Der Autor unternimmt den Versuch einer vergleichenden Darstellung des Adels in Russland, England, Deutschland und der k.u.k.-Monarchie. Seine Vergleichspunkte (=Kapitel) sind: Vermögen - Lebensstil - Bildung - Rolle im Krieg - Rolle in der Politik. Insbesondere die Abschnitte über Vermögen sind sehr umfassend und auf breiter Quellengrundlage erstellt worden. Auch die Belesenheit des in Russland aufgewachsenen Londoners Universitäts-Dozenten ist beeindruckend.
Hierzulande kennt man zur Thematik das Buch von Arno J. Mayer (Adelsmacht und Bürgertum). Anders als dieser spricht der Autor nicht von "vorindustriellen Eliten", deren Vorherrschaft in den europäischen Monarchien in die Katastrophe des Weltkrieges geführt habe. Er stellt fest, dass der Adel (den er etwas enger fasst als die Aristokratie bei Mayer) auch in den modernen Wirtschaftszweigen Schlüsselpositionen erobert hat. Er vermerkt jedoch auch, dass die Industrialisierung und damit einhergehende gesellschaftliche Modernisierung den Adel in eine schwerere Existenz- und Legitimationskrise geführt hätten als etwa die Demokratisierungen in Westeuropa.
Der Vergleich zwischen den verschiedenen Nationen lässt sich kaum in ein paar Sätzen zusammenfassen. Es entsteht u.a. der Eindruck, dass der Berliner Adlige weniger vermögend und kultiviert war als sein Standesgenosse in London, Wien oder St. Petersburg - und politisch rückschrittlicher.
Freilich: man muss sich schon sehr für die Thematik interessieren, um sich das Buch in der Gänze (v.a. die schwerfälligen Abschnitte über die Vermögensverhältnisse) anzutun. Lesevergnügen sieht anders aus. Daher nur 4 Sterne.