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Ted Mundy, kauziger englischer Fremdenführer des bayerischen Schlosses Linderhof, fühlt sich mitten in seiner Performance jäh von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Unter den Zuhörern erkennt er seinen alten Freund Sascha, den er seit fast zehn Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Mundy, als Sohn eines britischen Majors in Indien aufgewachsen, war dem begnadeten linken Agitator Sascha als Germanistikstudent während der Studentenunruhen Ende der 1960er-Jahre in Berlin erstmals über den Weg gelaufen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte sich zwischen den beiden jungen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Ihr Verhältnis wird schicksalhaft, als der gescheiterte Lehrer, Schriftsteller und Journalist Mundy seinem Freund als Angestellter des British Council in der DDR erneut begegnet. Sascha, desillusioniert vom realen Sozialismus und seines menschenverachtenden Dogmatismus, überredet den Freund zum Schmuggel wichtiger Dokumente in den Westen. Dort wird Mundy vom britischen Geheimdienst zur Mitarbeit als Doppelspion angeworben, einer Profession, die zu seiner eigentlichen Bestimmung wird. Was mag Sascha nach Jahren der Trennung nun zur erneuten Kontaktaufnahme bewogen haben? Welche einschneidenden Konsequenzen für beider Leben wird ihr Wiedersehen diesmal haben?
Der unbestrittene zeitgenössische Meister des politischen Thrillers demonstriert noch einmal eindrucksvoll seinen schneidenden Zynismus, seine glänzende Dramaturgie, seine schier unbegrenzten Fähigkeiten im Spiel mit dem Leser in diesem Roman zweier Betrogener, die ihre Bestimmung in der Doppelexistenz finden und nur im Umgang miteinander kurz zu sich selbst kommen können. Noch einmal ruft le Carré seine Themen in Erinnerung, den Kalten Krieg, die abgefeimten Methoden der Anwerber, der Agent als betrogener Betrüger und Schmierenkomödiant, die verzweifelte Suche nach moralischer Rechtfertigung des eigenen Tuns. Mit diesem Opus magnum hat sich John le Carré selbst bereits zu Lebzeiten ein grandioses Denkmal gesetzt! --Ulrich Deurer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
John le Carré so gut wie nie,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Absolute Freunde: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin ein großer Fan von John le Carrés Büchern, seine früheren Werke gefallen mir ebenso wie seine neueren Bücher. Sein letztes Buch, "The Constant Gardener", hat mir ausgesprochen gut gefallen, sein neuestes Buch verspricht aber bereits nach einem Drittel der Lektüre noch besser zu sein. Und wenn man "Absolute Friends" dann zu Ende gelesen hat, bestätigt sich dieser Eindruck, es ist sein bisher absolut bestes Buch!Sehr beeindruckend ist, wie er die Handlung seines Buches über verschiedenste Kulturkreise gleiten läßt, von Indien und Pakistan über England und Deutschland bis hin nach Amerika. Und er schafft es ebenso gekonnt, den Bogen von den Zeiten des Kalten Krieges in die aktuellste Gegenwart zu spannen. Die Leser von "Absolute Friends" erwartet eine spannende Geschichte, die viele Ansätze zum Nachdenken liefert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
John le Carre: Absolute Freunde,
Von
Rezension bezieht sich auf: Absolute Freunde: Roman (Gebundene Ausgabe)
John le Carre: Absolute FreundeJohn le Carre, der elegante, feingeistige Thrillerautor aus Großbritannien ist zurück. In seiner unnachahmlichen Art legt er uns seinen neuen Roman „Absolute Freunde" vor. Im Vordergrund steht eine spannende Geschichte aus der Zeit des kalten Krieges, also ein klassisches Thema des Bestsellerautors, dem wir Meisterwerke wie „Der Spion , der aus der Kälte kam" oder „Die Libelle" verdanken. Doch im Hintergrund ist ein Zorn von der Wucht eines Vulkans zu spüren. Immer wieder blitzt diese Wut über herrschende Verhältnisse, Gier und vor allem über die Selbstherrlichkeit der Amerikaner - insbesondere die des amtierenden Präsidenten George W. Bush - in den Zeilen des Romans durch. Doch le Carre wäre nicht der Meister der er ist, wenn es ihm nicht gelungen wäre seine scharfe Kritik in eine elegante Prosa zu kleiden, die in der heutigen Zeit ihresgleichen sucht. Vor allem unter den Autoren von Spannungsromanen dürfte dieser Stil, diese Eleganz unerreicht bleiben. Dem Autor geht es nicht - wie vielen seiner Kollegen - um durchsichtige Effekthascherei oder Seitenlange Beschreibungen von Waffensystemen, das hat le Carre nicht nötig, hat es nie gehabt. Bei ihm stehen die Charaktere und ihre Entwicklung, ihre Schwächen, ihr Fühlen, Denken und Handeln im Vordergrund. Genau dieser Aspekt wird von den meisten Spannungsautoren zu Gunsten der nackten Action vernachlässigt. Gerade deshalb ist jeder le Carre ein Genuss, ist der Autor ein Garant für spannende Unterhaltung mit Niveau und Anspruch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Freundschaft, Moral und Politik,
