Ich war wirklich skeptisch. "Fin de Siecle" und "Regeneration", die beiden letzten Platten von Divine Comedy, hatten mich unterm Strich eher enttäuscht. "Fin" war einfach viel zu viel Lärm (Riesenorchester, Riesenchor, Operndiva, enorme synthetische Monster) um nichts, waren doch die wenigsten Songs wirklich gut, und "Regeneration" hatte mit den Divine Comedy, die ich zu kennen glaubte, nicht mehr wirklich viel zu tun. War eher eine gewöhnliche Indie-Pop Platte, von Nigel Godrich zwar enorm gut produziert und gemischt, aber gänzlich ohne den Charm von "Promenade" oder "Casanova".
Um es kurz zu machen, ich hatte eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben, daß Mr. Hannon noch einmal eine Platte machen würde, die ich ohne Einschränkung großartig finden würde. Und dann kam "Absent Friends", und diese mutet - rein musikalisch gesehen - an wie das vergessene Album zwischen "Promenade" und "Casanova", kombiniert also all jenes, was Mr. Hannon am besten kann: Die großen Hymnen ("Absent Friends", "Freedom Road"), die dunklen Moritaten ("Wreck Of The Beautiful", "Our Mutual Friend") und die kammermusikalischen, chansonartigen Stücke ("Charmed Life", "The Happy Goth"). Mit "Come Home Billy Bird" gibt es auch noch einen großen Popsong (, der allerdings hierzulande nie den Weg in die Charts finden wird, leider), und alles zusammen ist eine sehr verführerische Mischung, wenn es dazu auch noch von einem der besten Sänger der zeitgenössischen Popmusik gesungen und von einem der begabtesten Arrangeure (Joby Talbot, der seit jeher der Mann für die ausgefuchsten Orchesterparts bei DC ist) arrangiert wird. Neben dem Orchester geben hauptsächlich Cembalo und - eine Neuheit im DC-Kosmos - Banjo den Ton an, was der Platte bei aller Melodramatik einen sehr luftigen Ton verleiht.
Die Texte freilich haben sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Wo Hannon früher noch - sehr unterhaltsam - distanziert und von seiner Person losgelöst Gesellschaft und Kultur reflektierte, wirkt die Lyrik auf "Absent Friends" zum Großteil sehr autobiographisch ("Freedom Road" und "Leaving Today" sind Impressionen seiner ausgiebigen Touren mit Ben Folds und der damit verbundenen Trennung von Frau und Tochter. "Charmed Life" ist das unvermeidliche Lied für sein Kind, das aber auch so unkitschig und unpeinlich daherkommt, daß es eine reine Freude ist.). Natürlich gibt es auch Ausnahmen, in "Absent Friends" z.B. gibt es wieder ein wundervolles Namedropping von Steve McQueen bis Oscar Wilde.
Jeder Comedy-Fan wird diese Platte lieben, daran gibt es für mich keinen Zweifel, kann sie doch mit dem Besten mithalten, was Neil Hannons musikalischer Output zu bieten hat. Der Kauf ist uneingeschränkt zu empfehlen, an einem der wenigen Konzerte im April und Mai anwesend zu sein sowieso. Bisher Album des Jahres.