Der Abriss ist ein Versuch Freuds, seine Theorien im Nachhinein für ein breites Publikum gangbar zu machen. Es gliedert sich in ein ausgiebiges Geleitwort, grundlegende Gedanken, 5 Vorlesungen, und einen fingierten Dialog zwischen Freud und einem "Unparteiischen" zum Thema der Laienanalyse. Es ist in einem bekanntermaßen hervorragenden Stil geschrieben, für den Freud vielfach Ehrung fand. Er versucht die Fachgriffe in eine auch für Anfänger deutliche Sprache zu übersetzen und stellt seine Gedankengänge scharf und nachvollziehbar dar. Diese ziehen sich iterativ durch das gesamte Werk. Mit Sicherheit ist der Leser gefordert, dem Buch ein hohes Maß an Konzentration zu widmen. Dem Leser wird ein guter Einstieg in ein komplexes, jedoch damals mit brennendem Eifer umstrittenes Fachgebiet angeboten.
Freud skizziert im letzten Abschnitt die Umwegsamkeiten, denen er aufgrund gesetzlicher Restriktionen und Vorbehalten begegnen musste. Er war ebenso ein Opfer der oftmals starrsinnigen Politik, die neuen, vielversprechenden Wissenschaftern verfeindet gegenüberstand und so manchen später hochanerkannten und geschätzten Fachmann zur Aufgabe seiner Dienste im Heimatland zwang.
Wer sich eine Zusammenfassung sämtlicher Theorien erwünscht, um so der, dem Werk zugrundeliegenden Literatur auszuweichen, wird in seiner Erwartung enttäuscht werden.
Doch wer gewissenhafte Studien der Freudschen Schriften ins Auge fasst, dem sei diese Schrift als Einstand angeraten.
Ich stehe nicht an, dem Interessenten meine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen.