In was für Rollen hat man Jack Nicholson, den wohl charismatischsten Schauspieler Hollywoods, nicht schon alles gesehen: als aalglatten Privatdetektiv in "Chinatown", als vom Wahnsinn heimgesuchten Hausmeister in "Shining" oder diabolischen Frauenfänger in "Die Hexen von Eastwick". Fast ausnahmslos präsentierte er dem Publikum dabei die dämonischen Züge seines darstellerischen Talents, vom markanten Grinsen über den durchbohrenden Blick bis hin zu den naturgemäß nach oben gezogenen Augenbrauen. Einfach teuflisch gutaussehend, dieser Mann.
In "About Schmidt" sieht Jack nicht wirklich gut aus, und er soll es wohl auch nicht.
Warren Schmidt (Jack Nicholson) vereint in seinem unglücklichen, von jahrzehntelanger Tätigkeit im Versicherungsgeschäft gezeichneten Gesicht die Enttäuschung über ein Leben, das doch eigentlich ganz anders hätte verlaufen können.
Der wohlverdiente Ruhestand entwickelt sich schnell zum frustrierenden Alltagseinerlei. Einzig sein neues Patenkind Ndugu, ein kleiner, verwaister Junge aus Afrika, bringt etwas Abwechslung ins Dunkel. Diesem schreibt er ausgiebige Briefe, die ihm als Ventil für seine Unzufriedenheit dienen. Dort kann er sich auch endlich darüber auslassen, dass seine geliebte Tochter in Kürze einen ihr unwürdigen Ex-Hippie zu heiraten gedenkt. Besonders auch seine engstirnige Gattin macht Schmidt zusehends zu schaffen, er fragt sich ernsthaft, wie er es so lange mit dieser Frau in einem Haus aushalten konnte. Nun, dieses Problem löst sich nach kurzer Zeit von selbst - seine Frau verstirbt beim Staubsaugen an den Folgen eines überraschenden Schlaganfalls. Von nun an auf sich allein gestellt, beginnt Warren erst einmal zu verwahrlosen. Doch nach kurzer Zeit hat sich das einst täglich so liebevoll herausgeputzte Haus in eine ausufernde Müllkippe verwandelt. Zur Einsicht gelangt, dass es so nicht weitergehen kann, macht sich Schmidt mit seinem neuen Wohnmobil auf den Weg in eine ungewisse Zukunft. Das erste Ziel ist seine Tochter, der er auf unmissverständliche Weise einzutrichtern beabsichtigt, dass es ein großer Fehler wäre, wenn sie ihren Verlobten wirklich heiraten würde.
Wie auch nicht anders zu erwarten, wird die Reise zum Selbsterkenntnistrip: Eine Reflexion über das Leben und über das Altern, das Alleinsein und den Wert der Zweisamkeit. Allerdings, zumindest bis kurz vor Ende des Films, ohne erkennbares Happy End.
Jack Nicholsons Darstellung dieses vereinsamten, alten Mannes ist absolut beeindruckend. Mit dieser Charakterstudie beweist er einmal mehr die Wandlungsfähigkeit seines schauspielerischen Talents und zeigt, dass er sich nicht auf die oben erwähnten Rollen festlegen lässt. Mit der Verkörperung des Warren Schmidt zieht Nicholson alle Register seines Könnens, auch wenn dies auf den ersten Blick und hinsichtlich seines eher unvorteilhaften Erscheinungsbildes nicht gleich ersichtlich scheinen mag. Die Handlungsstruktur, in anderen Kritiken oftmals als zu langatmig bezeichnet, habe ich als sehr dicht und authentisch empfunden, im Gegensatz zu anderen, häufig von kitschiger Pseudomoral durchzogenen Filmen dieses Genres. "About Schmidt" setzt auf leisere Stimmungen und möchte keinen moralischen, gesellschaftskritischen Anspruch erheben. Vielmehr veranschaulicht der Film die bedrückende Sinnentleertheit eines unausgefüllten Leben, das Leben eines Mannes, der vielleicht zu spät erkannt hat, dass jeder Mensch auf seine Weise liebenswert ist. Mit diesem Fehler muss Schmidt nun weiterleben.
Doch am Ende ist er schließlich doch nicht allein. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...
Dieser Film ist für jeden absolut sehenswert, der eine schauspielerische Höchstleistung zu würdigen weiß. Five Stars.