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3.0 von 5 Sternen
Solider Krimi, 29. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Abriss Leipzig. Ein Kriminalroman (Broschiert)
"Abriss Leipzig" ist ein soldier Krimi, der zwar aufgrund seiner Struktur wenig zum Mitraten einlädt, jedoch auf anderen Ebenen zu überzeugen weiß: Spannung, Charakterzeichnug und Schauplatz. Leipzig als Handlungsort hebt sich wohltuend von amerikanischen oder skandinavischen Städten ab, ebenso weiß der Komissar, dem man wirklich anmerkt, dass er mal nicht weiter weiß und keine Lösung aus dem Hut zaubern kann, zu überzeugen.
Einzig die Sprache (viele nicht vollständige Sätze) und die im Mittelteil kaum fortschreitende Ermittlung sind zu bemängeln. Im 2. Teil hoffe ich hier auf Besserung.
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3.0 von 5 Sternen
Resignation und Strichermilieu in Leipzig, 4. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Abriss Leipzig. Ein Kriminalroman (Broschiert)
In diesem Krimi, der, wie der Titel schon verrät, in Leipzig und den Vororten spielt, ist Gewalt das vorherrschende Motiv. Zartbesaitete Leser werden wohl schon in den ersten paar Seiten fast zum Aufgeben verleitet, wird hier doch ausführlich eine sadomasochistische Sexszene zwischen einem Stricher und seinem Freier beschrieben. Nach diesen, für manche wohl doch abstoßenden, Seiten sind aber längere Zeit keine größeren Schockeffekte mehr zu erwarten.
Ich selbst kenne mich in Leipzig nicht gut genug aus, um zu wissen, ob alle Schauplätze wirklich authentisch beschrieben sind, doch zumindest die bekannten Wahrzeichen und die Innenstadt sind treffend beschrieben.
Bei diesem Schauplatz handelt es sich um ein Leipzig zwischen Resignation und Hoffnung. Resignation wegen gescheiterter Olympia-Bewerbung und steigender Arbeitslosenzahlen, Hoffnung wegen vielen viel versprechenden Bauvorhaben, die vielleicht wieder mehr Arbeitsplätze bringen könnten.
Doch trotzdem überwiegt die Resignation, viele der Personen haben die Hoffnung auf einen Aufschwung verloren und leben nur noch knapp über der Armutsgrenze. Im Strudel aus Gewalt und Armut gehen viele der Existenzen kaputt, vor allem die Einzelschicksale der Familien der Opfer werden eindrucksvoll geschildert.
Sehr löblich finde ich die Idee des Autors, eine deutsche Stadt als Schauplatz zu verwenden. Eine schöne Abwechslung in Zeiten, in denen viele Krimis in amerikanischen oder skandinavischen Städten spielen, die vor allem Ortskenner dazu einlädt, auf den Spuren Kommissar Kohlunds zu wandeln.
Der Schreibstil ist teilweise schwer zu verfolgen, er eignet sich nicht zum flüchtigen und nebensächlichem Lesen, auf die Zeilen Henner Kottes muss man sich als Leser konzentrieren. Gewöhnungsbedürftig ist zu Anfang vor allem, dass keine Anführungszeichen, sondern Gedankenstriche verwendet werden, um wörtliche Rede zu kennzeichnen. Doch nach ein paar Seiten hat man sich auch an diese Eigenheit gewöhnt. Viele kurze, umgangssprachliche Sätze verdeutlichen die Brutalität und Schroffheit, der die Kommissare tagtäglich begegnen. Für Illusionen ist in ihrem Beruf kein Platz mehr, sie werden erst gerufen, wenn schon alles zu spät ist. Diese besondere Form der Resignation zeigt sich in allen Eigenheiten der ermittelnden Personen.
Eine Schwierigkeit des Krimis liegt auch darin, dass die Sichtweise von Kapitel zu Kapitel wechselt. Jeder der drei Kommissare kommt zu Wort und gewährt dem Leser Einblick in seine Gedanken und Gefühle, teilweise werden auch weniger wichtige Personen zu Hauptpersonen eines Kapitels. Dies kann anfänglich sehr verwirrend sein, bis sich die Namen und Zusammenhänge vollends eingeprägt haben.
Das Buch endet relativ offen, da es der erste Band einer Serie ist. Der zweite Band ist in Vorbereitung, dies sollte der Käufer beachten, da er ansonsten mit ungestillter Neugier zurückbleibt.
Fazit:
Für Krimifans, die auch vor blutigen Szenen nicht zurückschrecken und trotzdem auch feine psychologische Einzelheiten nicht missen wollen, ist dieser Krimi sehr geeignet. Man muss allerdings gewillt sein, sich voll auf diesen Krimi einzulassen, da einem sonst die Lust aufs Lesen vergehen könnte.
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