Ein überzeugter Christ wird sich über dieses Buch ärgern. Warum eigentlich, wo es doch seinen Glauben gar nicht erfolgreich zu bezweifeln vermag? Aus dem einfachen Grund, dass es Herr Rohde uns nicht so leicht macht, das, was er in seiner Auseinandersetzung mit dem "Buch der Bücher" zutage gefördert hat, ohne weiteres schlicht zu ignorieren. In akribischer Detailarbeit macht er sich daran, die "heiligen" Texte aus der Perspektive unseres gegenwärtigen Wissenshorizonts und unter der Maßgabe einer Ethik, die auf ein humanes Miteinander in wechselseitiger Achtung und Toleranz hin orientiert ist, zu durchleuchten. Was er dort entdeckt, ist zutiefst beschämend für die so genannte "Religion der Liebe", demonstriert es doch eindrücklich und für jedermann einfach anhand der biblischen Belege nachvollziehbar, welch unsäglich erschreckendes menschliches Konstrukt der biblische Glaube und sein Gottesbild darstellen. Und das beschränkt sich keinesfalls nur auf den archaischen Gott des Alten Testaments, sondern es wird ebenso dargelegt, dass es auch mit der vielbeschworenen Mitmenschlichkeit und Liebe eines Jesus von Nazareth beileibe nicht so weit her ist, wie es die gläubigen Schäfchen gerne sehen und für sich in Anspruch nehmen möchten. Denn dieser predigt laut Bibel beispielsweise nicht nur Nächstenliebe, sondern verheißt auch eine ewige (!) Höllenqual bereits all denjenigen, die während ihres kurzen und endlichen (!) irdischen Daseins seinen absonderlichen Ansprüchen nicht zu glauben und folgen bereit sind. In dieser Hinsicht übertrifft er noch seinen mutmaßlichen Erzeuger, der, obwohl er gemäß der Thora gerne des öfteren ganze Völker zum Zwecke der Demonstration seiner Macht eigenhändig meuchelte oder meucheln ließ - offenbar scheinen allmächtige Wesen derartiger Bekundungen zu bedürfen -, wenigstens mit dem Ende des menschlichen Lebens ein Einsehen zu haben schien. Offensichtlich ist das Ziel des christlichen Offenbarungsglaubens damit nicht Befreiung, sondern Abhängigkeit und Unmündigkeit - der unmündige, abhängige Mensch lässt sich leicht missbrauchen. Es erweist sich somit, dass die Untaten, die im Namen dieses Glaubens in der Geschichte geschehen sind und bis heute verübt werden, kein Zufall sind, sondern dass der Fehler im System, an der Wurzel des christlichen Glaubens, der Bibel, zu finden ist. "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer."