Eines der besten Bücher zum großen Themenkomplex "Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland", die derzeit angeboten werden. Dresden als vielgerühmte Kulturstadt wurde nach der verherenden Zerstörung 1945 zum urbanen Mythos. Die Stadt kann deshalb als "Exempel" auch für andere Tendenzen in Gesamtdeutschland stehen. Dass aber bei weitem nicht alle Zerstörungen durch Bomben verursacht wurden, beschreibt Matthias Lerm mit großer Sachkompetenz: Er zerlegt den Wiederaufbau Dresdens, der ja noch immer andauert, in Etappen. Deutlich zeigt er auf, wie der Willen der Dresdener Bevölkerung und Denkmalpflege mit den vom sozialistischen Staatsapperat gesteuerten Wiederaufbauplänen kollidierte. Matthias Lerm behandelt aber auch die Projekte der Nachwendezeit: Nach anfänglichem Enthusiasmus wird deutlich: Auch das kapitalistische Systhem führt nur selten zu optisch optimalen, städtebaulich ganzheitlichen Lösungen. Die Vermarktung großer Areale der Dresdener Innenstadt nimmt zunehmend groteske Formen an: Verlust eines Großteils der historischen Keller, Baumrodungen, Verlust an Grünflächen...
Daneben existiert gerade in Dresden seitens der Bürger ein Bedürfnis nach "Heilung", das hier den fiskalischen, kommerziellen Interessen in die Hände spielt: Mit Barockfassaden vor Betonkernen und dem Nachbau der Frauenkirche werden Sehnsüchte befriedigt, daneben aber ein Großteil der historischen Strukturen aufgegeben. So ist das bittere Fazit Matthias Lerms, dass der Abschied vom "Alten Dresden" (zu dem aus Sicht der Denkmalpflege ja auch das ungeliebte DDR Erbe zählt) auch gegenwärtig andauert, ja sogar, abseits einiger weniger Prestigeprojekte, tiefgreifender denn je erscheint.