Ungezählt sind die Publikationen zum Thema Sterben. Der Bonner Kaplan Wolfgang Picken geht in seinem neuen Buch einen anderen, zum Teil auch ungewöhnlichen Weg: um durch eigene Erfahrungen in der Begleitung Leidender und Sterbender Betroffenen, Angehörigen und Interessierten zu helfen. Er zeigt Versäumnisse auf, die das Handeln von Christen und Kirche bei der Sterbe- und Trauerbegleitung immer noch aufweist. Die Christen dürfen sich, so die Überzeugung des Autors, dort nicht rar machen, wo Verzweifelte nach Gott suchen oder mit ihm ringen. Wie sonst sollte er noch mit der Botschaft der Auferstehung Gehör finden können? Ein prägender Bestandteil des Buches sind die Bilder des renommierten Sakralkünstlers Sieger Köder. Sie können helfen, das nachzuempfinden, was man aus eigenem Erleben noch nicht kennt: düstere Vorahnung, Klage, Ohnmacht, verlorenen Kampf, Sterben in Würde, den Abschied, die letzten Stunden und den Tod. Die Stärke des Buches zeigt sich darin, dass der Autor als Person erscheint die behutsam das Gespräch über den Glauben sucht, weil er zuhört und dies seinen Leser wissen lässt, meditierend die Bilder und die Erfahrungen seiner Mitmenschen aufnehmend. "Abschied nehmen vom Leben" ist ein Plädoyer für das Hinsehen, den praktizierten Glauben und ein gelebtes Christentum an dem die Welt Maß nehmen kann. Das Buch stellt fest: Erst wer seinen eigenen Standpunkt zum Leben und zum Sterben gefunden hat kann Helfer und Begleiter sein. Und es hilft, dem eigenen Tod gelassener zu begegnen. Ralf Hammecke