Natürlich geht es in diesem Film um einen Jungen, nämlich um den egozentrischen Dandy Will Freeman (Hugh Grant), der trotz seiner 38 Jahre noch keineswegs erwachsen ist. Will lebt ein sorg- aber auch nutzlosen Upper-Class-Dasein in London. Dass er keine tiefen Beziehungen eingehen kann, interpretiert er für sich als Vorteil. Er gibt unumwunden zu, dass er einen seichten und wertlosen Charakter hat und er scheint mit diesem Leben sehr zufrieden.
Wills neueste Masche an problemlosen Sex zu kommen besteht darin, sich vermittels einer Selbsthilfegruppe an allein erziehende Mütter heran zu machen. So lernt er (am Tag der toten Ente) den 12 jährigen Marcus (Nicholas Hoult) kennen. Seinem Alter nach ist Marcus zwar ein Kind, doch das Leben hat den Jungen schon früh erwachsen werden lassen. Seine depressive und selbstmordgefährdete Alt-Hippie-Mutter (Toni Colette) ist nicht nur dafür verantwortlich, dass Marcus in der Schule ein Außenseiter bleibt, der andauernd schikaniert wird, sondern sie lädt auch unerträglich viele Sorgen und Verantwortung auf die Schultern ihres Sohns.
Um dieser deprimierenden Welt zu entfliehen, steht Marcus eines Tages vor Wills Tür und verlangt Einlass. Will ist gar nicht erfreut über den aufdringlichen Gast, denn eigentlich hängt er am liebsten alleine herum und beschäftigt sich nur mit sich selbst und außerdem kann er Kinder nicht ausstehen.
Dennoch lässt er Marcus über seine Türschwelle und damit auch in seine zweifelhafte Single-Existenz. So entsteht langsam eine seltsame Beziehung zwischen Will und Marcus, die das Leben der beiden "Jungen" schließlich grundlegend verändert.
Was für ein Film und was für Darsteller!
Wenn ich je gedacht habe, dass Hugh Grant nur ein mittelmäßiger Schauspieler sei, so nehme ich das hiermit feierlich zurück. Selten habe ich den britischen Schönling so einfühlsam und subtil spielen sehen wie in "about a boy". Glaubwürdig und ergreifend verwandelt er sich vom nichtsnutzigen Tagedieb langsam aber sicher in einen liebenden und sich kümmernden Menschen ohne dabei seinen britischen Charme einzubüßen. Diese Besetzung ist ein Volltreffer, ebenso wie Nicholas Hoult, der als der absonderliche Marcus souverän und absolut überzeugend auftritt, ein wahrhaftes Dreamteam diese beiden.
Natürlich ist der Film vordergründig eine unterhaltsame Komödie, die gespickt ist mit geistreichen Dialogen und herzerfrischend witzigen Off-Kommentaren von Will und Marcus. Skurrile Szenen garantieren trockenen und niveauvollen Humor, wie er britischer nicht sein könnte. Doch darüber hinaus bekommt der Zuschauer so ganz beiläufig eben auch traurige und nachdenkliche Elemente serviert, unaufdringlich, ironisch, genial!
Dieser Film ist britisches Unterhaltungskino auf höchstem Niveau und damit - besonders in der englischen Originalfassung - uneingeschränkt empfehlenswert und zwar für jeden, der auch nur annähernd Wert auf anspruchsvollen Humor legt, für alle Freunde von Kultautor Nick Hornby (dessen Buch hier mehr oder weniger genau verfilmt wurde), für Verehrer(innen) von Hugh Grant, für Englisch-Eleven und für den Rest der Menschheit natürlich auch ;-).