1950 entworfen als zunächst für 10 Jahre gedachtes Provisorium, haben die letzten der über 900 gebauten Schienenbusse noch bis zu ihrem vorerst letzten Einsatztag am 14. August 1999 im Bw Tübingen überlebt: dunkelrot, von Form und Größe extrem an einen gewöhnlichen Omnibus erinnernd, ein urig knatterndes Fahrgeräusch, Schaltgetriebe, nach beiden Fahrtrichtungen umklappbare Sitze und vor allem der herrliche Rundumblick, auch dem Lokführer über die Schulter nach vorne auf die Strecke. Zahllose Nebenbahnen haben dank Schienenbus wenigstens etwas länger überlebt. Dann waren die kleinen roten Arbeitstiere einem gesteigerten Komfortbewußtsein nicht mehr gewachsen und verschwanden allmählich. Kein Schienenfahrzeug hat es seitdem aber mehr verstanden, Atmosphäre zu schaffen. Ein knapper, aber informativer Text bildet die Mitte des reich bebilderten Buches. Auch verwandte Bauarten und Vorgänger/Nachfolger des Schienenbusses werden in angemessenem Rahmen berücksichtigt. Der Text läßt aufgrund seiner Knappheit aber manche Aspekte auch zu kurz kommen: Über die Beiwagen gleicher Bauart verliert er kaum ein Wort, Innenausstattung oder gar das charakteristische Fahrgefühl werden kaum behandelt, und die Tatsache, daß die ersten Schienebussse eine für Schienenfahrzeuge höchst auffällige Dachrandverglasung besaßen, kann der Leser zwar den Fotos entnehmen, aber auch dieses Detail verschweigt Hajt ansonsten. Im Bildteil fehlt ein Bild aus den besten Betriebszeiten der roten Brummer, wo manchmal drei oder mehr Einheiten sich an Knotenpunkten zum Umsteigen trafen. Trotz einzelner Schwächen setzt Hajt insgesamt ein würdiges Denkmal. Besonders wegen der ansonsten brillanten Bebilderung, aber auch wegen der trotz Lücken vorhandenen Informationsfülle ist das Buch es wert, wieder einmal in die Hand genommen zu werden. Wer sich ein Andenken schaffen möchte an eine wunderbare Ära Schienenverkehr, ist mit diesem Buch richtig bedient.