Es gibt unzählige Autoren, die sich kritisch mit dem Weltbestseller Bibel auseinander gesetzt haben. Auch das Erstlingswerk von Norbert Rohde, "Abschied von der Bibel - Vom alten Glauben zum neuen Wissen", geht von dem Paradoxon vom guten Gott aus, der gleichzeitig auf der Welt Übel stiftet und zulässt. Der 1922 in Berlin geborene Rohde, der selbst eine katholische Erziehung genoss, greift bei seinen Thesen auf eigene Erfahrungen im Zusammenhang mit Glaubensfragen zurück, die unter anderem aus dem Zweiten Weltkrieg und aus alltäglicher Beobachtung stammen. Als Ausgangspunkt dienen dem Autor die fünf Bücher Mose im Alten Testament, die in ähnlicher Ausprägung in Bibel, Thora und Koran die Grundlage der drei großen monotheistischen Religionen - Christentum, Judentum und Islam - bilden. Beginnend mit der Schöpfungsgeschichte und der Erbsünde Adams und Evas, zitiert er zahlreiche Bibelstellen, die ihm in ihrer positiven Absicht fragwürdig erscheinen. So stellt er beispielsweise in Zusammenhang mit dem Verbot von Götzenbildern die Frage, wie ein Gott eifersüchtig sein kann, und auf wen. An anderer Stelle weist er auf die schlechte biblische Stellung der Frau oder die Privilegien bestimmter Volksstämme hin. Rohde klagt vor allem eine allzu blinde Bibeltreue derer an, die keinerlei Kritik zulassen und selbst widersprüchliche Passagen nicht hinterfragen wollen. Schlussendlich schafft er noch einen Bezug zwischen Glauben und Wissen(-schaft), indem er Gott als Erfindung der Menschen konstatiert, der immer dann als Erklärung standhalten muss, wenn Phänomene auf anderem Wege nicht zu erklären und zu fassen sind. Es handelt es sich um ein leicht verständliches Buch, ohne theologische oder akademische Auseinandersetzung mit der Bibel. Ein weiteres Buchprojekt, das er im Zusammenhang mit dem vorgestellten Thema schon seit längerem verfolgt, sind "Fragen an Theologen und Bibelgläubige zu ihren Glaubensthesen". Es bleibt also abzuwarten, ob demnächst ein zweiter Band mit Stellungnahmen von Kirchenvertretern und Bibelverfechtern folgen wird. --
Erlanger Nachrichten, Mai 23, 2006Unser Mitglied Norbert Rohde hat ein sehr persönliches Abschiedsbuch von der traditionellen Vorstellungswelt der Bibel geschrieben. Das Buch ist sehr eingängig, verständlich, frisch und direkt formuliert. Man liest es mit Spannung und Freude. Schritt für Schritt nimmt Rohde Abschied von der Bibel und gibt allen Zweiflern Argumente an die Hand, sich selbst ein kritisches Urteil zu bilden. ¿Prüfet alles!" ist deshalb schon das erste Kapitel überschrieben. Er geht dann auf die Widersprüche in der Bibel und in der Kirchengeschichte ein, zeigt die Ohnmacht des angeblich Allmächtigen auf und analysiert die nicht gerade vorteilhaften Eigenschaften des Gottes Jahwe, der eifersüchtig und rachsüchtig ist, nur allein geliebt werden will, ja geradezu eitel ist. Nicht nur weist Gott den Frauen einen niederen Rang zu, er ist auch ein Kriegsheld, der ganze Völkerschaften ausrottet ohne Skrupel und ständig seine Machtdemonstrationen in Katastrophen vor Augen führt. Auch sein Sohn Jesus ist nach Rohde nicht gerade ein Muster an Zuverlässigkeit. Vieles, was er voraussagte, traf nicht ein, hier trifft er sich mit Karl Marx. Aber noch schlimmer als Vater und Sohn sind deren Priester, die für unsägliches Elend und Leid auf dieser Erde verantwortlich sind. Rohde untersucht auch die unterschiedlichen Bibelinterpretationen, denn schließlich kann jeder aus der Bibel das heraus lesen, was er herauslesen will, weil er es vorher hineingelesen hat. So ist das Christentum mit allem vereinbar und dem Gegenteil. Er geht auch der Frage nach, ob der Mensch durch gute Werke oder durch Gottes unerforschlichen Ratschluss (Gnade) selig werden kann (letzteres dürfte von jedem als äußerst ungerecht empfunden werden). Nächstenliebe, Feindesliebe und Hölle: in einem eigenen Kapitel fragt der Autor nach deren Vereinbarkeit. In den folgenden Kapiteln geht er auf die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft ein, die natürlich dem biblischen Welt- und Menschenbild fundamental widersprechen. Es geht um Glauben und Wissen, die Evolution, die Entstehung des Kosmos ohne Schöpfer. Ein eigenes Kapitel ist dem Themenfeld Materie, Geist, Willensfreiheit gewidmet und dann fragt er nach dem Sinn des Daseins und des Leidens, bis er seinen Abschied von der Bibel in einer Stellungnahme zusammenfasst und die sog. Gotteserfahrungen aus der Sicht der Gehirnforschung untersucht.
Georg Batz M.A. -- Ges.f.krit.Philosophie Nürnberg (GkPN),April 17,2005