"Passage" und "Ceremony of Opposites" sind meine favorisierten Samael-Alben, von daher begrüße ich die Abkehr von den seichten Elektro-Metal Klängen der letzten Alben. Die Schweizer haben wirklich wieder den Knüppel aus dem Sack geholt, dafür Hut ab! Vom Härtegrad liegt "Above" mit schnelleren Rotting Christ oder Moonspell-Sachen auf einer Ebene, so kann und sollte es weitergehen.
ABER: Im Vergleich zu "Passage" bleibt nach Hören des neuen Albums einfach nichts zurück. Nur zwei Songs, der Opener "Under one Flag" und der Rausschmeißer "On The Top Of It All" haben so etwas wie Wiedererkennungswert oder Ohrwurmqualität. Der Rest ist nur ein gleichförmig durchgebolztes musikalisches Gewitter, man sagt kurz "Donnerwetter!", aber da der Blitz nicht einschlägt, scheint am Ende doch wieder nur die Sonne. Was "Above" trotz der wiedererwachten Brutalität ebenfalls abgeht, ist die Finsternis und Bösartigkeit der Frühwerke. Damals haben Samael gebissen, jetzt bellen sie nur noch laut.
Vielleicht könnte man sich die Scheibe sogar noch mit der ein oder anderen Umdrehung mehr schön hören und vielleicht wären auch zwei oder drei Spätzünder unter den Songs zu entdecken, wenn - wir kommen zum größten Manko - die Produktion nicht so unterirdisch wäre. Die knüppelnden Drums und der verzerrte Gesang sind gut zu vernehmen, die Saitenfraktion geht allerdings komplett im lauten Soundmatsch unter und kann daher null Akzente setzen. Keyboardklänge gibt es wohl auch, sie sind aber ebenfalls kaum zu vernehmen und tragen zur Atmosphäre nichts bei.
Fazit: Samael können gerne mit der neuen Härte weitermachen. Wenn das nächste Album dann etwas differenzierter produziert wird und zur Auflockerung auch mal ein oder zwei gemächlichere Tracks beigesteuert werden, könnte es wirklich groß werden. "Above" wäre dann in der Bandhistorie ein notwendiger und wichtiger Befreiungsschlag für kommende Großtaten. Für sich alleine genommen ist das Album leider nur Mittelmaß.