Das ANTI-Medien-Buch von Hektor Haarkötter ragt aus der Vielzahl von Veröffentlichungen zum Thema Medien heraus wie ein Leuchtturm aus der Brandung. Den Gigantomanien und Lobhudeleien selbsterklärter "Medienwissenschaftler" setzt er einen so witzigen wie gut recherchierten Kontrapunkt entgegen, der vor allem eins zeigt, nämlich dass Medien nicht immer toll, spannend und hip sind, sondern oftmals nur langweilig, uninteressant und nervig.
Haarkötter konzentriert sich auf die 4 Medientypen Buch, Zeitung, Fernsehen und Computer. Das Kapitel gegen Bücher ist das bei weitem längste, allerdings ist ja auch die Geschichte des Mediums Buch die mit Abstand umfangreichste. Haarkötter zeigt, wie von Anbeginn aller Medien an immer auch eine Kritik am "Medienhype" stattfand. Schon der griechische Philosoph Platon wandte sich (wiewohl selbst Schriftsteller) gegen das geschriebene und FÜR das gesprochene Wort. Im Aufklärungszeitalter, etwa bei Montaigne, ist der Buchgelehrte nur noch ein Stoffhuber, der die Köpfe seiner Schüler mit Bücherschränken möbliert, ohne sie zu (wie man heute sagen würde) Transferleistungen und selbständigem Denken zu erziehen.
Ist die Buchkritik noch sachlich, so ist die Kritik an der Zeitung, namentlich der Tageszeitung, von Anbeginn an harsch und polemisch. Mit gutem Recht, denn seit Erfindung der Zeitung strotzt sie nur so vor Fehlern, Falschdarstellungen und Lügen -- und eben nicht erst, seit es die Bildzeitung gibt, über die Haarkötter allerdings auch die richtigen Worte findet. Das Fernsehen wird als das beschrieben, was es ist, nämlich piefig, langweilig und oberflächlich. Informativ und glaubwürdig wird im ANTI-Medienbuch aber auch vermittelt, dass Fernsehkonsum dumm und dick macht, zu Agressionen erzieht und gewalttätig macht. Haarkötter zitiert hier gleich eine enorme Zahl wissenschaftlicher Studien, um seine durchaus provokanten Thesen zu untermauern. Der Computer schließlich ist bei weitem nicht so schlau und intelligent, wie immer getan wird. Er verrechnet sich, sorgt für riesige Pannen und enormen wirtschaftlichen Schaden. Großen Raum in Haarkötters Darstellung nehmen die Gewalt- und Killerspiele ein, die nicht nur seiner Meinung nach aus unseren lieben Kleinen die gewaltbereiten und mörderischen Monster macht, die sie heute vielerorts sind. Das amerikanische Militär vertreibt sogar kostenlos über das Internet ein solches "ego shooter"-Killerspiel -- als Teil der paramilitärischen Erziehung der amerikanischen Jugend!
In einem Schlusskapitel, das vielleicht fast ein bisschen kurz geraten ist, ruft Haarkötter zur "Mediendiät" auf, um dem fast schon "habituellen Medienkonsum" (also dem fast schon "süchtigen" Griff zur Fernsehfernbedienung) etwas entgegenzusetzen.
Fazit: Ein klügeres Buch ist über Medien zur Zeit auf dem Markt kaum zu bekommen. Allerdings, wer sich an die Ratschläge in dem Band hält, für den ist es vielleicht auch das letzte Buch ...