Was passiert eigentlich mit verendeten Poperlen? Kommen die in den Pophimmel, nachdem ihre Rechteinhaber sie in den Staub gettreten haben? Nein sie kommen in die MP3 Hölle.
Martin Fry, der charmante Gentleman des Glamourpop, erklärte den Bandnamen ABC damit, daß die drei Buchstaben für alles stünden was möglich ist, und so wolle er mit ABC auch jedes Album anders gestalten als das vorherige. Das ist ihm definitiv gelungen, allerdings zu dem Preis daß seine treue Anhängerschaft eine eher kleine ist. ABRACADABRA war 1991 der Schlußpunkt einer kommerzliell kontinuierlich abwärts führenden Reise. Auch trennten sich danach die beiden Kernmitglieder Martin Fry und Mark White. Bitter da die Titelzeile der damaligen B-Seite von "Love conquers all" die heißt: Whats good about Googbye?
ABRACADABRA ist, wie alle ABC Alben, auch die späteren, eng mit der Zeit verbunden in der es entstanden ist. Mehr als andere Bands haben ABC in der Retrospektive Alben geschaffen, die längst vergangene Trends zelebrieren und insofern vermutlich eher Menschen Spaß machen, die jene Zeiten miterlebt haben. ABRACADABRA ist dabei allerdings so elegant, geschmeidig, weich und unaufdringlich melancholisch, daß man sich gefahrlos hineinfallen lassen kann, ohne sich in 80er/90er Revival-Spinnenetzen zu verfangen.
Als 2005 die vorherigen ABC Alben als erweiterte Remaster bei Mercury wiederveröffentlicht wurden, muß sich EMI gedacht haben, das aus diesem so stiefmütterlich behandelten Album doch noch etwas Geld herauszuholen ist. Sie machten kein Remaster, kramten einige (nicht einmal alle) Singletracks aus und klebten alles kommentarlos zu einem MP3 Album zusammen. Es fehlt natürlich das geschmackvolle Cover der damaliegen CD Ausgabe, aber was solls. Immerhin ist es wieder zu haben, das Album mit dem Seepferdchen. Ihm folgten nach sehr langen Pausen noch zwei weitere ABC Alben, die es auch wert sind angehört zu werden, aber ABRACADABRA ist und bleibt ein besonderes Album in der ABC Discografie.