Nachdem Death Row Records mit Dr. Dre's "The Chronic" und Snoop Doggy Dogg's "Doggystyle" einen kometenhaften Einstand ins Rapgame feiern durfte, stieg man 1994 auch ins Soundtrack-Geschäft ein. Der erste war dieser hier, nämlich der zum Film "Above The Rim". Neben dem damals typischen G-Funk trifft man auf diesem O.S.T. auf ziemlich viel R'n'B und Soul, was zwar teilweise gut gelingt, manchmal aber auch langweilen kann. Ansonsten bekommt man feinsten West Coast Hip Hop aus dem Death Row Camp, aber auch von Thug Life oder natürlich Warren G.
Den Anfang von "Above The Rim" machen gleich drei R'n'B-Songs. "Anything" von SWV (Sistas With Voice) ist eine Uptempo-Nummer mit viel Power und ordentlich Groove, wozu sich die Stimmen der drei Ladies echt toll anhören. Leider kann man dies von Sweet Sabie's "Old Time's Sake" und H-Town's "Part Time Lover" nicht unbedingt behaupten. Man kann sich die Songs zwar ab und an anhören, mit der Zeit werden sie jedoch etwas eintönig und langweilig. Einen ersten Kracher liefern uns die Dogg Pound Gangstas, die damals noch aus Daz, Kurupt, Snoop Doggy Dogg und Nate Dogg bestanden, der eigentliche Dogg Pound bildete sich erst später. Daz kreierte ein Instrumental, das an Chilligkeit wohl kaum zu übertreffen ist. Smoothe Beats, fröhliche und sommerliche G-Funk Melodien, das geht rein und versprüht Cali-Feelng ohne Ende. Gangsta D und KK von 2nd II None zeigen mit ihrem "Didn't Mean To Turn You On", dass sie es eigentlich auch verdient gehabt hätten, zu Stars der G-Funk Era aufzusteigen. Produziert wurde der Song von DJ Quik, das sagt ja eigentlich schon alles. Auf seinem Hammer-Beat legen die beiden eine echt gute Show hin, wobei sie sowohl rappen als auch singen - klasse! Ab hier folgt eine Phase mit etwas ruhigeren Klängen.
D.J. Rogers bietet meiner Meinung nach den ersten sehr gut gewordenen Soul-Track des Soundtracks. Sein mit Gitarren und viel Sinnlichkeit ausgestattetes "Doggy Style" macht einfach richtig Spaß, v.a. wegen der nicht ganz jugendfreien Lyrics. Hitsingle "Regulate" von Warren G und Nate Dogg muss eigentlich jeder kennen, der von sich behauptet, ein Rap-Fan zu sein. Die Melodie dieses Songs ist ja schon fast legendär, sodass man sie gleich nach ein paar Sekunden erkennt. Besonders die Kombination aus Nate und Warren, die sich immer am Mic abwechseln, ist hier ein Genuss. Nicht minder gut ist "Pour Out A Little Liqour" von Tupac's Gruppe Thug Life. Es ist recht flott, dennoch ernst und tiefgründig, eben Pac, wie man ihn kennt und liebt. Die leider einzige Produktion von Dr. Dre findet man mit dem Knaller "Afro Puffs" von The Lady Of Rage zusammen mit Snoop Doggy Dogg. Dre's Beat hat eigentlich nicht mehr viel mit seinen älteren Sachen zu tun, sondern geht eher in die düster, harte und drückende Richtung, so wie man es auch von "Natural Born Killaz" kennt. Nichts desto trotz ist der Song ein echter Burner, v.a. weil Rage mal wieder rappt als gäbe es keinen Morgen, der Doggfather ist dabei eher Nebensache. Wenn man sich nun nach etwas G-Funk sehnt, wird man mit CPO-Boss Hog's "Jus So Ya No" fündig. Es ist zwar nicht all zu herausragend, macht wegen seiner angenehmen und eingängigen Sounds aber dennoch richtig Spaß.
"Hoochies Need Love Too" von Paradise dürfte vielen etwas bekannt vorkommen. Dies liegt an den Samples des Isley Brothers-Classics "Groove With You". Insgesamt eine wirklich schöne Nummer über die Härte der Straße, was auch etwas zum Nachdenken anregt. Den nächsten Track aus den Händen DJ Quiks bekommt man mit "Crack 'Em" von O.F.T.B. zu hören. Die Beats sind dabei etwas härter und aggressiver, durch die funky Hintergrundelemente entsteht auch noch ein relaxter Part, große Klasse, genau wie die engagierten Rhymes der Jungs von O.F.T.B.. Fröhlich, schnell und frisch ist "U Bring Da Dog Out" der Soul-Crew Rhythm & Knowledge, danach erreicht man die Endphase von "Above The Rim". Der junge Timbaland durfte zusammen mit Devante Swing "Blowed Away" von B Rezell produzieren. Herauskam eine ruhige und schöne Nummer, bei der Rezell mit seiner tollen Stimme zu begeistern weiß. Nach Jewell's "It's Not Deep Enough" dürfen die Dogg Pound Gangstas noch einmal zeigen was sie können. Daz produzierte einen dunklen und leicht freakigen Track, bei dem besonders Kurupt eine tolle Show hinlegt, doch auch Daz und Snoop fügen sich gut ein. Die CD-Version des Soundtracks ist nun leider vorbei, wer die Kassette hingegen sein Eigen nennen kann, darf noch drei weitere Songs genießen. Diese wären "Pain" von 2Pac & Stretch, "Loyal To The Game" von 2Pac, Treach & Riddler und "Mi Monie Rite" von Lord G, die leider alle unverständlicher Weise nicht auf der CD zu finden sind.
"Above The Rim" ist ein guter, jedoch nicht überragender erster Soundtrack von Death Row. Mit "Regulate" gibt es nur einen Megahit, der Rest ist oft gut bis sehr gut, doch nichts im Vergleich zu anderen Death Row Releases. Es hätte vielleicht auch sehr gut getan ein paar der Soul-Nummern zu streichen und dafür die drei nicht mit veröffentlichten Songs mit draufzupacken. Nun sei's drum. Jeder, der die Musik aus dem Film mochte kann beherzt zugreifen, genau wie West Coast und Death Row Fans.