Viele von uns kennen das - kaum ist man bei den Eltern, oder hat sie auch nur am Telefon, fällt man jedes Mal wieder in die gleichen Rollen, spielt die gleichen Muster durch - "tanzt die alten Tänze". Und das, obwohl diese Tänze sehr oft Unbehagen bei uns auslösen. Wir fühlen uns herabgesetzt, zum ewigen Kind degradiert, obwohl wir doch endlich eine Beziehung mit den Eltern anstreben, in der auch wir als selbstständige Erwachsene respektiert werden.
Das jedoch fällt vielen Eltern sehr schwer. Denn in dem Moment wo sie uns als unabhängige Persönlichkeiten akzeptieren müssen sie auch erkennen, dass wir von ihnen nicht mehr abhängig sind. Diese Abhängigkeit jedoch ist es, was viele -meiner Meinung nach v.a. Mütter- zu ihrem wichtigsten Lebensinhalt gemacht haben. Die Kinder zu umsorgen ist Ihre Aufgabe. Was wenn diese wegfällt?
Doch wie sehr sie damit die Kinder einschränken ist ihnen entweder nicht klar, oder sie nehmen dieses in Kauf zum eigenen Vorteil.
Halpern will in seinem Buch die Eltern niemals schlecht machen, er zeigt nur klar und deutlich auf, wie sie uns in unserer Entwicklung zu einem reifen, freien Erwachsenen behindern und wie wir uns aus diesen alten Mustern lösen können.
Er plädiert auch dafür, eine neue Form des Umgangs miteinander zu finden. Der absolute Bruch soll nur dann gelebt werden, wenn dies unumgänglich ist.
Halpern beschäftigt sich auch damit, wie wir alternde Eltern die plötzlich tatsächlich von uns abhängig werden auf eine Art und Weise versorgen können, ohne uns selbst wieder von den alten Verhaltensweisen einfangen zu lassen.
Ein anderes Kapitel beschäftigt sich auch mit dem Thema, wie man alte Tänze mit bereits verstorbenen Eltern beenden kann.
Alles in allem ein wunderbares Buch, dass eine große Hilfe bei der Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit bietet und zeigt, dass man mit seinen Problemen mit den Eltern weder alleine ist noch, dass man sich damit abfinden müsste.