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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterhaft-grotesker Reigen, 13. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Abschiedswalzer. (Taschenbuch)
Wer Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" gelesen hat, dem wird das Beethoven-Zitat in Notenform aufgefallen sein. Im "Abschiedswalzer" stehen keine Noten, und doch hat man bei diesem Roman das Gefühl, dass er nicht nur von einem Schriftsteller, sondern gleichermaßen von einem Komponisten verfasst wurde und der Roman selbst einer einzigen Komposition gleicht. Zuerst erscheint das Motiv Rosas, einer Krankenschwester in einem kleinen böhmischen Badeort. Ihr ist das passiert, was sich die weiblichen Kurgäste wünschen, sie ist schwanger. Dann die erste Variation des Motives, dieselbe Geschichte aus der Sicht des Startrompeters Klima, des Vaters. Der ist verheiratet, seine Frau wird als ein neues Motiv eingeführt, weitere Figuren kommen hinzu. Diese gehen untereinander Verbindungen ein, lösen sich wieder, gehen neue Verbindungen ein; ein unerwartet bunter Vielklang entsteht. Dieser Roman ist oft mit dem "Reigen" Arthur Schnitzlers verglichen worden. Ja, aber während man sich dort eher durchquält und sowieso schon weiß, was als nächstes kommen wird, stockt man hier mitunter und denkt, der kann doch nicht... Doch, Kundera kann. Es spielt mit seinen Figuren; Literatur als Ausleben des sonst Unmöglichen. Nebenbei hält er der sogenannten Moral einen entlarvenden Spiegel vor. Das Ganze im Kundera'schen Plauderton erzählt und trotzdem voller Philosophie, illusionslos und doch mit Augenzwinkern; ein Lesevergügen, großartig! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Alles Walzer, 4. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Abschiedswalzer. (Taschenbuch)
Im Jahre 1982 entstand in Paris jener Roman, der Milan Kundera weltberühmt machen sollte: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". Einer der kolossalsten Bestseller der 1980er Jahre. Seinen internationalen Durchbruch markierte er aber schon 1967 mit seinem ersten Roman „Der Scherz". Mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag im Frühjahr 1968 wurde Kundera zur Persona non grata. Der Versuch einen „Sozialismus mit menschlichen Antlitz" in der Tschechoslowakei zu schaffen, wurde brutal zerschlagen. Mit verheerenden Folgen auch für den Kulturbetrieb. Milan Kunderas Bücher wurden aus Bibliotheken verbannt und nicht mehr verlegt. In dem Roman „Abschiedswalzer" (Valèík na rozlouèenou, 1970/71) rechnete Kundera mit dem zurückgekehrten Stalinismus in Reinform ab. Ohne jede Rücksicht auf Zensur und Politik: Milan Kundera nahm kein Blatt vor den Mund. Das Buch kam in seiner Heimat nicht mehr zur Veröffentlichung. Der Autor emigrierte mit seiner Ehefrau nach Frankreich. „Abschiedswalzer" ist also auch ein zutiefst politisches Buch. Die erst knapp 10 Jahre später von Kundera in die Welt posaunte „unerträgliche Leichtigkeit des Seins" ist dem hier auftretenden Walzer-Personal schon anzumerken. Und natürlich fühlt man sich bei der Lektüre erinnert an die traurige Belegschaft in Thomas Manns „Der Zauberberg". Und so walzen (= sich drehen, schleifen) die naive Rosa, der berühmte Trompeter Klima, dessen eifersüchtige Ehefrau Kamila, der abgeklärte Dr. Skreta, der beiläufig mordende Jakub, der scheinfromme Bertlev, der eigenbrötlerische Franta und die junge Olga im mühevoll-lustlosen Dreiviertel-Takt. Schauplatz der Handlung: ein böhmischer Kurort von angejahrtem Charme. In nur fünf Tagen versündigt sich der seelenwunde Tanzreigen an sich und anderen. Ohne jede Rücksicht auf Verluste: Gevatter Tod schwingt euphorisch den Taktstock. Die Musik spielt eisig weiter. In Kenntnis der persönlichen Biographie Kunderas liest man „Abschiedswalzer" natürlich auch als Metapher für politische Willkür und tatsächlich als enttäuschte Abrechnung mit den Kommunisten in seiner tschechischen Heimat. Das mag zwar heute verstaubt wirken. Aber bewies seinerzeit ein hohes Maß an Engagement und Mut. Dabei ist der Roman aber auch pfiffig, spannend und voller Ironie geschrieben. Zugegeben: mitunter bleibt dem Leser das Lachen auch im Halse stecken. Der Roman „Abschiedwalzer" ist nicht Kunderas größter Wurf. In jedem Falle aber ein kurzweiliges Lesevergnügen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk, 6. April 2010
Ich habe diesen Roman vor etwa zehn Jahren zum ersten - und in den letzten Tagen zum zweiten Mal gelesen, und war wieder sehr beeindruckt von Milan Kunderas Schreibkunst. "Abschiedswalzer" ist nicht Milan Kunderas bekanntester, aber in meinen Augen sein bester Roman. Wie er seine allesamt interessanten Figuren in einem böhmischen Kurort zusammenführt und interagieren läßt, kann ich nur als meisterhaft bezeichnen, als Romankunst auf allerhöchstem Niveau: vielschichtig, spannend, teilweise ironisch und immer zum Mitdenken, Mitfühlen anregend. Und voller Botschaften, von denen eine sicherlich die ist: daß die Wahrnehmung der Wirklichkeit subjektiv ist - und jeder Mensch durch seine Wahrnehmung seine eigene Wirklichkeit "schafft". Besonders faszinierend und beeindruckend ist die Leichtigkeit, Eleganz und Lebensklugheit von Kunderas Stil, die den Roman zu einem besonders wertvollen und zugleich kurzweiligen Leseerlebnis macht, das weit über die eigentliche Lektüre hinauswirkt. Das man sich - mit einem gewissen zeitlichen Abstand - auch zweimal gönnen kann. Wer hervorragende Romane liebt, sollte sich "Abschiedswalzer" nicht entgehen lassen.
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