Es wäre schade, wenn der untenstehende Verriß dieser Platte unrelativiert stehen bliebe, suggeriert er doch, diese Platte sei eher ein Fehltritt der ansonsten großartigen Sängerin Cristina Branco. Jedoch das Gegenteil ist der Fall.
Ja, es ist wahr, diese Platte klingt anders als die ersten drei oder vier von Cristina Branco. Indem Branco die Lieder des großen Alfonso interpretiert, setzt sie fort, was sie schon auf
Ulisses begann: eine deutliche Abkehr vom Fado. Vor allem klanglich. Enttäuscht werden Hörerwartungen, denen zufolge eine portugiesische Gitarre zum Klangbild einer Branco-Aufnahme gehört und alle Lieder diesen klagenden Fado-Ton haben müssen.
Stattdessen erfreut eine wunderbar zart und professionell musizierende Jazzband aus Klavier (teilweise E-Piano), Standbaß, E-Gitarre, sogar gedämpfter Trompete und dezentem Schlagzeug das Ohr. Die in allen Farben schillernde und zugleich berührend warme Stimme Brancos schmiegt sich diesem Klang, der an Aufnahmen anerkannter Jazzgrößen wie Kari Bremnes erinnert, an, als sei er für sie erfunden. Das Album ist abwechslungsreich, wie man es von einer Fado-Platte nicht zu erwarten hätte. Das ist kein Fado, es ist Jazz! Das ist der reine Hörgenuß und für mich Cristina Brancos bisher zugleich aufregendste und schönste Veröffentlichung.
Diskussionen darum, in welchem Verhältnis diese Aufnahmen zu den Originalen von Alfonso stehen, erübrigen sich. Dieses Werk steht für sich, und es ehrt Alfonso, daß er der Komponist dieser Lieder ist. Wer auf einer Branco-Platte reinen Alfonso hören will, hat noch nicht begriffen, daß Musik nur lebt, wenn sie neu interpretiert wird.
Wenn ich zum Verschenken das beste Branco-Album suchte, ich würde dieses hier nehmen.