Zugegeben, der Film ist echt klasse und keiner hätte den einfach so in den Tag hineinlebenden Schwerenöter Will Freeman besser spielen können, als Hugh Grant. Dennoch schlägt das Buch den Film um Längen und ist meiner Ansicht nach der beste Roman von Nick Hornby.
Der Mittdreißiger Will hat noch nie in seinem Leben arbeiten müssen, da sein Großvater ein Weihnachtslied geschrieben hat, von welchem er als einzig noch lebender Verwandter äußerst gut über die Runden kommt. Neuerdings vertreibt sich der Kinderhasser die Zeit damit, bei allein erziehenden Müttern zu landen, indem er angibt, Vater eines kleinen Sohnes zu sein.
Marcus ist zwölf Jahre alt und leidet unter seiner depressiven Mutter, die ihm verbietet, Markenklamotten und tragen und Musik zu hören, die nicht älter als zwanzig Jahre ist. Daher hält Marcus Kurt Cobain für einen Fußballspieler und ist in der Schule einem täglichen Spießrutenlauf ausgesetzt.
Die Wege der beiden kreuzen sich, als Marcus eine Freundin seiner Mutter zu einem Date mit Will begleitet. Dass dieser Tag übel enden wird deutet sich schon an, als Marcus mit einem Laib Brot versehentlich eine Ente im Regent Park ins Jenseits befördert. Als er wieder nach Hause kommt, hat seine Mutter versucht sich das Leben zu nehmen.
Will ist erstmal froh, dass er diese Chaotentruppe am Ende des Tages los ist. Doch er hat die Rechnung ohne Marcus gemacht, der seit diesem Tag täglich nach der Schule an seine Haustür klingelt, um bei ihm fern zu sehen oder einfach nur abzuhängen. Nach und nach gewöhnt sich Will an den Jungen und entwickelt sogar so etwas wie väterliche Gefühle für ihn. Doch wer hier eigentlich wem hilft und zur Seite steht, wird nie so ganz klar.
Kinder ohne Väter, Depressionen, Einsamkeit und Selbstmord; das klingt eigentlich nicht nach einem Roman zum Lachen. Und Nick Hornby, das zeigt auch sein neuer Roman "A long way down", ist wohl der einzige Autor, der dem Leser auf jeder Seite die Tränen vor Lachen in die Augen treibt und gleichzeitig die ernste Thematik mit der angemessenen Würde betrachten kann. Die Wortgefechte zwischen dem Zyniker Will und Marcus, der von Sarkasmus keine Ahnung hat, sind zum Schreien komisch. Dennoch verdeutlichen sie auch die Leere und Einsamkeit im Leben der Charaktere.
Fazit: "About a boy" ist einer der besten Romane der neunziger Jahre. Hornby ist kein Vielschreiber und seinen Büchern merkt man die mehrjährige Arbeit an jeder Zeile an.