Ich kenne alle bisher erschienenen Bücher zum Thema Sterben/Trauer um Tiere. Und alle ergänzen sich irgendwie, so daß man in fast jedem der Bücher etwas Hilfreiches für sich herausziehen kann. Manchmal ist es nur ein entscheidender Satz, manchmal auch mehr.
Und auch dieses Buch stellt eine sinnvolle Ergänzung dar, weil es zur Abwechslung mal von einem Human-Psychologen (mit)geschrieben wurde, der ganz offensichtlich mit der Thematik trauernder Tierhalter durch seine berufl. Tätigkeit vertraut ist.
Über den Ablauf einer Euthanasie werden einige wichtige Aspekte erwähnt, z.B. auf was man bei der Wahl des Medikaments unbedingt achten sollte.
Aber den größten Teil des Buches nimmt der Bereich der Trauerarbeit ein. Hier erläutert der Autor einfühlsam die verschiedenen Trauerphasen mit all den Gefühlen, die auftreten können. Gefühle, die völlig menschlich und ganz normal sind. Gefühle, die man nicht unterdrücken und verdrängen sollte, sondern zum langfristigen Wohle der eigenen Seele unbedingt leben und für sich akzeptieren sollte. Er beschreibt sehr schön das schmerzhafte Chaos in einem trauernden Menschen, so daß man sich wirklich ernstgenommen und verstandenfühlt.
Zitat: "In der ersten Phase der Trauer ist alles Chaos und Tumult. Die Gefühle fahren Achterbahn, entwickeln ein Eigenleben, man wird zu ihrem wehrlosen Opfer, denn man kann sie nicht steuern und ihnen nicht entkommen."
Das kann natürlich nur jemand wirklich nachvollziehen, der selbst schon einmal in so einer Situation war und daher weiß, wie sich so etwas anfühlt. Von anderen Menschen kann man das nicht erwarten.
An anderer Stelle schreibt er: "Die Gefühlsstürme der Trauer können so stark und fordernd sein, daß man sich bald ausgelaugt fühlt. Sie nehmen so viel Kraft in Anspruch..." Wie wahr! Endlich mal jemand, der um diese Gefühle weiß und sie auch mit Selbstverständlichkeit zugesteht und nicht als negativ oder schlecht hinstellt (wie manche Therapeuten es tatsächlich tun!).
Mehrmals betont er, daß man all diese Gefühle (auch vermeintlich negative Gefühle wie Wut, Verbitterung, Schuldgefühle, Wehmut) annehmen und zulassen soll, anstatt sie wegdrücken zu wollen und zu bekämpfen. Eine ausgelebte Wut kann bei manchen Betroffenen sogar hilfreich sein, weil sie denjenigen davor bewahrt, in eine langfristige, echte Depression zu rutschen - aus der man bekanntlich wesentlich schwerer wieder herausfindet als aus Wutgefühlen.
Und schließlich sind es ja auch all die verschiedenen Gefühle, die einen Menschen erst lebendig machen und verdeutlichen, daß man wirklich LEBT! Das sagt aber nicht der Autor, sondern dies ist meine persönliche Überzeugung - zumal auch unsere Haustiere niemals ihre Gefühle unterdrücken, sondern sie authentisch zeigen und leben.
Für seine Gefühle braucht sich niemand zu schämen. Ganz im Gegenteil!