Verwendete Kürzel:
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AH: Anlage Horizont,
E/A: Einstieg / Ausstieg,
M/L: Mittel-/Langfristig(er),
RB: Rahmen Bedingungen,
SS: Slow Stochastik,
TE: Trend Erkennung,
TS: Trendfolge Strategie(n),
TI: Technische Indikatoren,
VT: Vergangenheits Test.
Dieses schmale Büchlein ist die beste Lektüre, die mir bisher zum Thema „Trading für Privatinvestoren“ in die Hände gekommen ist; ein wesentlich geschickterer Einstieg denn z.B. ein reines Indikatoren Lexikon. Es stellt verschiedene TS mit M/L AH auf Wochenschlusskurs Basis vor, die exemplarisch zum eigenen Experimentieren und Erstellen von TS Systemen ermutigen sollen. Die Prinzipien dabei sind: Schlankheit (wenige Indikatoren), Flexibilität (keine Überoptimierungen) und Übersichtlichkeit in der Darstellung. Kompakte Kurse in System Erstellung, Produktauswahl, Risiko- und Money Management sind dabei (übers Buch verteilt) inbegriffen. Zu guter Letzt bleibt heutzutage auch dem durchschnittlichen Privatinvestor freie Chart Software mit TI nicht wirklich vorenthalten (Web Beispiele: comdirect, godmode-trader, tradesignal).
Die offensichtlichste Lehre beim zweiten Blick auf das Büchlein besteht wohl darin, dass nicht der einzelne Indikator oder auch nur das einzelne TS System den „Stein der Weisen“ darstellt, sondern das nach Möglichkeit Meiden / Mindern der so sehr Performance schädigenden Abwärtsphasen der zentrale Wirkmechanismus ist. Dabei kann man es ruhig bei Einfachheit belassen: so sind beispielsweise schon gleitende Durchschnitte (und ihre Derivate: Envelopes) als Indikatoren völlig ausreichend. Nicht nur, dass die EasyVelop Strategie die zweitbeste Performance aufweist, sie ist auch von verblüffend geringer Komplexität und zusammen mit der 2-GD Strategie auch Umkehr-System geeignet!
Der durchschnittliche Investor beginnt am besten beim letzten Kapitel („Pauschalstrategien“), da dieses noch die größte Nähe zum Passiven Investieren aufweist, und auch Kapitalaufstockung mit berücksichtigt. Möchte man sodann einen anderen „Motor“ als eine GD-Strategie verwenden, empfehlen sich z.B. die „Trendhoch“ oder die „Multi-Indikator Strategie“ als Einstieg. Wirklich notwendig ist das allerdings schon nicht mehr. Bzgl. Produktauswahl mag man sich an globalen Index ETFs orientieren. Zu den enthusiastischen Performance Zahlen (ohne Kosten) sei noch angemerkt, dass es sich hierbei um VTs handelt, was allerdings für die Zukunft hoffen lässt.
Im Kontext interessante und unübertroffen einfache Strategien stellen auch die „Core Portfolios“ aus Jason Kelly's „The Neatest Little Guide to Stock Market Investing“ dar (Value Averaging mittels eines breiten Small Cap ETFs, und Maximum Midcap mit Hebel und „Multi-Indikator“ Strategie). Abschließend sei noch erwähnt, dass sich die Konzepte des Büchleins wohl auch zur Sektoren Analyse eignen. Ich selbst behalte nach der Lektüre jedenfalls einmal die „Pauschalstrategien“ im Hinterkopf, wer weiß ob man wieder einmal systematisch in die Märkte einsteigt.
FAZIT: 5 Sterne.
PLUSPUNKTE:
[+] Sehr hoher Nutzwert: einfachste Lesbarkeit, top strukturiert und pointiert!
[+] Viel eingebettetes Wissen: Indikatoren, System Erstellung, Produktauswahl, Risiko- und Money Management.
MINUSPUNKTE:
[-] Das Material des Kapitels „Pauschalstrategien“ samt nachfolgender Seiten (S. 123, Schlussbetrachtung) hätte ich zu Überblicks Zwecken an den Anfang des Buches gestellt, um später immer wieder darauf Bezug zu nehmen.
[-] Ob es denn tatsächlich 8 im Detail ausgearbeitete Strategien braucht, sei mal dahingestellt; mich hätte auch ein noch geringerer Buchumfang nicht gestört. Bzgl. Inhaltskomprimierung siehe unten.
Ich verbleibe noch mit einer reichlich komprimierten Inhaltswiedergabe, die dem Fortgeschrittenen bzw. dem Buchbesitzer auch als Lektüre Ersatz dienen mag:
[Vorwort] Wochenend TS mithilfe TI.
[Das Spiel an der Börse] Boomjahre. Platzende Blasen. Trendphasen des DAX 1995 – 2011.
[Entstehung eines Trends] Preisbildung. Auf-, Seit-, und Abwärts-Trends (Definition). Einstieg.
