Ted Mundy, in den Wirren der indisch-pakistanischen Teilung auf pakistanischem Gebiet geborener Sohn eines englischen Offiziers lernt im Berlin der SDS-, APO- und Kommunardenzeit Sascha, Sohn eines Ex-Nazis, Ex-SED-Funktionärs, Pfarrers und CDU-Mannes kennen. Was liegt näher, als dass junge Leute von solcher Art zwielichtiger Herkunft empfänglich für die damaligen "revolutionären" und "anarchistischen" Ideen sind und im "politischen Kampf gegen das Establishment" kräftig mitmischen? Dies führt schließlich dazu, dass Mundy als persona non grata zurück nach Großbritannien geschickt wird.
Der Beschreibung dieser Zeit widmet le Carré mehr als 200 Seiten. Im Gegensatz zu manch einem Feuilletonisten bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass dies zu umfangreich wäre. Zum einen vermag le Carré die damalige Zeit mit ironischem Unterton unterhaltsam lebendig werden zu lassen, zum anderen ist dieses Buch zwar politischer Roman - le Carré ist, nachdem Ambler, Thomas, Greene und Freemantle nicht mehr schreiben, der letzte Vertreter dieses Genres - aber eben auch, der Titel bringts zum Ausdruck, die Geschichte einer Freundschaft. Und für das Verständnis der Beziehung zwischen den beiden - Sascha ist der naive Weltverbesserer, Mundy folgt aus Loyalität - ist das Kapitel über die Berliner Zeit auch in diesem Umfang unabdingbar.
Nach der Rückkehr nach Großbritannien, welches ihm nicht wirklich Heimat ist, versucht Mundy ein bürgerliches Leben zu führen. Sascha geht in die DDR, nur um zu erkennen, dass die dortige Realität mit seinen Visionen nichts zu tun hat. Mundys Tätigkeit für den British Council führt zu einer erneuten Begegnung. Mit dem Resultat, dass Sascha zum westlichen Maulwurf wird und Mundy - mehr aus Freundschaft denn fürs Vaterland - als Doppelagent fungiert. Das geht so bis zur Wende.
Mundy scheitert erst privat, dann beruflich, arbeitet schließlich als Fremdenführer in Bayern und lebt mit einer muslimischen Türkin recht glücklich zusammen, Sascha reist durch die Welt auf der Suche nach Ideen, die diese besser machen könnten. Logisch dass beide - jetzt kommt die Tagespolitik ins Spiel - den Irakkrieg der "Koalition der Willigen" zutiefst verabscheuen.
Diese Lebensläufe kennt ein ehemaliger CIA-Agent, der nunmehr den amerikanischen Neokonservativen dient und für diese die Drecksarbeit verrichtet. In einer menschenverachtenden Inszenierung stellt er Mundy und Sascha eine Falle, die ihnen das Leben kostet und sie posthum durch geschickte Medienmanipulation zu Superterroristen mutieren lässt.
Wen vermag es zu wundern dass dieses zornig erzählte Ende in Amerika und Großbritannien nicht auf besondere Gegenliebe gestoßen ist? Kaum überrascht auch, dass die deutsche Berufskritik dem Autor vorwirft, er habe eher ein politisches Pamphlet verfasst denn einen Spannungsroman.
Aber dem ist entgegenzuhalten, dass es sich um einen fiktionalen Roman handelt. Als solcher schuldet er seinem Genre Plausibilität. Nicht mehr. Und dass eine derartige Wendung des Plots jedenfalls nichts märchenhaftes an sich hat, dafür ist allein die Realpolitik verantwortlich. Undenkbares ist aufgrund realer Gegebenheiten denkbar geworden. Dass dies so ist, macht le Carré, der in seinen im kalten Krieg geschriebenen Büchern bei aller skeptischen Hinterfragung stets keinen Zweifel an der moralischen Überlegenheit des Westens gelassen hat, sichtlich wütend. Insofern ist er in seiner nunmehr zutiefst enttäuschten und zynischen Grundhaltung da angekommen, wo Ambler schon immer war. Der hat nämlich niemals an irgendeine Moral in der Politik glauben wollen.
Indes: Wegen des tagespolitischen Bezuges könnte dem Roman, wenn die Erinnerung nachlässt, das Schicksal einer Sternschnuppe drohen, die nach kurzem Leben verglüht.
Zur Zeit allerdings macht man ob der erzählerischen Kraft noch allerhellstes Strahlen am Bücherfirmament aus.