Das Woodstock-Konzert 1969 sowie das fast gleichzeitig erschienene Debutalbum haben Santana als spektakulären Newcomer international bekannt gemacht. Groß war daher die Spannung, was wohl als nächstes kommen würde. Und auf den jungen Musikern lastete der Druck, ein würdiges Folgealbum nachzulegen.
"Abraxas" (1970) - ein feuriges, frisches Album - übertraf die Erwartungen. Es war ein Riesenerfolg, stand sechs Wochen auf Platz Eins der amerikanischen Billboard-Charts und blieb anderthalb Jahre in den Charts. "Abraxas" ist wesentlich ausgefeilter und vielseitiger als die erste Platte und wird von vielen als das Beste angesehen, was Santana je veröffentlicht hat. "Black Magic Woman", "Oye Como Va" und "Samba Pa Ti" sind nicht nur große Hits gewesen. Sie gehören zu den ewig besten Stücken der Rockgeschichte und dürften jedem halbwegs interessierten Rockfan bekannt sein. Das von Peter Green (dem frühen Kopf und Mitbegründer von Fleetwood Mac) geschriebene "Black Magic Woman" ist eigentlich erst durch Santana zu einem musikalischen Juwel geworden und ohne das geniale Keyboard-Intro von Greg Rolie sowie das angehängte "Gypsy Queen" kaum noch vorstellbar. "Oye Como Va" durfte auf keiner Party, "Samba Pa Ti" auf keiner Engtanzfete fehlen.
Aber "Abraxas" bietet noch mehr. Am Anfang steht das experimentelle, auf einer guten Musikanlage grandios klingende "Singing Winds, Crying Beasts". "Incident At Neshabur" zeigt, dass Santana auch bereits anspruchsvolle Songs mit Tempo- und Stimmungswechseln meistert, und das Percussion dominierte "Se A Cabo" festigte das Image der Latinrock-Combo. Dazu passt auch das etwas mystische Cover von Mati Klarwein, auf dem erstmals der grafisch gelungene Santana-Schriftzug auftaucht, fortan ein Erkennungszeichen der Band.
Fazit: Dieses mitreißende Album ist ein Klassiker der Rockgeschichte und sollte in keiner Sammlung fehlen. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.
Bonusinfo (previously unreleased): 1998 hat Sony Music die ersten drei CDs von Santana mit je drei Bonustracks versehen. Im Gegensatz etwa zum Debutalbum halte ich die auf "Abraxas" versammelten, bisher unveröffentlichten Bonus-Liveaufnahmen (hier: aus der Royal Albert Hall vom 18. April 1970) jedoch nicht für ein Kaufargument (ich meine einen Neukauf, wenn Sie die Scheibe bereits haben). Sie sind nicht besonders inspiriert gespielt und fallen qualitativ gegenüber den neun ursprünglichen Titeln deutlich ab. Das Booklet ist allerdings mit interessanten Zusatzinformationen versehen, und der Silberling selbst zur Picture-CD geworden.