[Entwicklung einer Strategie]
Automatisierte Handels Systeme. Wochen Charts. TI Kombinationen. E/A. Gleitende Durchschnitte (SMA, EMA). Aroon up/down. Strategie Entwicklung.
[Die Trendhoch Strategie]
RB: M/L AH, separate TE, E/A: neues Trendhoch / mittelfristiger Trendbruch.
TI: MACD (10,15,1), Aroon (12), EMA (3), SMA (30), SS (30/2).
Produkt Auswahl (3-5): Fonds, ETFs, ETCs, Zertifikate, Bund Future, etc. Long, Short, Hebel.
E: MACD > 0 & 2. Bestätigung nach Aroon up = 100. A: Kurs, EMA < SMA. SS < 50.
Risiko Management: 1,5% des Gesamtkapitals pro Position = Kurs – SMA.
Money Management: Einzelpositionsrisiko. Depotrisiko. Gesamtrisiko (3,5% Regel).
Gestaltungs-Freiheit und Disziplin: ersteres bei Strategieentwicklung, letzteres bei Umsetzung.
Seitwärts Trend: Einstieg und 3,5 % Gesamtrisiko-Regel helfen bei dessen Management.
VT: Performance Vergleich 2002 – 2011 zwischen Indizes und Strategie (ohne Kosten).
DAX: 10%, SDAX: 81 %. Trendhoch DAX: 151 %, Trendhoch SDAX: 332 %.
Es folgen weitere Strategien, bei denen nur mehr die RB und die TI samt E/A Regel und VT angegeben werden. Alles andere (z.B. die Beachtung des Gesamtrisikos beim Einstieg) bleibt wie bei der Trendhoch Strategie.
[Die Multi-Indikator Strategie]
RB: M/L AH, 4 TI kombiniert, E/A nach Mehrheits-Signalen.
TI: Aroon (8), MACD (5/25/1), SS (30/2), Envelopes (25/2,0%).
E/A: 3 der 4 Indikatoren signalisieren Auf-/Abwärtstrend.
VT: Multi-Indikator DAX: 156 %, Multi-Indikator SDAX: 345 %.
[Die Trendwechsel Strategie]
RB: M/L AH, separate TE (samt Intensität).
TI: Aroon-Oszillator (18), Envelopes (30/2,5%).
E/(A): Kurs > (<) Envelopes, Aroon-Oszillator > (<) 50.
VT: Trendwechsel DAX: 113 %, Trendwechsel SDAX: 255 %.
[Die Indikator-Mix Strategie]
RB: M/L AH, separate TE, 3 TI kombiniert, E/A bei gleichen Signalen.
TI: Aroon (15), SS (25/2), EMA (5), SMA (20), MACD (10/20/1).
TE: MACD. E: Aroon ↑, SS >= 50, Kurs, EMA >= SMA. A: E invertiert.
VT: Indikator-Mix DAX: 128 %, Indikator-Mix SDAX: 328 %.
[Die Kurs-Ausbruch Strategie]
RB: M/L AH, E: neues Trendhoch innerhalb längerfristigen Zeitraums.
TI: Aroon (15), EMA (3), SMA (35).
(E)/A: Kurs, EMA < (>) SMA. (Aroon up = 100).
VT: Kurs-Ausbruch DAX: 143 %, Kurs-Ausbruch SDAX: 327 %.
[Die EasyVelope Strategie]
RB: M/L AH, Envelopes als Hauptindikator.
TI: EMA (3), Envelopes (25/2,5 %).
E/(A): Kurs, EMA > (<) Envelope.
VT: EasyVelope DAX: 162 %, EasyVelope DAX: 330 %.
[Die 3-GD-Strategie]
RB: M/L AH, 3 Gleitende Durchschnitte, integrierte TE.
TI: EMA (3), SMA (8), SMA (35).
E: Kurs > EMA > SMA (8) > SMA (35). A: Kurs, EMA < SMA (35).
VT: 3-GD DAX: 133 %, 3-GD SDAX: 290 %.
[Die 2-GD-Strategie]
RB: M/L AH, 2 Gleitende Durchschnitte, integrierte Trenderkennung.
TI: EMA (10), SMA (30). E: long/(short): EMA > (<) SM.
[Pauschal Strategien] z.B. mit wöchendlicher Kapitalaufstockung (KA): 50€.
RB: lediglich E/A, kein Risiko- und Money Management, keine diversifizierte Produktauswahl.
60er-Long-only: E/A gemäss TS. 60% Investitionsquote, Rest Tagesgeld. KA!
70er/20er-Umkehr: E: EasyVelope (2-GD) Strategie. 70 % long, 20 % short (abwechselnd)! KA!
Investitionsquoten nach eigenen Vorstellungen (Risikoprofil) variierbar!
[Übersicht aller vorgestellten TS] Seite 123.
[Schlussbetrachtung] Zusammenfassung des Buches und der vorgestellten TS.