Mimik, auch in der Artikulation. Die Bewegungen und Äußerungen der absichlich als extrem hibbelig angelgt Eddie wirken so oft nicht komisch-hibbelig, sondern einfach fahrig und darstellerisch nicht ganz überzeugend. Joanna Lumley als Patsy und Julia Sawalha als Saffron machen das besser und zeigen, wie man einen linkischen bzw. grotesken Charakter trotzdem präzis aussehen lassen kann.
Fazit: Vergleiche sind immer eine gewagte Sache, aber in Präzision und Geist hat mich die Serie oft an die Genialität von Loriot erinnert (wenn auch im Ausdruck noch schriller), der sich aber mit einem Anarcho-Humor der seligen Klimbim-Reihe paart. Das ist eine sehr individuelle Mischung, die in Teilen überzeugen und begeistern kann, aber auch mal krude und unbalanciert daherkommt. Für den ein oder anderen Moment der Langeweile oder Genervtsein wird man mit genialen Momenten oder sehr starken Gags belohnt. Auf jeden Fall aber muss man Humor der grotesken und schrillen Art nehmen können; sonst ist man ganz verloren.