Was für eine Stimme! Das denkt man als Erstes, wenn man das Hörbuch zu Allan Guthries Roman Abschied ohne Küsse" in den CD-Player legt. Wenn es eine Stimme für eine solche Story gibt, dann ist es definitiv die von Sprecher Reiner Schöne. Er hat einfach die perfekte Stimmlage für diese knallharte Erzählung, die zwischen Krimi und Pulp Fiction angesiedelt ist - tief und rauchig, mit stets lakonischem Tonfall, als würde ihn das, was da passiert, gar nicht weiter kratzen. Hier wird nicht rumgelabert, sondern gleich zugeschlagen.
Die Erzählung um den Geldeintreiber Joe, der zwar keine Probleme damit hat, Leute mit einem Baseballschläger zusammenzuschlagen, der aber trotzdem einen ansatzweise weichen Kern hat, ist ein klassischer Krimi Noir, angesiedelt im heutigen Schottland in einem Milieu von Pferdewetten, Fußballfans, Prostituierten, vielen zwielichtigen Gestalten und krummen Geschäften. Das bringt auch die Sprache gut rüber - Guthrie spart nicht an kompromisslosen Beschreibungen, ebenso wenig mit Schimpfwörtern, und das alles auf eine so trockene Art und Weise, dass man öfters schmunzeln muss. Joe Hope ist der typische Vertreter des hardboiled detective (nur dass er natürlich kein echter Detektiv ist, sondern selbst kriminell) - draufgängerisch, gewalttätig, um schmutzige Methoden nicht verlegen, und dabei im tiefsten Herzen doch besorgt um seine Familie, obwohl er gleichzeitig zu Prostituierten geht und sein Geld verwettet.
Dieses Hörbuch, erschienen in der Reihe Hard Case Crimes" im Argon Verlag, ist definitiv mal was anderes. Unterhaltsam, brutal, politisch gar nicht korrekt und stellenweise sehr komisch - ein großer Spaß für Genre-Fans und gleichzeitig eine spannende Geschichte, wunderbar passend gelesen von Reiner Schöne. Die Trackeinteilung auf den vier CDs ist generell gut, außer bei der letzten CD, wo ein Track sagenhafte 35 Minuten geht - nicht sehr hörerfreundlich.