Wer Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" gelesen hat, dem wird das Beethoven-Zitat in Notenform aufgefallen sein. Im "Abschiedswalzer" stehen keine Noten, und doch hat man bei diesem Roman das Gefühl, dass er nicht nur von einem Schriftsteller, sondern gleichermaßen von einem Komponisten verfasst wurde und der Roman selbst einer einzigen Komposition gleicht. Zuerst erscheint das Motiv Rosas, einer Krankenschwester in einem kleinen böhmischen Badeort. Ihr ist das passiert, was sich die weiblichen Kurgäste wünschen, sie ist schwanger. Dann die erste Variation des Motives, dieselbe Geschichte aus der Sicht des Startrompeters Klima, des Vaters. Der ist verheiratet, seine Frau wird als ein neues Motiv eingeführt, weitere Figuren kommen hinzu. Diese gehen untereinander Verbindungen ein, lösen sich wieder, gehen neue Verbindungen ein; ein unerwartet bunter Vielklang entsteht. Dieser Roman ist oft mit dem "Reigen" Arthur Schnitzlers verglichen worden. Ja, aber während man sich dort eher durchquält und sowieso schon weiß, was als nächstes kommen wird, stockt man hier mitunter und denkt, der kann doch nicht... Doch, Kundera kann. Es spielt mit seinen Figuren; Literatur als Ausleben des sonst Unmöglichen. Nebenbei hält er der sogenannten Moral einen entlarvenden Spiegel vor. Das Ganze im Kundera'schen Plauderton erzählt und trotzdem voller Philosophie, illusionslos und doch mit Augenzwinkern; ein Lesevergügen, großartig! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)