Von
Rezension bezieht sich auf: Absolute Freunde. Roman (Taschenbuch)
Ted Mundy, in den Wirren der indisch-pakistanischen Teilung auf pakistanischem Gebiet geborener Sohn eines englischen Offiziers lernt im Berlin der SDS-, APO- und Kommunardenzeit Sascha, Sohn eines Ex-Nazis, Ex-SED-Funktionärs, Pfarrers und CDU-Mannes kennen. Was liegt näher, als dass junge Leute von solcher Art zwielichtiger Herkunft empfänglich für die damaligen "revolutionären" und "anarchistischen" Ideen sind und im "politischen Kampf gegen das Establishment" kräftig mitmischen? Dies führt schließlich dazu, dass Mundy als persona non grata zurück nach Großbritannien geschickt wird. Der Beschreibung dieser Zeit widmet le Carré mehr als 200 Seiten. Im Gegensatz zu manch einem Feuilletonisten bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass dies zu umfangreich wäre. Zum einen vermag le Carré die damalige Zeit mit ironischem Unterton unterhaltsam lebendig werden zu lassen, zum anderen ist dieses Buch zwar politischer Roman - le Carré ist, nachdem Ambler, Thomas, Greene und Freemantle nicht mehr schreiben, der letzte Vertreter dieses Genres - aber eben auch, der Titel bringts zum Ausdruck, die Geschichte einer Freundschaft. Und für das Verständnis der Beziehung zwischen den beiden - Sascha ist der naive Weltverbesserer, Mundy folgt aus Loyalität - ist das Kapitel über die Berliner Zeit auch in diesem Umfang unabdingbar. Nach der Rückkehr nach Großbritannien, welches ihm nicht wirklich Heimat ist, versucht Mundy ein bürgerliches Leben zu führen. Sascha geht in die DDR, nur um zu erkennen, dass die dortige Realität mit seinen Visionen nichts zu tun hat. Mundys Tätigkeit für den British Council führt zu einer erneuten Begegnung. Mit dem Resultat, dass Sascha zum westlichen Maulwurf wird und Mundy - mehr aus Freundschaft denn fürs Vaterland - als Doppelagent fungiert. Das geht so bis zur Wende. Mundy scheitert erst privat, dann beruflich, arbeitet schließlich als Fremdenführer in Bayern und lebt mit einer muslimischen Türkin recht glücklich zusammen, Sascha reist durch die Welt auf der Suche nach Ideen, die diese besser machen könnten. Logisch dass beide - jetzt kommt die Tagespolitik ins Spiel - den Irakkrieg der "Koalition der Willigen" zutiefst verabscheuen. Diese Lebensläufe kennt ein ehemaliger CIA-Agent, der nunmehr den amerikanischen Neokonservativen dient und für diese die Drecksarbeit verrichtet. In einer menschenverachtenden Inszenierung stellt er Mundy und Sascha eine Falle, die ihnen das Leben kostet und sie posthum durch geschickte Medienmanipulation zu Superterroristen mutieren lässt. Wen vermag es zu wundern dass dieses zornig erzählte Ende in Amerika und Großbritannien nicht auf besondere Gegenliebe gestoßen ist? Kaum überrascht auch, dass die deutsche Berufskritik dem Autor vorwirft, er habe eher ein politisches Pamphlet verfasst denn einen Spannungsroman. Aber dem ist entgegenzuhalten, dass es sich um einen fiktionalen Roman handelt. Als solcher schuldet er seinem Genre Plausibilität. Nicht mehr. Und dass eine derartige Wendung des Plots jedenfalls nichts märchenhaftes an sich hat, dafür ist allein die Realpolitik verantwortlich. Undenkbares ist aufgrund realer Gegebenheiten denkbar geworden. Dass dies so ist, macht le Carré, der in seinen im kalten Krieg geschriebenen Büchern bei aller skeptischen Hinterfragung stets keinen Zweifel an der moralischen Überlegenheit des Westens gelassen hat, sichtlich wütend. Insofern ist er in seiner nunmehr zutiefst enttäuschten und zynischen Grundhaltung da angekommen, wo Ambler schon immer war. Der hat nämlich niemals an irgendeine Moral in der Politik glauben wollen. Indes: Wegen des tagespolitischen Bezuges könnte dem Roman, wenn die Erinnerung nachlässt, das Schicksal einer Sternschnuppe drohen, die nach kurzem Leben verglüht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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